Fahrbericht: ZERO LS1 – Elektroroller mit Motorrad-DNA
Mit der ZERO LS1 betritt Zero Motorcycles Neuland. Der Hersteller, der bislang vor allem für leistungsstarke Elektromotorräder bekannt ist, bringt erstmals einen Elektroroller auf den Markt. Die Zielgruppe ist klar definiert: urbane Pendler, die ein praktisches, emissionsfreies Fahrzeug suchen – dabei aber nicht auf Fahrspaß verzichten möchten.
Trotz Roller-Konzept bleibt Zero seiner eigenen Motorrad-DNA treu. Die ZERO LS1 wirkt weniger wie ein klassischer Scooter, sondern eher wie ein kompaktes Motorrad mit Trittbrett. Die Linien sind sportlich und elegant, gleichzeitig wirkt das Fahrzeug robust und alltagstauglich.
Für unseren Test wurde uns die ZERO LS1 für einige Tage zur Verfügung gestellt. Genug Zeit also, um den Elektroroller im Alltag zu bewegen – vom Stadtverkehr über Pendelstrecken bis hin zu kurzen Abstechern über Land. Dabei haben wir uns nicht nur mit den technischen Daten beschäftigt, sondern vor allem mit der entscheidenden Frage: Wie schlägt sich die ZERO LS1 im Alltag?
Ergonomie: entspannt sportlich
Schon auf den ersten Blick wird klar, dass die ZERO LS1 nicht einfach nur ein weiterer Stadtroller sein will. Die Linienführung wirkt modern und erwachsen, das Fahrzeug steht kompakt und solide auf seinen Rädern. Insgesamt hinterlässt der Roller einen hochwertigen Eindruck, ohne dabei übertrieben futuristisch zu wirken.
Zwei Personen finden problemlos Platz auf der Sitzbank, und dank der kompakten Bauform bleibt die ZERO LS1 im Stadtverkehr angenehm handlich. Bei den Soziusfußrasten hätten wir uns allerdings eine kleine Rasterung gewünscht – aktuell können sie leicht nach hinten einklappen.
Mit einer Sitzhöhe von rund 780 Millimetern bleibt die ZERO LS1 gut zugänglich und dürfte auch für kleinere Fahrer problemlos zu handhaben sein. Die Sitzposition ist typisch Roller: aufrecht, entspannt und mit guter Übersicht über den Verkehr.
Gleichzeitig vermittelt der Mittelmotor mit Riemenantrieb ein überraschend sportliches Fahrgefühl.
Der Kniewinkel fällt – trotz der im Unterboden untergebrachten Batterien – angenehm aus. Auch größere Fahrer finden ausreichend Platz. Für Stabilität und Fahrkomfort sorgt zudem die Radkombination aus 14 Zoll vorne und 13 Zoll hinten, die einen guten Kompromiss aus Wendigkeit und Fahrstabilität bietet.
Insgesamt wirkt die Ergonomie der ZERO LS1 durchdacht, komfortabel und alltagstauglich – genau das, was man von einem modernen Pendlerfahrzeug erwartet.
Motor und Fahrleistung
Angetrieben wird die ZERO LS1 von einem Mittelmotor, der seine Kraft über einen Riemenantrieb ans Hinterrad überträgt. Die Dauerleistung liegt bei 5 kW, kurzfristig stehen bis zu 8,4 kW (11 PS) zur Verfügung.
Auf dem Papier klingt das zunächst unspektakulär, doch wie bei den meisten Elektrofahrzeugen entscheidet nicht die reine Leistung über den Fahrspaß, sondern das sofort verfügbare Drehmoment.
Beim Anfahren reagiert die ZERO LS1 feinfühlig und direkt auf Gasbefehle. Besonders im Stadtverkehr fühlt sich der Roller dadurch überraschend lebendig an. Ampelstarts gelingen mühelos und im Stop-and-Go-Verkehr lässt sich der Roller präzise und kontrolliert bewegen.
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 99 km/h, im Dauerbetrieb gibt Zero Motorcycles rund 85 km/h an. Damit sind nicht nur innerstädtische Strecken, sondern auch Landstraßen und Stadtautobahnen problemlos möglich.
