Famel EX-F: elektrischer Café-Racer im Stil der 70er

Date post
Categories Fahrzeuge
Tags , , , ,
Author Paddy Lectric

Der allererste Artikel, den wir auf diesem Nachrichtenportal veröffentlicht haben, drehte sich um die Rückkehr einer portugiesischen Kultmarke: Famel und ihr erstes E-Motorrad, die E-XF. Den Beitrag „Famel – Rückkehr der Kultmarke mit elektrischer Zukunft“ findet ihr hier: https://steckerbiker.de/news/fahrzeuge/famel-rueckkehr-der-kultmarke-mit-elektrischer-zukunft/
Umso mehr freut es uns, dass wir jetzt, nur zehn Monate später, genau diese Marke an ihrem Stand in Halle 7 auf der EICMA 2025 besuchen durften und uns das neue Serienmotorrad aus nächster Nähe ansehen, anfassen und natürlich auch probesitzen konnten.

Schon damals war klar: Wenn Famel es schafft, den Geist ihrer legendären Mopeds in ein zeitgemäßes Elektromotorrad zu übersetzen, könnte daraus ein echtes Liebhaberstück für stilbewusste E-Pendler werden. Auf der EICMA 2025 erleben wir nun, wie konkret diese Vision geworden ist: Die finalisierte Famel E-XF steht als schlanker Café-Racer im 70er-Jahre-Look auf dem Teppich, wirkt gleichzeitig vertraut retro und frisch modern – und zeigt ziemlich deutlich, wohin die Reise der Marke gehen soll.

Famel EX-F auf der EICMA 2025
Auf der EICMA: die EX-F in zwei unterschiedlichen Ausstattungen

Vom Volksmoped zur E-Mobilitätsmarke

Um einzuordnen, warum Famel bei vielen Besucherinnen und Besucher in Mailand ein nostalgisches Glitzern in die Augen zaubert, lohnt ein kurzer Blick zurück. Gegründet 1949, entwickelte sich Famel in den 50er- bis 90er-Jahren zu einer der bekanntesten Motorrad- und Mopedmarken Portugals. Die kleinen Zweitakter waren so präsent im Straßenbild, dass der Markenname sprichwörtlich wurde – bis hin zu einem bis heute gebräuchlichen Ausruf, der sinngemäß lautet: „Verdammt, dieses Motorrad ist schön.“

Ikonisch wurde vor allem das Modell XF-17, ein leichter, sportlicher 50er-Café-Racer, der für eine ganze Generation junger Portugiesinnen und Portugiesen das Freiheitsgefühl auf zwei Rädern definierte. In den 90er-Jahren wagte Famel dann schon einmal einen Blick in die elektrische Zukunft und brachte mit der Famel Electron einen der ersten elektrisch angetriebenen Roller des Landes auf die Straße – ein Pionierprojekt, lange bevor Elektromobilität „Mainstream“ wurde.

Wie so viele traditionelle Marken kam auch Famel irgendwann ins Schlingern, verschwand von der Bildfläche und lebte jahrelang nur noch in Garagen, Clubs und nostalgischen Erinnerungen weiter. 2014 wurde schließlich bekannt, dass neue Eigentümer die Marke wiederbeleben wollen. Unter dem Dach von FAMELECTRON – Fábrica da Mobilidade Elétrica Lda. – entstand Schritt für Schritt ein Plan: elektrische Fahrzeuge, die optisch an die Klassiker anknüpfen, technisch aber konsequent in der Gegenwart ankommen.

Mit Hilfe des NOVUS-Fonds und frischem Kapital wurde ab 2022 an der Serienversion der E-XF gearbeitet, einem elektrischen Remake der XF-17. Das Ergebnis steht nun in Mailand: ein europäisch gefertigtes Elektromotorrad, das bewusst klein anfängt – aber klar signalisiert, dass Famel mehr im Sinn hat als eine nette Retro-Spielerei.

Famel XF-17
Der Klassiker: Famel XF-17

Design: Café-Racer der 70er, Technik von heute

Optisch ist die E-XF ein klassischer Café-Racer, wie man ihn aus alten Filmen und vergilbten Garagenfotos kennt. Der schlanke Rahmen, der tiefe, leicht gestreckte Tank, die flache Einzelsitzbank und der sportlich heruntergezogene Lenker zitieren ziemlich direkt die Linien der alten XF-17 – nur dass hier kein Zweitaktmotor mehr blubbert, sondern ein leiser E-Antrieb seinen Dienst verrichtet.

In der Café-Racer-Version ist die E-XF ausdrücklich auf Soloritt ausgelegt: Der Heckabschluss ist kurz und aufgeräumt, die Sitzbank für eine Person dimensioniert. Wer Famel vor allem als „Moped für zwei“ in Erinnerung hat, wird eher zur Classic-Variante greifen, die ebenfalls angekündigt ist und eine längere Bank sowie eine andere Ergonomie bietet. Für die EICMA-Premiere konzentriert sich Famel jedoch auf den sportlicheren Café-Racer, der das Revival der Marke optisch am stärksten auf den Punkt bringt.

