Royal Alloy: Alte Schule, neuer Antrieb
Britischer Retro-Charme, moderne Semi-Solid-State-Akkus und bis zu 220 Kilometer Reichweite: Royal Alloy erweitert seine bekannten Rollerbaureihen um einen Elektroantrieb. Für 2027 sind gleich neun Modellvarianten angekündigt – vom kleinen 45er bis zum kräftigen A2-Roller. Besonders interessant: Auch beim Schnellladen hat der Hersteller offenbar weitergedacht als andere.
Royal Alloy – britischer Charme, deutsches Händlernetz
Royal Alloy stammt aus Großbritannien und hat sich mit Retro-Rollern im Stil klassischer Lambretta-Modelle einen Namen gemacht. Besonders die Verwendung von Karosserieteilen aus Metall gehört zum Markenkonzept und unterscheidet einige Modelle von vielen modernen Rollern mit Kunststoffverkleidung.
In Deutschland werden die Fahrzeuge von der FK Motors Europe GmbH aus Schneverdingen importiert. Das Unternehmen vertreibt neben Royal Alloy auch andere Motorrad- und Rollermarken und baut das deutsche Händlernetz weiter aus.
Die neuen Elektromodelle sollen ebenfalls über diesen Vertriebsweg angeboten werden. Für Käufer dürfte dabei besonders interessant sein, wie die Händler künftig auf die Wartung und Reparatur der elektrischen Antriebe vorbereitet werden.
Dass die neuen Roller nicht nur auf dem Papier existieren, zeigt ein autorisierter Royal-Alloy-Händler in Kammerstein bei Nürnberg. Dort wird bereits ein GP 125-EV-Prototyp zur Besichtigung angeboten.
Elektroantrieb mit Getriebe
Technisch geht Royal Alloy einen interessanten Weg. Statt eines einfachen Radnabenmotors setzt der Hersteller auf eine elektrische Triebsatzschwinge mit zweistufigem Getriebe.
Motor, Steuergerät, Getriebe und hintere Einarmschwinge bilden eine kompakte Einheit. Das Getriebe soll die Motordrehzahl reduzieren und gleichzeitig das Drehmoment am Hinterrad erhöhen.
Bei den leistungsstärksten Modellen verspricht Royal Alloy 346 Nm am Hinterrad und eine Beschleunigung von 0 auf 50 km/h in 2,2 Sekunden.
Die GP- und TG-Modelle sollen rund 140 Kilogramm wiegen, die GT-Versionen etwa 135 Kilogramm.
Zur Ausstattung gehören außerdem Zweikanal-ABS, Traktionskontrolle und ein TFT-Display mit verschiedenen Konnektivitätsfunktionen. Auch eine Reifendrucküberwachung und die Einbindung einer Dashcam sind vorgesehen.
Drei Modelle, drei Leistungsklassen
Royal Alloy erfindet seine Roller für den Elektroantrieb nicht neu. Die drei Baureihen GP, TG und GT sind bereits mit Verbrennungsmotoren erhältlich und sollen künftig zusätzlich elektrisch angeboten werden. Dabei behalten sie ihre jeweils eigenständige Optik.
Die GP greift mit ihren kantigen Linien, markanten Seitenhauben und der klassischen Blechkarosserie den Stil traditioneller Lambretta-Roller auf. Die TG wirkt mit ihren runderen, geschwungenen Formen noch nostalgischer und setzt ebenfalls auf eine Metallkarosserie. Die GT präsentiert sich dagegen etwas schlichter und bildet den preislichen Einstieg. Bei den bisherigen Verbrennermodellen kommen hier im Gegensatz zu GP und TG Kunststoffkarosserieteile zum Einsatz. Ob das auch für die elektrischen GT-Versionen gilt, ist noch nicht abschließend geklärt.
Jede der drei Baureihen soll in drei elektrischen Leistungsklassen angeboten werden: als 45-km/h-Roller, als 125er-Alternative für A1 und B196 sowie als deutlich leistungsstärkere A2-Version.
Die 50-EV-Modelle leisten dauerhaft 1,5 kW, in der Spitze bis zu 8 kW, und erreichen maximal 45 km/h. Je nach Modell kommen Akkus mit 3,07 bis 4,03 kWh zum Einsatz, die Reichweiten von 100 bis 110 Kilometern ermöglichen sollen.
Die 125-EV-Versionen bringen es auf 5 kW Dauer- und 11 kW Spitzenleistung. Damit sollen bis zu 105 km/h möglich sein. Die Akkukapazitäten liegen zwischen 5,4 und 8,1 kWh, die angegebenen Reichweiten zwischen 150 und 220 Kilometern.
Am oberen Ende stehen die 400-EV-Modelle mit 12 kW Dauerleistung und 27 kW Spitzenleistung. Sie sollen bis zu 135 km/h erreichen und mit ihren 8,1-kWh-Akkus bis zu 220 Kilometer weit kommen.
