Totgesagte leben länger: NIUs großes NQi-Update
Als Anfang 2025 die komplett neu entwickelte NQiX150 vorgestellt wurde, gingen wir eigentlich davon aus, dass der klassische NIU NQi Sport langsam vom Markt verschwinden würde. Schließlich wirkte die neue NQiX-Plattformmoderner, digitaler und technisch deutlich näher an aktuellen Smart-Mobility-Konzepten.
Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Denn statt den beliebten 45-km/h-Roller auslaufen zu lassen, spendiert NIU dem NQi Sport überraschend ein großes Upgrade. Und das zeigt ziemlich deutlich: Der Hersteller weiß offenbar selbst, wie wichtig die klassische NQi-Plattform bis heute für die Marke ist.
Gerade in Europa gehört der NQi Sport noch immer zu den bekanntesten Elektrorollern überhaupt. Viele Fahrer kennen ihn aus dem Stadtbild, aus Sharing-Flotten oder von Abo-Anbietern wie Emmy oder Dance. Dazu kommen weltweit inzwischen über zwei Millionen verkaufte NQi-Roller. Kein Wunder also, dass NIU die Baureihe offenbar noch lange nicht aufgeben möchte.
Der Klassiker wird technisch modernisiert
Besonders spannend: NIU spricht beim neuen Modelljahr tatsächlich von einer vollständig weiterentwickelten Generation. Zwar bleibt das bekannte Design des NQi Sport erhalten, technisch wurde der Roller allerdings an vielen Stellen grundlegend überarbeitet.
Der Roller bekommt unter anderem ein komplett neu entwickeltes Chassis, verbesserte Fahrleistungen, integrierte Navigation sowie das neue NIU Link Crown Interface. Gleichzeitig führt NIU flexible Akku-Konfigurationen und eine neue Akku-Generation mit verbesserter Sicherheit und höherer Wasserfestigkeit ein.
Gerade das neue Fahrwerk dürfte dem NQi Sport im Alltag ein deutlich erwachseneres Fahrgefühl verleihen. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass NIU die Baureihe künftig stärker vereinfachen möchte. Während der Roller früher zeitweise in bis zu sechs verschiedenen Farben erhältlich war, bleibt künftig offenbar nur noch Mattschwarz im Programm. Das wirkt zwar etwas nüchterner, passt aber zur neuen Strategie einer vereinheitlichten und effizienteren Modellpalette.
Und vielleicht liegt genau darin bis heute auch eine der größten Stärken des Rollers. Während viele moderne Elektroroller inzwischen immer aggressiver und futuristischer wirken, bleibt der NQi Sport optisch erstaunlich zeitlos – fast schon ein wenig niedlich. Genau diese einfache und freundliche Rolleroptik machte die NQi-Serie überhaupt erst so erfolgreich.
Mehr Leistung und neue Akkuplattform
Auch technisch macht der kleine Stadtroller einen überraschend großen Sprung. Während der bisherige NQi Sport noch mit maximal rund 1.800 Watt Spitzenleistung unterwegs war, steigt die Leistung beim neuen MY26-Modell auf bis zu 3.800 Watt. Gleichzeitig wächst die Akku-Spannung von bislang 60 Volt auf zeitgemäße 72 Volt.
Besonders spannend ist allerdings die neue Akkuplattform. Erstmals nutzt der NQi Sport dieselben modernen 72V-28Ah-Akkus wie die Modelle der NQiX- und FQiX-Serie. NIU vereinheitlicht damit große Teile seiner Batterietechnik über mehrere Modellreihen hinweg – ein Schritt, der Produktion, Service und Ersatzteilversorgung langfristig deutlich vereinfachen dürfte. Gleichzeitig verspricht die neue Akku-Generation mehr Sicherheit sowie eine verbesserte Wasserfestigkeit.
Durch die neue Plattform lässt sich der NQi Sport nun außerdem optional mit einem zweiten Akku ausrüsten. Dadurch steigt die Reichweite laut NIU auf bis zu 120 bis 130 Kilometer. Mit nur einem Akku dürften im Alltag realistisch eher etwa 55 bis 60 Kilometer möglich sein.
