OMOWAY OMO X: „Motorcycle 3.0“ – Automotive-Technik auf zwei Rädern

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Categories Fahrzeuge
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Author Remo Klawitter

Assistenzsysteme, Vernetzung und autonomes Fahren verändern das Auto seit Jahren grundlegend. Beim Motorrad geht die Entwicklung bislang deutlich behutsamer voran. Der junge Hersteller OMOWAY möchte das ändern und verspricht mit der OMO X nicht weniger als das „Motorcycle 3.0“. Doch wie sieht das Motorrad der Zukunft aus?

Omoway Omo X

Wer steckt hinter OMOWAY?

Dass sich OMOWAY kräftig in der Autowelt bedient, kommt nicht von ungefähr. Hinter dem jungen Unternehmen stehen Köpfe mit Erfahrung aus der Automobil- und Techbranche. Investoren aus dem Umfeld von CATL, XPeng und BYD sind an Bord.

Seit der Gründung hat OMOWAY mehrere Finanzierungsrunden abgeschlossen und dabei mindestens einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in US-Dollar eingesammelt. Allein die Pre-A-/Pre-A+- sowie die späteren A-/A+-Runden brachten jeweils mehrere zehn Millionen US-Dollar ein.

Indonesien ist der erste Absatzmarkt. Bereits im März 2026 ging die OMO X in Serienproduktion, im Juni begannen die ersten Auslieferungen. 

Omoway Omo X

Technik von einem anderen Stern?

Unter der Software steckt ein ernstzunehmendes Elektromotorrad. Die OMO X erreicht laut Hersteller 113 km/h, beschleunigt in 3,3 Sekunden von 0 auf 50 km/h und liefert bis zu 320 Nm Drehmoment am Hinterrad. 

Beim Fahrwerk bedient sich OMOWAY bei der Automobiltechnik. Statt einer klassischen Motorradgabel kommt vorn eine Doppelquerlenker-Konstruktion zum Einsatz. Sie soll das Eintauchen beim Bremsen reduzieren.

Zur Ausstattung gehören Zweikanal-ABS, Traktionskontrolle, AutoHold und Bergabfahrhilfe. Selbst der Seitenständer lässt sich auf Knopfdruck elektrisch ein- und ausklappen.

Omoway Omo X

OMOWAY bietet zwei fest verbaute Akkuvarianten mit 5,38 oder 7,68 kWh an. Mit dem größeren Akku nennt der Hersteller 210 Kilometer Reichweite nach WMTC, mit dem kleineren 160 Kilometer. In der Realität werden es wohl eher 100 bis 150 km sein.

Geladen wird direkt am Motorrad. Neben der OMOWAY-Ladestation und einem mobilen Ladegerät kann die OMO X an Ladepunkten für Elektroautos angeschlossen werden. Eine vollständige Ladung soll dort bis zu zwei Stunden dauern. An der OMO Charging Station nennt der Hersteller 10 auf 80 Prozent in 60 Minuten.

Einen Ladestandard für eine europäische Version nennt OMOWAY noch nicht. Aufgrund der angegebenen Ladeleistung dürfte Typ 2 deutlich wahrscheinlicher sein als eine CCS Gleichstromladung.

Omoway Omo X

Ein Cockpit wie im Auto

Vor dem Fahrer sitzt ein 10,25 Zoll großes Display mit Smartphone-Spiegelung und Navigation. Das Smartphone dient als digitaler Fahrzeugschlüssel und kann die OMO X beim Annähern automatisch entriegeln.

Zugangsberechtigungen lassen sich teilen, über die App können Standort, Fahrten und Fahrzeugdaten abgerufen werden. OTA-Updates aktualisieren die Fahrzeugsoftware und ermöglichen neue Funktionen. Eine Ferndiagnose ist möglich.

Hier wird deutlich, was OMOWAY unter „Motorcycle 3.0“ versteht: Das Motorrad soll ähnlich wie ein modernes Elektroauto zu einer vernetzten und per Software weiterentwickelbaren Plattform werden.

Omoway Omo X

Wenn das Motorrad selbst fährt

Noch einen Schritt weiter geht das optionale Pilot Intelligent Driving Pack. Kameras und eine 360-Grad-Erfassung der Umgebung ermöglichen zusätzliche Funktionen.

Auf dem Display lässt sich ein Parkplatz auswählen. Anschließend soll die OMO X selbstständig dorthin rangieren und einparken. Per Smartphone lässt sie sich aus engen Parkpositionen herausrufen.

Hinzu kommen eine 360-Grad-Überwachung im Guard Mode, eine integrierte Dashcam und eine digitale Rückansicht auf dem Display. 

Die ungewöhnlichste Technik steckt in der OMO X Balance. Sie kann beim Anhalten und bei niedrigen Geschwindigkeiten selbstständig das Gleichgewicht halten. Möglich macht das ein aus der Raumfahrt abgeleitetes Kreiselsystem (Control Moment Gyroscope). Schnell rotierende Massen erzeugen ein Gegenmoment und halten das Motorrad aufrecht. Die OMO-Robot-Architektur regelt die Balance in Echtzeit.

Im Stop-and-go-Verkehr können die Füße damit auf den Rasten bleiben. OMOWAY bezeichnet die OMO X als das weltweit erste in Serie produzierte selbstbalancierende Elektromotorrad.

Omoway Omo X

Ein Motorrad, drei Gesichter

Die Karosserie ist modular aufgebaut. Mit wechselbaren Anbauteilen lässt sich die OMO X laut OMOWAY zwischen Scooter, Streetbike und GT/Tourer umbauen. Damit reicht das Einsatzspektrum vom täglichen Pendeln bis zur längeren Tour.

Für ihr Design erhielt die OMO X den iF Design Award 2026. 

Omoway Omo X

Versionen und Preise

Die OMO X gibt es in zwei Versionen. Die OMO X Smart verzichtet auf die Selbstbalancierung, bringt aber einen Großteil der Automotive- und Digitalausstattung mit. Die OMO X Balance ergänzt die automatische Stabilisierung bei niedrigen Geschwindigkeiten und im Stand. 

Auf dem indonesischen Markt kostet die Smart 44,5 Millionen Rupiah (ca. 2.300 Euro), die Balance 61,5 Millionen Rupiah (ca. 3.200 Euro). Die Balance-Technik kostet damit rund 900 Euro Aufpreis.

Dazu stehen zwei Akkuvarianten und sechs Farben zur Wahl. Preise und Marktstart für Europa und Deutschland sind noch offen. OMOWAY hat eine spätere Expansion nach Europa bereits angekündigt. 

Omoway Omo X

Die #SteckerBiker meinen

Die OMO X zeigt, wie stark Assistenzsysteme, Konnektivität, automatische Stabilisierung und digitale Vernetzung künftig das Motorrad verändern könnten.

Besonders spannend finden wir, dass OMOWAY nicht einfach ein klassisches Motorrad elektrifiziert. Automotive-Technik und Software sind von Anfang an Teil des Fahrzeugkonzepts – vom ungewöhnlichen Fahrwerk über OTA-Updates bis zum autonomen Rangieren.

Ob sich alle Funktionen durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Eindrucksvoll ist, welches Entwicklungspotenzial noch im Motorrad steckt, wenn man über die klassische Konstruktion hinausdenkt.

Vielleicht ist „Motorcycle 3.0“ gar nicht so hoch gegriffen. Wir würden nur zu gerne herausfinden, wie sich diese Zukunft auf zwei Rädern fährt – und freuen uns schon darauf, an der nächsten roten Ampel die Füße einfach auf den Rasten zu belassen.

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