Ultraviolette X-47: Hightech für den Stadtverkehr

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Categories Fahrzeuge
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Author Paddy Lectric

Wenn ein Hersteller in einer Pressemitteilung nicht nur ein neues Modell ankündigt, sondern zugleich ein technologisches „First“ für ein ganzes Segment beansprucht, dann ist das mehr als nur Produkt-PR. Ultraviolette positioniert die X-47 Crossover in Deutschland ausdrücklich als erstes Motorrad ihres Segments mit integrierter Kamera- und Radartechnologie und verknüpft das mit einem klaren Sicherheitsnarrativ: weniger „Gadget“, mehr aktive Fahrerunterstützung. Das ist bemerkenswert, weil Assistenzsysteme im Zweiradbereich oft entweder auf Premiumklassen beschränkt bleiben oder als externe Zubehörlösung enden. Bei der X-47 soll es ab Werk ein integraler Bestandteil der Fahrzeugarchitektur sein.

Ultraviolette X-47

UV HyperSense: Radar als Sicherheits-Ansage statt Marketing-Feature

Kern der Ankündigung ist „UV HyperSense“, ein integriertes Radarsystem, das laut Hersteller mit Radar-Langstreckentechnologie der 6. Generation arbeitet und direkt mit der eigenen Vehicle Control Unit zusammenspielt. Der Anspruch dahinter ist klar: Gefahrensituationen sollen früher erkannt, der Fahrer gezielter unterstützt und der Stress im Alltag reduziert werden. Die technische Basis und der Funktionsumfang, den Ultraviolette im Umfeld der X-47 beschreibt, liest sich wie das, was man sonst eher aus der Auto- oder Premium-Motorradwelt kennt, nur eben in einer Klasse, die primär auf Pendeln, Stadt und „mal raus“ zielt. 

Spannend ist außerdem, dass Ultraviolette die „klassische“ Elektronik nicht als Nebensatz behandelt, sondern als Fahrdynamik-Baukasten:  Mehrere Stufen Traktionskontrolle sowie eine deutlich fein aufgelöste Rekuperationslogik mit bis zu zehn dynamischen Rekuperationsstufen, dazu Dual-Channel-ABS von Bosch und eine eigene Dynamic Stability Control, die im Konzept genau dort ansetzt, wo Rekuperation, ABS-Regelung und Stabilität in Grenzsituationen zusammenfallen.

Ultraviolette X-47

Akku-Optionen und Einsatzprofil: Stadt schlägt große Tour

In Indien wird die X-47 mit zwei Akkuvarianten angeboten: einmal 7,1 kWh und einmal 10,3 kWh.  Ob Europa diese Wahl ebenfalls bekommt, bleibt aktuell offen. Aber selbst wenn der große Akku den Weg nach Deutschland findet, wirkt das Gesamtkonzept weiterhin eher wie ein kraftvolles Alltagsmotorrad als wie ein klassischer Kilometerfresser: aufrechte Ergonomie, viel Drehmoment, ein klarer Fokus auf Kontrolle und Assistenz – aber eben auch ein Setup, das konzeptionell näher an „jeden Tag“ ist als an „jede Alpenetappe“. Genau das muss kein Makel sein. Im Gegenteil: Viele E-Motorräder werden in der Praxis nicht an Spitzengeschwindigkeit gemessen, sondern daran, wie entspannt und planbar sie den täglichen Mobilitätsmix abdecken.