Genau dadurch wird der kleine 45-km/h-Roller plötzlich auch für Fahrer aus umliegenden Stadtgebieten oder dem Speckgürtel deutlich interessanter. Denn genau dort scheiterten viele klassische E-Mopeds bislang oft schlicht an der Reichweite.
Auch die größere NQi GTS als L3e-Version mit bis zu 80 km/h soll technisch überarbeitet werden und künftig ebenfalls die neue Plattformtechnik erhalten. Damit modernisiert NIU praktisch die komplette klassische NQi-Baureihe parallel zur neuen NQiX-Serie.
Vom Stadtroller zum Smart Device
Auch digital zieht der NQi Sport deutlich nach. Navigation im Cockpit, OTA-Updates, Smartphone-Connectivity und ein modernes TFT-Farbdisplay zeigen ziemlich klar, wie stark sich NIU inzwischen vom klassischen Rollerhersteller zum Tech-Unternehmen entwickelt. Features, die früher fast ausschließlich teuren Premium-Modellen vorbehalten waren, wandern inzwischen immer stärker in günstigere Fahrzeugklassen. Genau dadurch verschwimmt die Grenze zwischen einfachem Stadtroller und digitalem Smart Vehicle zunehmend.
Trotzdem bleiben einige Features weiterhin den größeren NQiX- und FQiX-Modellen vorbehalten. Dazu gehören vor allem ABS und die neuen Heckradar-Systeme. Gerade angesichts der gestiegenen Leistung dürfte das fehlende ABS nicht jeder Fahrer nachvollziehen können. Gleichzeitig zeigt die Ausstattung des NQi Sport aber auch, wie viel Technik inzwischen selbst in günstigen Fahrzeugklassen angekommen ist. Der günstige Einstiegspreis dürfte viele Käufer darüber hinwegtrösten.
Kampfansage statt Preisschock
Besonders spannend bleibt NIUs Preisgestaltung. Während viele Elektroroller in den vergangenen Jahren spürbar teurer geworden sind, bleibt der neue NQi Sport MY26 weiterhin bei nur 1.999 Euro.
Und genau das ist in Kombination mit der neuen Technik schon fast eine kleine Kampfansage. Denn moderne Connectivity, 72-Volt-Plattform, optionaler Doppelakku und deutlich mehr Leistung findet man in dieser Preisklasse aktuell nur selten.
Gerade dadurch dürfte der Roller weiterhin extrem interessant für junge Fahrer, Pendler und preisbewusste Stadtfahrer bleiben.
Die #SteckerBiker meinen
„Die NQi Sport ist tot! Es leben die NQi Sport!“ – genau so fühlt sich das neue Upgrade an. Während die neue NQiX-Serie klar Richtung Premium- und Smart-Mobility geht, bleibt der klassische NQi Sport weiterhin der bodenständige Alltagsroller im NIU-Portfolio – bekommt technisch aber endlich ein großartiges Upgrade.
Besonders spannend finden wir dabei die Kombination aus höherer Leistung, neuer 72-Volt-Plattform und optionalem Doppelakku. Genau dadurch wird der Roller plötzlich deutlich universeller nutzbar als viele bisherige 45-km/h-Elektroroller. Vor allem die neue vereinheitlichte Akkuplattform halten wir für den absolut richtigen Schritt in die Zukunft – ehrlich gesagt hätte NIU diesen Weg sogar schon deutlich früher einschlagen können.
Natürlich merkt man trotzdem, dass der NQi Sport weiterhin klar unterhalb der neuen Premium-Plattformen positioniert bleibt. Das fehlende ABS zeigt ziemlich deutlich, dass die NQiX-Serie technisch weiterhin die eigentliche Zukunft der Marke darstellen soll.
Trotzdem freuen wir uns, dass uns der klassische NQi Sport auch nach über zehn Jahren optisch erhalten bleibt. Denn genau diese einfache, zeitlose und sympathische Rolleroptik machte die NQi-Serie überhaupt erst so erfolgreich. Und dank des technischen Upgrades dürfte der kleine Klassiker nun wohl noch deutlich länger auf Europas Straßen unterwegs sein.