E.Motorräder in Deutschland – Teil 4: Neuerscheinungen 2026

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Author Paddy Lectric

Nach den bisherigen Teilen unserer Serie wird es in Teil vier besonders spannend – denn 2026 soll in Deutschland endlich spürbar mehr Bewegung in den Markt kommen. Trotzdem gilt: Viele Hersteller sprechen zwar früh über Konzepte, echte Eckdaten und belastbare Lieferfenster kommen oft erst kurz vor dem Start. Genau deshalb schauen wir bei diesen fünf Modellen nicht nur auf „Buzz“, sondern auf das, was im Alltag zählt: Akku, Reichweite, Lade-Setup, Leistungslogik (Dauerleistung vs. Peak), Führerscheinklasse, Preis – und wann die ersten Bikes realistisch bei deutschen Kundinnen und Kunden ankommen.

Honda WN7
Honda WN7

Honda WN7

Wenn ein Volumenhersteller ein Elektromotorrad in Serie bringt, ist das automatisch eine Zäsur – schon weil damit Service-Strukturen, Teileversorgung und Händlernetze plötzlich „Mainstream-tauglich“ werden.  Die WN7, das erste reine Elektromotorrad des größten Zweiradherstellers der Welt soll gleich zu Beginn Zeichen setzen: 18 kW Dauer- und 50 kW Spitzenleistung bei vergleichsweise schmalen 217 kg (3,9 s von 0 auf 100 km/h) sind solide Werte, die viel Fahrspaß versprechen. Auch beherrscht sie das CCS-Schnellladen, wobei „schnell“ relativ ist. Klar, 30 Minuten von 20 auf 80% klingen gut, bis man sich bewusst macht, dass dies bei einem nur 9,3 kWh großen Akku nur etwa 11 kW Ladeleistung bedeuten. Dagegen klingen etwa 3,5 kW AC-Ladeleistung über Typ2 fast schon überdimensioniert. Denn in zweieinhalb Stunden bekommt man den Akku auch mit Wechselstrom randvoll.

Honda sieht das Einsatzgebiet der WN7 sicher eher im urbanen Bereich oder als Pendelfahrzeug. Da ist es nur konsequent, auch eine 11-kW-Variante anzubieten. Dass die beiden sich vermutlich nicht allzu stark unterscheiden, kann man am Topspeed sehen: 129 km/h für die offene und 120 km/h für die A1-Version. Für beide Varianten rechnen wir mit einer innerstädtischen Reichweite von etwa 130-150 km, außerorts werden es vermutlich nicht mehr als 100 sein.

Als Zeitfenster für die Kundenauslieferung wird „Anfang 2026“ als genannt. Honda selbst hatte die WN7 bereits für 2026 angekündigt.  Führerscheintechnisch: Die 11-kW-Version zielt auf A1/B196, die 50-kW-Version liegt im A2-Bereich. Der Preis startet ab 15.409 Euro.

Für wen passt sie? Für Fahrer, die ein „normales Motorrad“ mit alltagstauglicher Reichweite und solider, fertiger Technik von einem sehr erfahrenen Motorradhersteller suchen, für die eine Schnelllade-Option hauptsächlich wegen des Zugangs zur CCS-Infrastruktur wichtig ist – und die ein funktionierendes Händler- und Service-Setup höher bewerten als exotische Einzelkonzepte.

Flying Flea C6
Flying Flea C6

Flying Flea C6 und S6

Mit Flying Flea baut Royal Enfield ein eigenes Elektro-Sub-Label auf . nIhr erstes Modell, die einsitzige C6 (mit „C“ für „Classic“) trifft damit einen Nerv: Retro-Optik gepaart mit moderner Elektronik.  

Die harten Zahlen sind allerdings noch dünn, Royal Enfield hat leider noch nichts veröffentlicht, alles Folgende sind daher Schätzungen. Wir erwarten eine Auslegung für A1/B196, mit maximal 11 kW Dauerleistung. Den fest verbauten Akku schätzen wir aufgrund seiner Dimensionen auf 4-6 kWh. Dementsprechend befänden wir uns bei einer innerstädtischen Reichweite von 80-120 km. Mit einem kommunizierten Gewicht von „rund 100 kg“ sollte sich die C6 agil im Stadtverkehr bewegen lassen. Geladen wird laut Royal Enfield an einer normalen Haushaltssteckdose – wir vermuten, mittels eines externen Ladegeräts. 

