E-Motorräder in Deutschland Teil 1: Fünf spannende A1-Bikes
Elektromotorräder spielen in der A1-Klasse nach eigenen Regeln. Während beim Verbrenner die Leistung recht direkt mit dem „Gefühl“ zusammenhängt, ist das bei E-Antrieben oft anders: Die zulassungsrelevante Dauerleistung liegt zwar bei 11 kW, die Maximalleistung kann aber kurzzeitig deutlich darüber liegen. Dazu kommt das volle Drehmoment ab der ersten Umdrehung – weshalb sich viele A1-E-Motorräder beim Anfahren und im Zwischenspurt spürbar kräftiger anfühlen, als es die 11 kW auf dem Papier vermuten lassen.
Genauso wichtig wie Motor und Fahrwerk ist in dieser Klasse das Akku-Laden-Dreieck. Unter 10 kWh sind viele Bikes in erster Linie Pendler: stark im Alltag, aber bei spontanen Extra-Kilometern wird Planung schnell Pflicht. Mit mehr Akkukapazität wächst die Reichweite, und wenn dann auch noch die Ladeleistung passt, werden aus „Stadtbikes“ echte Tourenpartner. Genau deshalb sind Modelle mit höherer AC-Ladeleistung – oder mit optionalen Lade-Upgrades – so spannend: Bei den Can-Am-Modellen und bei den Zeros (insbesondere mit verbautem Charge Tank) ist eine mittellange Motorradtour nicht nur Theorie, sondern realistisch machbar.
In Teil 1 dieser Serie schauen wir auf fünf heute in Deutschland kaufbare elektrische A1-Maschinen und ordnen ein, für wen welches Motorrad interessant sein könnte. Teil 2 folgt in der nächsten Woche mit weiteren fünf Bikes – danach nehmen wir uns noch fünf „große“ E-Motorräder sowie fünf Neuheiten vor, die in diesem Jahr erstmals zu kaufen sein werden.
Maeving RM1S
Die RM1S ist das Gegenmodell zur „A1-Rakete“: bewusst reduziert, stilvoll, urban. Maeving setzt auf zwei entnehmbare Akkus (zusammen 5,46 kWh), die zum Laden einfach ins Haus oder Büro genommen werden können – ein riesiger Vorteil, wenn keine Steckdose am Stellplatz vorhanden ist. Laden der Akkus im Bike ist aber ebenfalls möglich. Maeving nennt eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h und bis zu 130 km Reichweite, das Gewicht liegt bei 141 kg. Geladen wird mit 1,2 kW, typisch über Nacht, und genau so will dieses Motorrad auch genutzt werden. Preislich steht die RM1S bei Maeving ab 8.995 Euro.
Für wen passt sie? Für City-Pendler, Design-Fans und alle, die „Laden wie beim E-Bike“ mögen: Akkus raus, hochtragen, fertig – und morgens wieder voll los. Wenn du das Maeving-Konzept als Zweisitzer willst, ist die RM2 als Schwester mit Platz für zwei Personen der logische Blick nach vorn. Die Maeving RM1S im SteckerBiker-Praxistest findet Ihr hier: LINK
Steckerbiker Praxistest: Maving RM1S – britischer Stil trifft moderne E-Technik
Praxistest Maeving RM1S: Retro-Design Highlight, in der Stadt wendig und alltagstark, Technik simpel, solide – für Touren wegen Laden/Reichweite kaum geeignet.
