Zulassungsplus bringt den Zweiradmarkt zurück in Spur
Q1 2026: Der Markt atmet wieder
Nach dem Absturz des Vorjahres wirkt das erste Quartal 2026 auf den ersten Blick wie eine kleine Befreiung. In Deutschland wurden von Januar bis März 46.028 Krafträder neu zugelassen, nach 31.975 im gleichen Zeitraum 2025. Das entspricht einem Plus von 43,9 Prozent. Der Anstieg verteilt sich dabei erstaunlich gleichmäßig über die großen Fahrzeugklassen: Leichtkrafträder legen um 73,9 Prozent zu, Leichtkraftroller um 53,8 Prozent, Krafträder um 39,6 Prozent und Kraftroller um 36,7 Prozent.
Ganz so einfach, wie diese Zahlen es nahelegen, ist die Lage aber nicht. Das erste Quartal 2025 war massiv vom Euro-5-Effekt verzerrt. Weil Ende 2024 viele Tageszulassungen vorgezogen wurden, sackte der Markt zu Jahresbeginn 2025 regelrecht ab. Gegenüber Q1 2024 stand damals ein Minus von 40,7 Prozent zu Buche, von 53.904 auf nur noch 31.975 Einheiten. Das erklärt, warum der aktuelle Aufschwung zwar kräftig aussieht, Deutschland aber noch immer nicht wieder ganz auf dem Niveau von 2024 angekommen ist.
Der Euro-5-Schatten bleibt in den Zahlen sichtbar
Gerade deshalb sollte man die diesjährigen Zuwächse nicht als plötzliches Wunder missverstehen. Eher sehen wir eine verspätete Rückkehr in Richtung Normalität. Besonders deutlich wird das dort, wo die Verwerfungen im Vorjahr am größten waren. Enduro und Supermoto kommen nach 981 Einheiten in Q1 2025 nun auf 3.299 Zulassungen und damit auf ein Plus von 236,3 Prozent. Tourer springen von 294 auf 792 Einheiten, was einem Zuwachs von 169,4 Prozent entspricht. Auch die Sport-Roller holen kräftig auf und steigen von 205 auf 517 Einheiten, also um 152,2 Prozent. Im Vorjahr waren genau diese Segmente zuvor besonders hart eingebrochen. Enduro/Supermoto hatten Anfang 2025 noch 79,1 Prozent verloren, Tourer 75,0 Prozent und Sport-Roller 45,2 Prozent.
Das macht die Einordnung schwierig. Einerseits ist die Erholung real. Andererseits tragen die außergewöhnlich schwachen Vergleichswerte des Vorjahres zwangsläufig zu diesen spektakulären Prozentzahlen bei. Der Euro-5-Effekt ist also nicht vorbei, nur weil wir inzwischen wieder steigende Kurven sehen. Er hängt weiterhin wie ein Filter über der gesamten Statistik.
Elektromotorräder wachsen gegen den Trend der Vorjahre
Umso interessanter ist der Blick auf das Segment der Elektromotorräder. Denn hier passt die übliche Erklärung mit dem Euro-5-Nachlauf nur eingeschränkt. Das Segment war 2025 gerade nicht eingebrochen, sondern hatte als einziges Segment im ersten Quartal sogar zugelegt: von 244 auf 264 Einheiten, also um 8,2 Prozent. 2026 steigt diese Zahl nun auf 777 Einheiten. Das ist ein Plus von 194,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Absatz damit mehr als verdreifacht.
Genau deshalb sind die aktuellen Elektro-Zahlen mehr als ein bloßer statistischer Nachholeffekt. Hier ist tatsächlich Bewegung im Markt. Noch ist das Segment mit 1,71 Prozent Marktanteil klein, aber die Richtung stimmt. Elektromotorräder sind im deutschen Zulassungsbild nicht mehr bloß ein exotischer Randposten, sondern beginnen langsam, sich als sichtbarer Teil des Marktes zu etablieren.
Stark Future räumt bei Enduro und Supermoto auf
Ein erheblicher Teil dieser Entwicklung geht auf einen einzigen Hersteller zurück. Stark Future kommt im ersten Quartal 2026 bei den Elektro-(Leicht-)Krafträdern auf 351 Neuzulassungen und damit auf einen Marktanteil von 45 Prozent. Auf Modellebene entfallen 182 Zulassungen auf die Varg EX/EM und 169 auf die Varg SM. Zusammen stellen diese beiden Modelle fast die Hälfte aller in Deutschland neu zugelassenen Elektro-(Leicht-)Krafträder.