Trotz des Retro-Looks ist an vielen Details klar zu sehen, dass wir es mit einem modernen E-Motorrad zu tun haben. Die große runde Frontlampe setzt auf LED-Technik, die Blinker sind dezent und zeitgemäß integriert, und das zentral platzierte Display auf der Gabelbrücke kombiniert den Charme analoger Instrumente mit einer klar ablesbaren digitalen Anzeige. So wirkt die E-XF weder wie ein reines Nostalgie-Objekt, noch wie ein futuristischer Fremdkörper – eher wie eine plausible Weiterentwicklung dessen, was die XF-17 im Jahr 2025 logischerweise sein müsste.

Besonders clever gelöst ist der Bereich, der bei klassischen Motorrädern dem Tank vorbehalten ist. Da die E-XF keinen Kraftstoff mehr braucht, nutzt Famel den „Tank“ als Staufach. Dort, wo früher Benzin eingefüllt wurde, finden jetzt Dinge Platz, die im Pendleralltag wirklich wichtig sind: Ein Laptop passt zwar nicht hinein, aber deutlich mehr Kleinkram, als man einer so schlanken Silhouette zutrauen würde. Dass Famel dieses Detail auf der Website augenzwinkernd mit „Wo früher Benzin war, passt jetzt die ganze Welt hinein“ kommentiert, zeigt, wie ernst sie das Thema Alltagstauglichkeit nehmen, ohne den Stil zu opfern.

Staufach der Famel EX-F im Tank
Blick in den "Tank der EX-F

Motor, Akku, Reichweite: Was in der E-XF steckt

Unter der eleganten Retro-Hülle arbeitet ein E-Antrieb, der klar auf den A1-Bereich zielt. Die E-XF leistet laut Hersteller 5,5 kW und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Damit positioniert sich das Motorrad in der gleichen Leistungsregion wie viele andere A1-taugliche E-Bikes, bleibt aber deutlich leichter und kompakter als die meisten „erwachsenen“ Elektromotorräder.

Beim Energiespeicher setzt Famel auf ein Doppelakku-Konzept: Zwei herausnehmbare Batteriemodule mit jeweils 2,5 kWh Kapazität stecken im Rahmen, zusammen also rund 5 kWh. Sie lassen sich laut Hersteller in etwa vier bis fünf Stunden wieder vollständig laden – klassischerweise an der heimischen Steckdose oder am Büroparkplatz. Je nach Fahrprofil und Rahmenbedingungen gibt Famel eine (durchaus realistische) Reichweite von bis zu 120 Kilometern an. Im urbanen Mix aus Stadtverkehr, Landstraße und gelegentlichen Sprints dürfte die realistische Pendel-Distanz pro Tag deutlich darunter liegen, aber für typische Stadt- und Speckgürtel-Szenarien ist dieser Wert mehr als ausreichend.

Technisch bleibt Famel beim Antriebskonzept, das schon bei den früheren Studien zu sehen war: Der Mittelmotor im Schwingenlager treibt über einen wartungsarmen Zahnriemen das Hinterrad an, im filigranen Rahmen bleibt genug Platz für Batterie, Elektronik und eben das praktische Staufach. Rekuperation erhöht die Reichweite. Wie stark diese ist, wird sich zeigen, wenn wir die Maschine einmal fahren dürfen. Aktuell war dies leider noch nicht der Fall. Schade, denn gereizt hätte sie uns schon… Das Bremssystem arbeitet mit Scheibenbremsen vorne und hinten und einem kombinierten CBS-System

Mit einem angegebenen Gewicht von rund 120 Kilogramm inklusive Akkus bleibt die E-XF deutlich unter dem, was viele Verbrenner in der 125er-Klasse auf die Waage bringen. Das spürt man beim Rangieren am Parkplatz ebenso wie beim langsamen Durchschlängeln im Stadtverkehr. Wer aus der 50er- oder 125er-Welt kommt, sollte sich auf Anhieb zuhause fühlen,

Famel EX-F mit entnehmbaren Akkus
Innovativ: Die Akkus kommen seitlich gekippt aus dem Fahrzeug

A1-Pendler mit Stil: Führerschein, Alltag und Stauraum

Die E-XF zielt eindeutig auf die A1-Kundschaft. In Portugal darf das Modell auch mit einem Pkw-Führerschein gefahren werden, sofern man älter als 25 Jahre ist. Hierzulande benötigen Autofahrer dafür die B196-Erweiterung. Leistung, Höchstgeschwindigkeit und Fahrzeugcharakter passen ebenfalls ziemlich genau in dieses Segment.