Black Tea Motorbikes Wildfire
Die Wildfire ist ein im wahrsten Sinne des Wortes marKANTes A1-Bike mit Start-up-Charme: leicht, kantig, bewusst minimalistisch – und trotzdem mit „Motorrad“-Ambitionen. Spitzenleistung von 34 kW, bis zu 12 kWh Akkukapazität, bis zu 250 km Reichweite und – je nach verbautem Ladegerät – vier Optionen von 2 bis 9 kW Ladeleistung: Genau diese Bandbreite macht die Wildfire in der A1-Welt zu einem echten Touren-Enabler. Das Gewicht wird mit 144 kg inklusive Batterie angegeben, preislich beginnt die Wildfire je nach Akku-Option ab 8.290 Euro, kann aber in Vollausstattung auch die 14.000-Euro-Marke knacken. Der besondere Clou: Trotz vorhandenem Typ-2-Ladeport können die Akkus entnommen und außerhalb des Fahrzeugs geladen werden. Das ist das Beste aus zwei Welten – für Laternenparker ebenso wie für Inhaber eines festen Stellplatzes mit eigenem Stromanschluss.
Für wen passt sie? Für Individualisten, die ein leichtes Bike für Stadt und Landstraße wollen, aber beim Laden nicht auf Schneckentempo festgenagelt sein möchten. Ein separates Schwestermodell wie bei den großen Marken steht hier nicht im Vordergrund – die Wildfire ist eher „eine Plattform, viele Ausbaustufen“.
Die Wildfire von Black Tea Motorbikes: Etwas ganz anderes!
Die Wildfire von Black Tea Motorbikes ist ein Elektro-Motorrad mit innovativem Design, starker Leistung, modularen Batterien und pfiffigen Details.
RGNT Street Classic
Die Street Classic ist „Elektro-Retro“ mit skandinavischer Handschrift – und mit Daten, die mehr sind als nur hübsche Optik. Es werden zwei Akkugrößen angeboten: 8,3 oder 10,1 kWh mit 140 beziehungsweise 180 km angegebener Reichweite, rund 46 kW Maximalleistung, etwa 130 km/h Spitze und 162 kg Gewicht. Geladen wird per Typ-2-AC mit 1,8 kW, was klar in Richtung „über Nacht“ zeigt. Der Einstiegspreis liegt bei 8.495 Euro.
Für wen passt sie? Für Fahrer, die Style wollen, aber trotzdem ein Motorrad, das im Alltag nicht nur Kulisse ist – ideal für Stadt, Umland und gelegentlich Landstraße, solange die Ladepausen nicht das Thema werden. Ein klassisches „Schwestermodell-Paar“ steht bei RGNT weniger im Vordergrund als die Modelllinie selbst, die in Details und Varianten weitergedacht wird.
RGNT Street Classic: Neues Modell und Akku-Update
RGNT Reborn bringt Street Classic mit zwei Akkugrößen, bis 180 km Reichweite, CarPlay & ABS. TURBO bleibt A1-Topmodell.
Can-Am Origin
Can-Am zeigt mit der Origin, wie erwachsen diese Klasse heute sein kann. Genau wie die eigentlich A2-klassifizierte Origin besitzt die A1-Version einen 8,9-kWh-Akku und einen klaren Fokus auf Allround-Tauglichkeit. Unser Medienpartner THE PACK hat sich die Maschine angesehen und das 6,6-kW-Onboard-Ladesystem als Kernargument erkannt – genau diese Ladeleistung ist es, die aus „ich komme irgendwie nach Hause“ schnell „ich fahre noch eine Runde“ macht. Das Gewicht liegt bei 177 kg. Der fest verbaute Akku wird über einen einphasigen Typ-2-Ladeanschluss geladen, lediglich die Dauerleistung ist auf 11 kW gedrosselt.
Für wen passt sie? Für A1-Fahrer, die ein modernes, robustes Bike suchen, regelmäßig laden können und auch mal eine Tour ins Umland planen, gerne auch mal nicht asphaltiert – ohne sich beim Laden jede Stunde neu erfinden zu müssen. Der Listenpreis startet bei 13.499 Euro. Wer die gleiche Technik lieber mit mehr Straßen-Bias möchte, nimmt statt der Origin die Straßen-Schwester Can-Am Pulse, die bereits ab 12.899 Euro zu haben ist. Bericht zur Can-Am Origin und Pulse
Comeback mit Strom: Can-Am auf dem Reload Land in Berlin
Can-Am feiert sein elektrisches Comeback mit den Modellen Pulse und Origin – stylisch, vernetzt und bereit für Stadt, Pendelstrecke und Offroad-Abenteuer.