Ultraviolette X-47

Laden und Infrastruktur: Typ6 trifft Europa-Realität

Spannend wird die X-47 vor allem dort, wo Indien und Europa infrastrukturell auseinanderlaufen. Für die X-47 ist ein Ladeanschluss nach IEC 62196-6 angegeben, also das, was häufig als „Type 6“ im indischen LEV-Umfeld auftaucht.  In Indien passt das zu einer wachsenden DC-Ladeinfrastruktur in diesem Standard, die Ultraviolette selbst kommunikativ stützt und mit bis zu 12 kW in Verbindung bringt.  In Europa bedeutet das sehr wahrscheinlich: Ohne passende öffentliche Type-6-Säulen landet man schnell bei externen Lösungen, die dann wiederum an Schuko oder an Type-2-Umfelder „übersetzen“ müssen, mit den bekannten Limits im Leistungsbereich – vor allem, wenn am Ende die Haushaltssteckdose die Regel ist. Dass Ultraviolette in der Pressemitteilung zusätzlich ein luftgekühltes, selbst entwickeltes Onboard-Ladegerät betont, wirkt deshalb wie ein bewusst gesetzter Hinweis: Man weiß, dass Europa beim Laden andere Antworten verlangt als der Heimatmarkt. Wie stark dieses interne AC-Ladegerät am Ende ist, wurde in der von dir zitierten Mitteilung allerdings nicht beziffert.

Ultraviolette X-47

Motorleistung, Führerscheinklasse und Reichweite

Mit 11 kW Dauerleistung ist die X-47 klar mit dem Führerschein der AKlasse A1 bereits ab 16 Jahren fahrbar, alternativ mit dem erweiterten PKW-Führerschein B196 ab 25 Jaren. Eine Spitzenleistung von 30 kW und eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h versprechen viel Fahrspaß sowohl in der Stadt als auch auf kürzeren Autobahn- oder Landstraßen-Etappen. Realistisch sind mit dem 10,3-kWh-Akku innerorts etwa 180 km und außerorts etwa 120 km Reichweite zu erwarten. Sollte der Akku kleiner ausfallen, entsprechend weniger.

Ultraviolette X-47

Preis-Realität: Indien günstig, Europa noch ohne Zahl

Offizielle Euro-Preise zur X-47 wurden noch nicht genannt, in Indien startet die X-47 bei rund ₹2,49 Lakh, was je nach Tageskurs grob im Bereich um 2.300 bis 2.400 Euro liegt.  Diese Preise lassen sich jedoch nicht einfach so auf Europa übertragen, da sie unter anderem  durch Homologation, Logistik, Garantie- und Vertriebsstruktur neu kalibriert werden müssen.  Die naheliegende Erwartung ist, dass sich die X-47 am Ende irgendwo in der Nähe der F77 einpendelt. Für letztere wurde der Einführungspreis von 8.990 Euro gerade noch einmal verlängert. 

Ultraviolette X-47

Die SteckerBiker meinen:

Dass die X-47 erst im Umfeld der EICMA und nun offiziell in Deutschland kommuniziert wird, ist ein ziemlich eindeutiges Statement: Dieses Modell soll – wie die F77 – nach Europa kommen, und Deutschland ist dabei nicht nur „irgendein Markt“, sondern ein Symbolraum, den Ultraviolette ausdrücklich adressiert. Gleichzeitig bleibt die X-47 in ihrer DNA klar ein Produkt, das für den indischen Markt entwickelt wurde: Akku- und Lade-Ökosystem, Standardisierung und Infrastruktur erzählen zuerst die Heimatgeschichte und erst danach die europäische. Das muss kein Nachteil sein. Denn wo die X-47 für uns SteckerBiker wirklich glänzt, ist nicht die große Tourenfantasie, sondern der Alltag mit Anspruch: Pendeln, Stadt, Umland, kurze Schnellstraßenstücke – und das mit einer Assistenz- und Sicherheitstechnik, bei der sich mancher etablierte Hersteller durchaus fragen muss, warum so etwas nicht längst breiter verfügbar ist. Wenn Ultraviolette die Ladefrage für Europa sauber löst und die Leistungsdaten aus Indien in eine passende EU-Homologation übersetzt, dann ist die X-47 zwar weniger „das Tourenmotorrad, auf das wir warten“, aber sehr wahrscheinlich ein A1-nahes Spaß- und Nutzbike, das die elektrische Zweiradlandschaft hier spürbar belebt.

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