Im Alltag präsentiert sich die E-XF als sehr bewusst positionierte Nische: Sie ist kein Tourer, kein Allrounder für Urlaubswochenenden, und auch kein Arbeitstier mit riesigen Gepäckkoffern. Sie ist ein schlankes, elegantes Kurz- bis Mittelstreckenfahrzeug für Menschen, die vor allem ihren Arbeitsweg, den Stadtverkehr und kurze Abstecher ins Umland elektrifizieren wollen – und dabei Wert auf Stil legen. Der Einzelsitz des Café-Racers macht klar: Hier sitzt man allein, dafür aber mit maximaler Pose vor dem Eiscafé oder (mit passendem Adapter) an der Ladesäule.

Der Stauraum verteilt sich im Wesentlichen auf das Tankfach und kleinere Lösungen wie Rucksack oder eventuell nachrüstbare Softbags. Wer regelmäßig Laptop, Wechselklamotten und den Wochenendeinkauf mitnehmen möchte, wird sich eine dezente Gepäcklösung ans Moped schrauben oder gleich zur Classic-Variante mit mehr Sozius- und Gepäckoptionen schielen. Für das, was im Pendleralltag wirklich zählt – Schloss, Ladekabel, Handschuhe, vielleicht noch eine dünne Regenjacke – reicht die Kombination aus Tankfach und Rucksack jedoch vollkommen aus.

Spannend ist vor allem das Batteriekonzept: Dass sich beide Module herausnehmen lassen, macht die E-XF interessant für Menschen, die weder Stellplatz mit Steckdose noch Lust auf Wallbox haben. Wer im Altbau ohne Garage wohnt, nimmt die Akkus einfach mit nach oben, lädt sie in der Wohnung und steckt sie morgens wieder ins Motorrad. Das Ganze erinnert stark an Konzepte aus der Rollerwelt, wird hier aber in einem Motorrad verpackt, das optisch weit mehr Emotion transportiert als ein klassischer City-Scooter. 

Famel EX-F in blau
Zierliche Silhuette und entnehmbarer Akku

Die SteckerBiker meinen: Die E-Volution startet unten – Famel ist dabei

Man merkt immer wieder, dass Retro „in“ ist – vor allem, wenn es gut gemacht ist. Und die E-XF ist gut gemacht. Die Proportionen stimmen, die Anleihen an die XF-17 sind liebevoll, ohne anbiedernd zu wirken, und die Umsetzung als vollelektrischer Café-Racer gelingt Famel erstaunlich souverän. Besonders gut gefällt uns, dass die Portugiesen nicht einfach nur einen alten Look elektrifizieren, sondern eigene Lösungen finden: Das durchdachte Konzept der herausnehmbaren Akkus und das als Stauraum genutzte Tankfach sind praktische Antworten auf die Frage, wie ein stylisches Elektromotorrad im Alltag funktionieren kann.

Insgesamt spielt die E-XF damit in einer Liga mit Bikes wie der Maeving RM1S: ein leichtes, bewusst auf den Pendelalltag zugeschnittenes A1-Motorrad mit zwei herausnehmbaren Akkus um die fünf Kilowattstunden Gesamtkapazität. Wie bei Maeving ist auch die Famel ein kleiner Augenschmaus für alle, die stilvoll und leise durch die Stadt rollen wollen, ohne jedes Mal erklären zu müssen, dass Elektromobilität nicht zwangsläufig nach Plastikroller aussehen muss.

Der einzige Wermutstropfen ist, dass es sich eben auch hier „nur“ um ein kleines Pendlerfahrzeug handelt. Wer von Famel gleich einen langstreckentauglichen Elektro-Roadster oder einen sportlichen Mittelklasse-Tourer erwartet hat, muss sich noch gedulden. Gleichzeitig wäre es unfair, das der Marke negativ anzulasten. Je mehr elektrische A1-Motorräder in den Städten unterwegs sind, desto größer wird das Interesse an größeren, leistungsstärkeren Elektro-Bikes. Die E-Volution startet unten und arbeitet sich nach oben – sie braucht Zeit, und sie braucht überzeugende Einstiegsmodelle.

Genau hier leistet Famel mit der E-XF einen starken Beitrag. Die Kombination aus ikonischem Design, durchdachter Technik, alltagstauglicher Reichweite und fairer Preispositionierung um die 7.000 Euro macht den elektrischen Café-Racer zu einem spannenden Angebot für alle, die ihren Alltag elektrifizieren wollen, ohne auf Emotion und Stil zu verzichten. Das beste: Famel will die ersten 100 Exemplare bereits Anfang 2026 ausliefern! 

Gefällt Dir dieser Beitrag?

Wir bringen regelmäßig Beiträge zu Themen aus der Community und Nachrichten aus der Welt der Elektromotorräder.

Damit Du nichts verpasst, bieten wir einen wöchentlichen Newsletter mit Themen der vergangenen Woche.

Melde Dich unverbindlich und kostenlos an und bleibe informiert!

Wir spammen nicht!
Datenschutzerklärung für weitere Infos.

3 Kommentare

  1. Hallo, ist Euch da ein Fehler unterlaufen? Ihr schreibt, dass das Bike einen Radnabenmotor besitzt. Das sieht auf den Fotos aber anders aus.
    Liebe Grüße, Lutz

Hinterlasse einen Kommentar