Was man seriös sagen kann: 2026 ist hier sehr wahrscheinlich ein Jahr der ersten Auslieferungen, kommuniziert ist hier das erste Halbjahr. Spätestens bis dann sollte das Datenblatt und auch der Preis bekannt sein. Aktuell gehen die Schätzungen übrigens in den Bereich unter 8.000 Euro. Diese Unsicherheiten machen die Flying Flea spannend – und gleichzeitig schwer zu vergleichen

Für wen passt sie? Für Design- und Alltagsfahrer, die A1/B196 nicht als Notlösung sehen, sondern als „City+“-Motorrad. Wer sich am Einzelsitz stört, oder einen etwas „kernigeren“ Look bevorzugt, sollte noch ein halbes Jahr länger warten. Für Ende 2026 ist die technisch identische Schwester, die S6 (mit „S“ für „Scrambler“) angekündigt, mit Doppelsitzbank, Ketten- statt Riemenantrieb und Drahtspeichenrädern.

Livewire S4 Honcho 3/4-Profil
Livewire S4 Honcho

LiveWire S4 Honcho

Die S4 Honcho ist LiveWires Versuch, weg vom schweren Premium-Bike und hin zum 125er-Äquivalent zu kommen. Es handelt sich hierbei um ein Fahrzeug von der Größe einer Honda Dax, deutlich kleiner als alles, das LiveWire oder Harley Davidson bislang in ihrem Portfolio haben. Wie bei der Flying Fee wurden auch hier die technischen Daten noch nicht veröffentlicht. Aus der Webseite und den auf der EICMA 2025 vorgestellten Modellen gehen zumindest ein paar Informationen hervor: Es gibt zwei wechselbare Akkus mit Tragegriff, eine Neuheit bei LiveWire. Doch auch ein Ladeanschluss ist zu erkennen, so dass die Vermutung naheliegt, dass diese Akkus auch im Fahrzeug geladen werden können, eventuell mittels eines externen Ladegeräts. Anhand der Größe der Akkus vermuten wir hier eine Kapazität von 1,5 bis 2 kWh pro Akkupack, so dass eine Reichweite im zweistelligen Kilometerbereich zu erwarten ist. 

Auf der Webseite wird eine Trail- und eine Street-Konfiguration gezeigt.  Erste anscheinend ohne Beleuchtung und Straßenzulassung. Auch über die Leistungsklasse wurde noch keine Aussage getroffen, hier erscheint A1 (11kW) als realistisch. Gewicht und Preis sind offiziell ebenfalls noch nicht genannt. Wir gehen von unter 100 kg und etwa 6.000 Euro aus. Produktionsstart ist das Frühjahr 2026.

Für wen passt sie? Für Fahrer, die ein leichtes „Erledigungen-und-Feierabend“-Motorrad wollen, ein elektrische PitBike oder eine Vor-Ort-Mobilitätslösung für den Campingurlaub. Eventuell passt das Fahrzeug ohne Batterien ja sogar auf einen Fahrradträger…

Famel E-XF Café Racer
Famel E-XF Café Racer

Famel E-XF

Famel ist so ein Name, den viele hierzulande erst wieder lernen müssen – genau deshalb passt das Bike in diesen Teil: wenig Hype, aber ein sehr klares Konzept: leicht, urban, entnehmbare Akkus – und genau damit ideal für Laternenparker. Zwei entnehmbare Batterien mit jeweils 2,5 kWh, also 5,0 kWh gesamt, dazu ein Gewicht von 120 kg inklusive Batterien und eine Reichweite „bis zu 120 km“.  Geladen werden die Akkus außerhalb des Fahrzeugs; Famel spricht von 4 bis 5 Stunden Ladezeit.  Eine konkrete Ladeleistung in kW nennt Famel dabei nicht; rechnerisch entspräche das grob um 1–1,3 kW durchschnittlich, je nach Ladegerät und Ladephase.

Die E-XF kommt in zwei Varianten daher:  und Die „Café Racer“ erscheint bis auf einen deutlich niedrigeren Lenker als Identisch zur „Classic“. Bei e werden von einem 5,5-kW-Nabenmotor angetrieben, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 km/h, die nötige Führerscheinklasse ist die A1/B196. Der Grundpreis soll bei 7.000 Euro liegen, und die ersten 100 Einheiten sind für „early 2026“ geplant.

Für wen passt sie? Für Pendler, die unkompliziert laden müssen (nicht wollen) und denen Leichtigkeit wichtiger ist als Autobahn-Tempo – ideal, wenn „Akkus hochtragen“ in der eigenen Wohnsituation realistisch ist.

