NOVUS One: Serienstart für das deutsche Carbon-Lightbike
NOVUS Urban Mobility hat den Schritt von der langen Entwicklungsphase auf die Straße geschafft: In München wurden jetzt die ersten NOVUS One aus der Serienfertigung ausgeliefert. Für den jungen Hersteller aus Braunschweig ist das ein wichtiger Moment, denn das Projekt begleitet die Szene schon seit Jahren. Laut Pressemitteilung begann die Geschichte bereits 2010 mit einer ersten Zeichnung von Gründer René Renger; 2019 wurde NOVUS gegründet, nun gehen die ersten Fahrzeuge der auf 100 Stück limitierten Founders Edition an Kunden.
Das NOVUS One will dabei bewusst nicht einfach ein klassisches Elektromotorrad sein. NOVUS spricht von einem „Lightbike“ zwischen E-Bike, Roller und Motorrad. Diese Einordnung ist nicht nur Marketing, sondern passt durchaus zur Grundidee: geringes Gewicht, reduziertes Design, keine klassische Motorrad-Silhouette, keine Kette, keine Gänge und ein konsequent integrierter Carbon-Aufbau. Auf der eigenen Website beschreibt NOVUS das Fahrzeug ebenfalls als Premium-Lightbike mit 0–50 km/h in 1,9 Sekunden, 130 km/h Höchstgeschwindigkeit, 130 Kilometern Stadt-Reichweite und 25 kW Spitzenleistung.
Viel Carbon, wenig Kompromiss
Technisch setzt NOVUS auf ein Vollcarbon-Konzept. Monocoque-Rahmen, Schwinge, Gabel und Felgen bestehen laut Hersteller vollständig aus Carbon. Das Serienfahrzeug wiegt 121 Kilogramm, die Batterie kommt auf 6,2 kWh, die urbane Reichweite wird mit mehr als 135 Kilometern angegeben. Geladen werden sollen 80 Prozent in 90 Minuten. Die Spitzenleistung liegt bei 25 kW, die Nennleistung bei 11 kW, das maximale Drehmoment im Sportmodus bei bis zu 430 Newtonmetern.
Interessant ist die softwareseitige Leistungslogik. NOVUS beschreibt, dass dasselbe Fahrzeug als L1e-Version oder als L3e-Version konfiguriert werden kann. Damit soll das One in vielen europäischen Ländern auch für Autoführerschein-Besitzer interessant sein. In Deutschland bleibt die volle 125er-Variante im Bereich A1 beziehungsweise B196 relevant, während die niedrigere Leistungsstufe mit Klasse B fahrbar sein soll.
Lifestyle statt Volumenmodell
NOVUS positioniert das One nicht als günstiges Alltagsmotorrad, sondern als Premiumprodukt. Die Founders Edition startet laut Pressemitteilung bei 21.300 Euro netto. Damit landet das Fahrzeug in einem Bereich, in dem es weniger mit klassischen A1-Elektromotorrädern konkurriert, sondern eher mit Designobjekten, Sammlerfahrzeugen und urbanen Lifestyle-Produkten.
Genau hier liegt auch die eigentliche Einordnung. Ein 6,2-kWh-Lightbike mit 130 km/h Spitze, Carbon-Monocoque und Manufakturanspruch ist technisch spannend, aber beim Preis kein Massenangebot. NOVUS zielt damit eher auf eine Klientel, die auch bei Marken wie beispielsweise Metorbike angesprochen wird: Menschen, die nicht nur elektrische Fortbewegung suchen, sondern ein besonderes Objekt mit hohem Designanspruch, Exklusivität und Gesprächswert.
Aus Braunschweig in die Lifestyle-Metropolen
Gefertigt wird das NOVUS One in Braunschweig, laut Hersteller mit überwiegend europäischen Komponenten: Carbon aus Österreich, Motor aus der Schweiz, Fahrwerk aus Belgien und Italien sowie Batterie aus Tschechien. Nach der Founders Edition soll der breitere Marktstart in Deutschland gemeinsam mit der Doerr Group erfolgen, weitere Partner in Spanien und europäischen Lifestyle-Metropolen sind geplant. Für das kommende Jahr nennt NOVUS außerdem die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate als Zielmärkte.
Perspektivisch soll das NOVUS Two folgen, ein günstigeres Einstiegsmodell mit gleicher Design-DNA, aber anderen Materialien und stärker automatisierter Fertigung. NOVUS spricht langfristig von fünfstelligen Jahresstückzahlen. Das ist ambitioniert, zeigt aber, dass die Marke nicht dauerhaft bei einer Kleinserie bleiben will.
Die SteckerBiker meinen:
Es ist gut, dass mit NOVUS ein weiterer Hersteller den schwierigen Weg vom Konzept zur Auslieferung geschafft hat. Gerade im elektrischen Zweiradmarkt haben wir in den letzten Jahren viele schöne Renderings, ambitionierte Ankündigungen und spektakuläre Prototypen gesehen. Serienfahrzeuge auf der Straße sind eine andere Liga.
Gleichzeitig muss man das NOVUS One nüchtern einordnen. Der Preis ist kräftig. Damit ist dieses Fahrzeug weniger ein ernstzunehmender Volumen-Player im E-Motorrad-Markt, sondern vor allem ein exklusives Lifestyleprodukt. Das muss nichts Schlechtes sein. Nicht jedes elektrische Zweirad muss die günstigste Pendlerlösung sein. Design, Leichtbau, Manufaktur und Exklusivität haben ebenfalls ihren Platz.
Technisch besonders interessant ist der softwareunterstützte Wechsel der Fahrzeugklasse von L1e auf L3e-A1. Dass dasselbe Fahrzeug zunächst als 50er-konforme Version gefahren und später in die 125er-Klasse freigeschaltet werden kann, ist in dieser Form im Markt einzigartig. Gerade für Einsteiger kann das ein reizvoller Gedanke sein: erst niedrigschwellig beginnen, später mehr Leistung nutzen, ohne das Fahrzeug wechseln zu müssen.
NOVUS bereichert damit die Szene. Das One wird vermutlich nicht an jeder Ecke stehen, aber jedes Exemplar auf der Straße zeigt, dass elektrische Zweiräder auch anders gedacht werden können: radikaler, leichter, reduzierter und deutlich stärker über Gestaltung definiert. Wir freuen uns über jedes NOVUS One, das wir im Alltag sehen.