Dass ausgerechnet Stark hier so stark einschlägt, ist kein Zufall. Die Marke trifft mit ihren Varg-Modellen genau jene Bereiche, die im klassischen Markt zuletzt besonders unter Druck standen und nun besonders kräftig zurückkommen: Enduro und Supermoto. Dort mischt Stark das Feld nicht nur mit auf, sondern prägt es inzwischen sichtbar mit.
Zero hält sich, NIU dominiert die Roller
Erfreulich ist aus deutscher Elektro-Sicht auch der Blick auf Zero Motorcycles. Zwar sinkt der Marktanteil des Herstellers bei den Elektro-(Leicht-)Krafträdern von 21,86 auf 10,00 Prozent, doch in absoluten Zahlen steigt Zero trotzdem von 61 auf 78 Neuzulassungen. Das entspricht einem Zuwachs von 27,9 Prozent. Der Markt wächst derzeit also schneller als Zero, aber Zero wächst weiterhin mit.
Bei den elektrischen (Leicht-)Kraftrollern ist die Lage noch klarer. NIU setzt sich mit 439 Einheiten an die Spitze und erreicht damit 41,34 Prozent Marktanteil. Im Vorjahresquartal waren es gerade einmal 78 Fahrzeuge gewesen. Das ergibt ein Plus von 462,8 Prozent. Topmodell ist der MQI GT mit 241 Einheiten, gefolgt vom NQIX 500 mit 142. Zusammen zeigen diese Zahlen, dass der elektrische Rollerbereich in Deutschland längst nicht mehr nur aus vereinzelten Ausreißern besteht, sondern von einzelnen Herstellern schon regelrecht gestaltet wird.
Was im zweiten Quartal spannend wird
Für die kommenden Monate wird entscheidend sein, ob aus dieser Erholung ein belastbarer Trend wird. Besonders gespannt darf man auf Q2 schauen. Dann dürfte sich zeigen, ob die aggressive Preisaktion von LiveWire bei der ONE in den Zulassungszahlen Spuren hinterlässt. Ebenso interessant wird, wann und wie stark die ersten echten Impulse der Honda WN7 sichtbar werden. Noch ist das Bild von Stark Future dominiert, doch der Markt wäre sofort deutlich spannender, wenn weitere Hersteller im größeren Stil nachziehen würden.
Gleichzeitig wächst die Zahl elektrischer Motorräder auf Deutschlands Straßen inzwischen spürbar. Das betrifft längst nicht mehr nur die 125er-Klasse, auch wenn dort naturgemäß besonders viel Dynamik steckt. Dass sich parallel eine fossile Energiekrise abzeichnet, könnte diesen Trend zusätzlich beschleunigen. Beweisen lässt sich das mit den vorliegenden IVM-Zahlen nicht. Als möglicher Verstärker ist der Zusammenhang aber zumindest plausibel.
Die SteckerBiker meinen:
Der schwere Einbruch bei den Verbrenner-Zweirädern im vergangenen Jahr war erwartbar und vor allem ein Sondereffekt des auslaufenden Euro-5-Regelwerks. Bei den Elektrozweirädern greift diese Erklärung jedoch nur begrenzt. Gerade deshalb sind die aktuellen Zahlen bemerkenswert. Sie zeigen, dass der Elektroantrieb im Zweiradbereich langsam, aber sichtbar Fuß fasst. Getragen wird diese Entwicklung nicht ausschließlich, aber in besonderem Maße von Stark Future, die mit Varg EX und Varg SM vor allem Enduro und Supermoto kräftig durcheinanderwirbeln. Ebenso positiv ist, dass auch Zero Motorcycles wieder zulegen konnte. Jetzt wird spannend, ob Q2 zusätzliche Dynamik bringt, etwa durch LiveWires Preisoffensive oder durch erste Zulassungen der Honda WN7. Insgesamt ist die Richtung klar: Da draußen fahren mehr Elektromotorräder als noch vor einem Jahr. Und jeder Zuwachs in diese Richtung ist einer, den wir gern sehen.