E-Motorräder in Deutschland Teil 2: A1-Bikes der zweiten Reihe

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Author Paddy Lectric

In Teil 1 unserer Serie haben wir fünf interessante A1-Elektromotorräder vorgestellt, über die in der letzten Zeit aus unterschiedlichen Gründen viel berichtet wurde. Deshalb geht es in Teil 2 um fünf weitere A1-Stromer, die in Deutschland bereits erhältlich sind – und die bisher nicht ganz so viel mediale Aufmerksamkeit erhalten haben. Ja, teilweise auch von uns.

Supersoco TC Max
Supersoco TC Max

Super Soco TC Max

Die TC Max ist so etwas wie das „Volks-E-Motorrad“ der A1-Klasse: klassischer Look, unkomplizierte Technik, oft über Händler schnell verfügbar und damit für viele der erste Berührungspunkt mit einem elektrischen Leichtkraftrad. Das Konzept ist klar auf Alltag und Pendeln ausgelegt: vergleichsweise kleiner Akku, überschaubare Ladeleistung, nur 5 kW Motorleistung dafür ein handliches Format und ein Fahrgefühl, das eher an eine moderne 125er erinnert als an die Peak-Leistungs-Monster, die die Headlines dominieren. Der herausnehmbare Akku fällt mit 3,2 kWh  recht klein aus, Doch da das Fahrzeug nur 101 kg wiegt, sind realistische Reichweite von 70-80 km zu erwarten, passend für die allermeisten Pendler. Genau diese Bodenständigkeit ist ihr größter Vorteil, weil sie im echten Leben häufig besser funktioniert als überambitionierte Datenblätter. Geladen werden die Akkus in etwa 6 Stunden mit einem externen Ladegerät, entweder am Fahrzeug oder in der Wohnung bzw. am Arbeitsplatz. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 95 km/h, der Listenpreis bei 5.453,18 Euro.

Für wen passt sie? Für Einsteiger, Pendler und preisbewusste Fahrer, die ohne große Hürden elektrisch fahren wollen und deren Streckenprofil innerhalb der schmalen Reichweite liegt, denn unterwegs zu laden, erfordert verhältnismäßig viel Zeit.

E.F.O. EM8
E.F.O. EM8

E.F.O. EM8

Die E.F.O. EM8 spielt auch in der Alltags-Liga, wirkt aber deutlich erwachsener in den Proportionen: mehr „kleiner Cruiser/Bobber“ als Naked Bike und damit ein Kandidat für alle, die A1 komfortorientiert interpretieren. Mit 8,4 kWh Akkukapazität, 8 kW Dauer- und 14 kW Spitzenleistung, 120 km/h Höchstgeschwindigkeit und einer realistischen Reichweite um 150 km ist sie klar als Pendler- und Umlandmaschine positioniert. Geladen wird über Typ 2 mit rund 1,8 kW, was die typische „über Nacht“-Logik bestätigt. Der Akku ist fest verbaut, der Preis liegt bei 7.990 Euro.

Für wen passt sie? Für Fahrer, die ein unkompliziertes E-Motorrad für den Alltag suchen, aber beim Design lieber Bobber-Style als Sportoptik sehen.

Naxeon i AM. Pro
Naxeon i AM. Pro

Naxeon I AM. Pro

Wer A1 eher als „Tech-Spielplatz“ sieht, für den ist die I AM. Pro ein Kandidat, den man nicht unterschätzen sollte. Das Bike wirkt futuristisch und bringt eine Ausstattungsliste mit, die in der 125er-Welt selten ist: ABS, Reifendrucküberwachung, Traktionskontrolle, Totwinkel-Warner, Navigation und Dashcams – also vieles von dem, was man sonst aus höheren Klassen oder aus dem Auto kennt. Technisch nennt Naxeon 6,5 kWh Akkukapazität, 1,8 kW Ladeleistung, 110 km/h Spitze, 7,5 kW Dauerleistung bei 10,5 kW Peak, 155 kg Gewicht und realistisch etwa 120 km Reichweite. Geladen wird über Typ 2, der Akku ist nicht entnehmbar, der Preis liegt bei 7.990 Euro.