Schnellladen statt stundenlang warten?
Besonders interessant finden wir das angekündigte Ladekonzept. Royal Alloy verwendet nach eigenen Angaben Semi-Solid-State-Lithium-Ionen-Akkus, die auch für den Einsatz bei niedrigen Temperaturen ausgelegt sein sollen.
Serienmäßig ist das Laden über ein tragbares Ladegerät an der Haushaltssteckdose vorgesehen. Zusätzlich kündigt Royal Alloy zwei weitere Lademöglichkeiten an: einen Gleichstrom-Ladeanschluss mit 80 Ampere sowie eine Wechselstrom-Ladeoption mit 22 Ampere.
Besonders spannend: Auf einer Abbildung der deutschen Royal-Alloy-Website ist ein Anschluss zu erkennen, der dem europäischen CCS2-Standard entspricht. Dieser kombiniert den Typ-2-Anschluss für Wechselstrom mit zwei zusätzlichen Kontakten für das Gleichstrom-Schnellladen.
Mit der Gleichstrom-Variante sollen Ladezeiten von 20 auf 80 Prozent in rund 40 Minuten bei GP und TG beziehungsweise 27 Minuten bei der GT möglich sein.
Allerdings bleiben einige Fragen offen. Ist CCS2 bei allen Modellen erhältlich oder nur bei bestimmten Ausführungen? Handelt es sich um eine Serienausstattung oder um eine kostenpflichtige Option? Und welche tatsächliche Ladeleistung in kW wird erreicht? Die genannten Stromstärken allein reichen für eine eindeutige Aussage nicht aus.
Die abgebildete CCS2-Buchse ist jedenfalls ein vielversprechender Hinweis. Ob die Serienfahrzeuge tatsächlich an öffentlichen CCS-Schnellladesäulen geladen werden können, muss sich noch bestätigen.
Gerade bei einem Roller mit 135 km/h Höchstgeschwindigkeit wäre eine unkomplizierte Schnelllademöglichkeit ein echter Vorteil.
Preise zwischen 5.000 und 8.800 Euro
Der deutsche Importeur FK Motors hat bereits Preise für alle neun Varianten veröffentlicht.
Den Einstieg bildet die GT 50-EV für 5.000 Euro. Die stärkeren GT-Modelle kosten 6.100 Euro (125-EV) beziehungsweise 7.200 Euro (400-EV). Für die GP-Baureihe werden 5.600 Euro, 7.500 Euro und 8.500 Euro aufgerufen. Die TG-Modelle liegen mit 5.800 Euro, 7.700 Euro und 8.800 Euro jeweils etwas darüber. Hinzu kommen 299 Euro Liefernebenkosten.
Die ersten 400-EV-Modelle werden ab Januar 2027 erwartet. Für die 50er- und 125er-Versionen ist die Homologation im März 2027 vorgesehen, die Auslieferung soll im Mai beginnen.
Einzelne Händler bewerben bereits eine frühere Verfügbarkeit der GP 400-EV. Wann die ersten Fahrzeuge tatsächlich bei den Kunden ankommen, bleibt daher abzuwarten.
Die #SteckerBiker meinen:
Retro und Elektro passen hervorragend zusammen. Schließlich braucht ein schöner Roller weder Auspuff noch Motorengeräusch, um Charakter zu haben.
Uns gefällt besonders, dass Royal Alloy seine bestehenden Modelle nicht einfach durch neue Elektrokonstruktionen ersetzt, sondern die vertrauten Formen mit moderner Antriebstechnik kombiniert. Gerade die GP und TG mit ihren klassischen Metallkarosserien haben einen ganz eigenen Charme.
Was Royal Alloy hier ankündigt, geht allerdings deutlich über ein hübsches Design hinaus. Besonders die Kombination aus Semi-Solid-State-Akkus, 27 kW Spitzenleistung und bis zu 135 km/h macht uns neugierig.
Noch spannender ist die Aussicht auf CCS2-Schnellladung. Sollte Royal Alloy diese Technik tatsächlich in seinen Serienrollern anbieten, wäre das ein bemerkenswerter Schritt – insbesondere in einer Fahrzeugklasse, in der das Laden an der Haushaltssteckdose noch immer weit verbreitet ist.
Auch die Preise sind interessant. 8.500 Euro für die GP 400-EV sind zwar kein Schnäppchen, angesichts der angekündigten Technik aber durchaus eine Ansage.
Entscheidend wird sein, ob die Roller ihre versprochenen Reichweiten erreichen, wie zuverlässig die neue Antriebstechnik arbeitet und ob das Schnellladen im Alltag tatsächlich so unkompliziert funktioniert.
Wir würden jedenfalls gern herausfinden, ob Royal Alloy nicht nur beim Blech, sondern auch bei der Elektrotechnik hält, was die klassischen Formen versprechen.