Stark Varg SM
Stark Varg SM

Stark Varg SM

Die Varg SM ist der Ausreißer der Liste – weil sie als A1-homologiertes Bike trotz nur 11 kW Dauerleistung ein Leistungsversprechen mitbringt, das man sonst nicht in dieser Klasse erwartet. 7,2 kWh Akku mit einer realistischen Reichweite von etwa 120 km innerorts und vermutlich 60 bis 80 km Landstraße. Geladen wird über ein tragbares 3,3-kW-Ladegerät, das an Standard-Steckdose gute zwei Stunden benötigen soll.  Klingt erst einmal wenig aufregend, aber bei einem Gewicht nur 124,5 kg drückt die SuperMoto eine Spitzenleistung von 60 (!) kW auf die Straße.  Die SM wurde bereits 2025 vorgestellt, 2026 dürfte aber für viele deutsche Käufer das Jahr sein, in dem sie als straßenzugelassenes Serienprodukt tatsächlich verfügbar wird. Stark Future ruft einen Preis von 12.990 Euro auf – inklusive des Android-Mobiltelefons, dass bei den Varg-Modellen das Cockpit ersetzt. 

Für wen passt sie? Für Fahrer, die Performance, Supermoto-Feeling und Leichtgewicht priorisieren und Reichweite als nachrangig akzeptieren – und die einen passenden Stellplatz mit Stromzugang haben, weil der Akku fest verbaut ist und das Laden über ein externes Gerät läuft. Wer die gleiche Basis, aber mit mehr Offroad-Ausrichtung möchte, findet mit der Varg EX die naheliegende Schwester. 

Die SteckerBiker meinen

Für 2026 sind mehrere Neuheiten konkret angekündigt – und das ist grundsätzlich ein gutes Zeichen. Umso schwerer nachvollziehbar ist, warum viele Hersteller trotz dieser klaren Produktansagen bei den technischen Daten so zögerlich bleiben. Gerade bei Akkukapazität, Ladeleistung, realistischen Reichweiten und finalen Leistungswerten herrscht oft erstaunliche Funkstille. Das wirkt nicht wie souveränes Marketing, sondern eher so, als wären die Marken selbst noch nicht hundertprozentig überzeugt, dass ihr Produkt im harten Vergleich wirklich konkurrenzfähig ist.

Inhaltlich zeigt Teil 4 außerdem ein deutliches Muster: Die 2026er-Neuzugänge sind überwiegend Pendlerfahrzeuge. Ein „großes“ Tourenmotorrad, das Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Langstreckenkomfort in einem überzeugenden Paket verbindet, sucht man in dieser Welle leider vergebens. Selbst dort, wo spannende Namen auftauchen, ist das Versprechen meist „City+“ statt „Alpenpass“.

Gleichzeitig gibt es auch eine echte Aufbruchstimmung – aber eben vor allem in der A1-Klasse. Fast alle hier genannten Premieren sind klar als A1-Bikes gedacht; einzig die Honda WN7 bildet mit ihrer zusätzlichen A2-Variante eine Ausnahme. Und genau das ist bemerkenswert: Ausgerechnet im Segment, das lange als „Einsteiger und Nebenrolle“ galt, entsteht gerade die größte Dynamik. Wenn diese Fahrzeuge in nennenswerten Stückzahlen wirklich auf der Straße landen, könnte 2026 für A1 elektrisch ein echter Startschuss werden.

Aus der Gruppe sticht nur ein Modell wirklich heraus: die Stark Varg SM. Ja, auch sie bleibt eine A1-Maschine mit begrenzter Reichweite – aber sie ist die einzige, die in ihrer Disziplin eine ernstzunehmende Konkurrenz zu Verbrenner-Pendants darstellt. Und das passt sogar: Eine benzingetriebene SuperMoto ist ebenfalls selten ein Tourenfahrzeug. Hier zählen Agilität, Punch und Fahrdynamik – und genau das kann die Varg SM richtig gut. Weiter so!

Im nächsten Teil schauen wir auf Motorräder und Konzepte, die bereits angekündigt oder sogar vorgestellt wurden, bei denen es aktuell noch keine konkrete Aussage zum Produktionsbeginn gibt, mit denen wir aber in den nächsten Jahren fest rechnen.

1 Kommentar

  1. Hoffe immer noch sehr das Stark die Älg dieses Jahr noch ankündigt, selbst wenn die Auslieferung erst Q1 27 sein sollte. Royal Enfield könnte das „Schwestermodell“ Himalayan Electric, das ja immer noch nur eine Testplattform ist, auch gern mal offiziell ankündigen 😀
    Dann hätten wir auch mehr Auswahl bei ADV Bikes abseits der DS Serie, wenn auch aktuell voraussichtlich mit nur 14,4KWh Akku und CCS Option.

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