Für wen passt sie? Für Einsteiger, die ein „richtiges Motorrad“ mit maximaler Ausstattung suchen und bereit sind, beim Laden eher in Ruhe als in Rekordzeit zu denken. Als kostengünstigere Alternative wird häufig die schwächere I AM. genannt, die 2.000 Euro weniger kostet, aber auch Einschränkungen unter anderem in Akkugröße und Motorleistung mit sich bringt..

Ultraviolette F77 Superstreet
Ultraviolette F77 Superstreet

Ultraviolette F77 Superstreet

Die F77 Superstreet ist der sportliche Außenseiter dieser Gruppe: optisch aggressiv, technisch ambitioniert, und im Alltag vor allem dann interessant, wenn du A1 emotional fahren willst – also nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern als Statement. Mit 10,3 kWh Akku liegt sie bereits oberhalb der typischen „reinen Pendler“-Akkugröße, allerdings wird das Potenzial durch die Lade-Realität begrenzt: Mit dem externen Ladegerät von etwa 2,5 kW braucht sie für eine Vorladung des fest verbauten Akkus etwa 4 Stunden. Der Einführungspreis liegt bei 10.390 Euro. Bei Reichweite und Performance wird viel kommuniziert, aber nicht alles ist im Alltag gleich erreichbar – gerade bei Autobahnanteilen schrumpft 160 km Reichweite erscheinen realistisch. Markant ist das gerade verzahnte Übersetzungsgetriebe, das einen eigenen turbinenartigen Sound produziert. 

Für wen passt sie? Für Fahrer, die sportliche Optik, moderne Technik und einen gewissen Exoten-Bonus wollen – und die ihre Lade-Realität kennen: eher zuhause oder am Arbeitsplatz als auf der schnellen Säule. Wer es noch sportlicher und zugespitzter möchte, findet in der F77 Mach2 die passende Schwester.

Rezon Bohemia
Rezon Bohemia

Rezon Bohemia

Die Bohemia ist in dieser Runde der „Touren-Ansatz“: groß, schwer, viel Akku, und vor allem deutlich näher an echter Ladeinfrastruktur als die meisten A1-Konzepte. Mit 15,3 kWh Akkukapazität, 6,6 kW On-Board-Charger und der Möglichkeit, neben Typ-2 auch CCS zu nutzen, ist sie das Bike, das A1 am stärksten in Richtung „mehr als nur Pendeln“ zieht. Die Ladeleistung bleibt zwar auch über CCS bei 6,6 kW limitiert, aber der praktische Vorteil liegt in der Infrastruktur: Man hat schlicht mehr Stationen zur Auswahl, was eine Tourenplanung einfacher macht. Die Reichweitenangaben bewegen sich je nach Tempo deutlich auseinander, und genau dort liegt der Punkt: Bei A1-Tempo und ruhiger Fahrweise kann das Konzept sehr weit tragen, bei höheren Dauergeschwindigkeiten wird auch hier die Physik sichtbar. In Deutschland ist sie ab 13.090 Euro zu haben.

Für wen passt sie? Für Pendler mit vielen Kilometern, für Wochenendfahrer mit Tourenambitionen und für alle, die Ladeplanung nicht als notwendiges Übel sehen, sondern als Teil des Systems.

Die SteckerBiker meinen:

Teil 2 zeigt, dass die A1-Klasse nicht nur aus den üblichen Headline-Maschinen besteht. Wer elektrisch in die 125er-Welt einsteigen will, findet hier bodenständige Alltagsbikes wie die TC Max oder die EM8, ein überraschend gut ausgestattetes Tech-Bike wie die Naxeon und mit Ultraviolette sowie Rezon sogar zwei Konzepte, die A1 in Richtung „mehr Emotion“ beziehungsweise „mehr Tour“ schieben. Am Ende entscheidet weniger das Datenblatt als die Frage, wie du wirklich laden kannst: Steckdose und Nachtladung, Arbeitsplatzstrom oder doch eine Infrastrukturstrategie über Typ-2 und CCS. In den nächsten Serien-Teilen schauen wir uns dann fünf „große“ E-Motorräder an und danach fünf Maschinen, die in diesem Jahr erstmals zu kaufen sein werden.

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