Zero S
Der Platzhirsch: Die Zero S ist die spannende Mischung aus alltagstauglicher Dauerleistung und kräftigem Peak. Die S ist zwar als 11-kW-Leichtkraftrad homologiert, die Maximalleistung liegt dennoch bei 44 kW – und genau daraus entsteht dieses „größer als 125er“-Gefühl, nicht nur beim Beschleunigen. Seit Modelljahr 2026 wird sie mit einem 15,6-kWh-Akku ausgeliefert, der Reichweiten von bis zu 290 km in der Stadt und rund 180 km auf der Landstraße erlauben soll. Das Laden erfolgt per AC; je nach Ladegerät (3,3 bis 9,3 kW) dauert die Ladung von 20 auf 80 Prozent zwischen 53 und 150 Minuten. Das zeigt, wie sehr das Lade-Setup den Nutzungsumfang prägt: Voll ausgebaut rücken auch Tagestouren von mehr als 400 km in den Bereich des Möglichen. Preislich steht die Zero S mit 17.990 Euro unangefochten an der Spitze des Feldes.
Für wen passt sie? Für Pendler, die ein „richtiges Motorrad“ wollen, aber im Stadt- und Umlandbetrieb wohnen – und für alle, die die A1-Grenze gerne maximal ausreizen. Wer auch mal längere Touren fahren möchte, schaut sich den 6-kW-Charge-Tank an, der das serienmäßige Ladegerät ergänzt und die typischen Ladezeiten auf 1–2 Stunden drücken kann. Für wen die S zu straßenfokussiert ist, für den ist vielleicht ihre Reise-Enduro-Schwester Zero DS die naheliegende Alternative – doch Vorsicht: Mit 19.010 Euro stößt sie die S preislich noch vom Thron.
Bestes A1-Bike? Zero S im #SteckerBiker-Praxistest
Die Zero S fühlt sich in der A1-Klasse erstaunlich erwachsen an, glänzt im Alltag und wird erst beim Thema Laden zur echten Konfigurationsfrage.
A1 kurz erklärt
A1 steht für die „125er-Klasse“ der Leichtkrafträder, bei Elektro entsprechend für Fahrzeuge, deren zulassungsrelevante Dauerleistung die 11-kW-Grenze einhält. Diese Klasse darf mit dem Führerschein A1 gefahren werden, alternativ je nach Voraussetzungen in Deutschland auch über die nationale Pkw-Erweiterung B196. In Österreich ist das Äquivalent hierzu der Code 111. In der Schweiz können diese Fahrzeuge mit dem Lernfahrausweis der Klasse A1 ebenfalls ohne Prüfung gefahren werden. Wer grenzüberschreitend unterwegs ist, sollte allerdings bei nationalen Sonderregelungen wie B196 im Hinterkopf behalten, dass sie nicht automatisch im Ausland gelten.
Die SteckerBiker meinen:
A1 ist bei Elektro längst nicht mehr „nur 125“. Wer Peak-Leistung plus Sofort-Drehmoment einmal verstanden hat, sucht nicht mehr nach der höchsten kW-Zahl im Fahrzeugschein, sondern nach dem stimmigen Gesamtpaket aus Akku, Ladeleistung und Einsatzzweck. Für reine Pendelstrecken sind entnehmbare Akkus (Maeving) oder flexible Ladelösungen (Black Tea) oft der stressfreiere Weg. Wer dagegen bewusst „A1-Touren“ fahren will, sollte die Ladeleistung mitdenken – und landet schnell bei Can-Am oder bei Zero mit Charge-Upgrade. Teil 2 mit fünf weiteren Modellen folgt nächste Woche.