Ein spürbarer Unterschied zu vielen Elektrorollern mit Radnabenmotor ist dabei die Charakteristik des Mittelmotors. Die Beschleunigung wirkt direkter und druckvoller, besonders aus dem unteren Geschwindigkeitsbereich heraus.
Hier zeigt sich deutlich die Motorrad-DNA von Zero.
Fahrwerk und Handling: Überraschend sportlich
Interessant ist der technische Aufbau des Fahrwerks. Statt einfacher Roller-Technik setzt Zero Motorcycles vorne auf eine klassische Telegabel, während hinten eine Zweiarmschwinge arbeitet.
In Kombination mit den sportlichen CST-Reifen ergibt sich ein Fahrgefühl, das man in dieser Fahrzeugklasse nicht unbedingt erwarten würde.
Die ZERO LS1 lenkt leicht und präzise ein und bleibt auch bei zügiger Fahrweise stabil. Gerade auf kurvigen Landstraßen zeigt sich, dass Zero bewusst mehr Fahrdynamik ermöglichen wollte als bei vielen klassischen Scootern.
Die Federung vorne ist eher straff abgestimmt, ohne dabei unkomfortabel zu wirken.
Am Hinterrad spielt der Mittelmotor einen klaren Vorteil aus: Durch die geringere ungefederte Masse kann das Fahrwerk auch größere Unebenheiten sauber wegfiltern.
Selbst auf schlechterem Asphalt bleibt die ZERO LS1 kontrollierbar und komfortabel.
Reichweite und Akkukonzept
Beim Thema Reichweite setzt Zero auf ein modulares Akkukonzept. Serienmäßig ist die ZERO LS1 mit zwei herausnehmbaren Akkus ausgestattet, die jeweils 1,86 kWh Kapazität besitzen.
Damit sind laut Hersteller etwa 115 Kilometer Reichweite möglich. In unserem Praxistest erreichten wir rund 75 km bis 20 % Restladung und 95 km bis 0 %.
Wer mehr Reichweite benötigt, kann unter der Sitzbank einen dritten Akku (1185 Euro) einsetzen. In dieser Konfiguration steigt die Reichweite auf bis zu 170 Kilometer – realistisch sind eher 130 bis 140 km.
Allerdings wird dafür ein Großteil des Stauraums geopfert.
Was uns gefällt
Die ZERO LS1 überzeugt vor allem durch ihren direkten und sportlichen Mittelmotorantrieb. Die Beschleunigung wirkt lebendig, und gerade im Stadtverkehr macht das Fahren überraschend viel Spaß. Das leichte Summen des Riemenantriebs unterstreicht dabei das angenehme Fahrgefühl. Zusammen mit der sehr gelungenen Ergonomie fühlt man sich auf der ZERO LS1 schnell vertraut – fast so, als wäre man schon lange mit ihr unterwegs.
Auch bei der Effizienz muss sich der Roller nicht verstecken. Trotz Mittelmotor-Konzept bewegt sich die ZERO LS1 beim Energieverbrauch auf einem Niveau, das man sonst eher von Elektrorollern mit Radnabenmotor kennt.
Hinzu kommen das gut abgestimmte Fahrwerk und die sportlichen CST-Reifen, die dem Roller deutlich mehr Fahrdynamik verleihen, als man zunächst erwarten würde.
Auch das modulare Akkusystem mit herausnehmbaren Batterien ist ein klarer Alltagsvorteil. Besonders positiv ist der bereits serienmäßig vorbereitete Kabelbaum für eine dritte Batterie, der eine unkomplizierte Erweiterung der Reichweite ermöglicht.
Mit dem optionalen Schnellladegerät setzt die ZERO LS1 zudem ein Ausrufezeichen: Die Ladeleistung liegt hier spürbar über dem Niveau vieler Konkurrenzmodelle.
Was uns weniger gefällt
Der Preis von rund 5.200 Euro liegt nicht gerade niedrig – insbesondere im Vergleich zu etablierten Elektroroller-Herstellern wie NIU oder Super Soco.
Zudem reduziert der optionale dritte Akku den von vielen Fahrern geschätzten Stauraum unter der Sitzbank deutlich.
Auch bei der Ausstattung bleibt noch Luft nach oben. So fehlt eine vollwertige Alarmanlage ebenso wie eine Smartphone-App zur Fahrzeuganbindung. Funktionen wie Fernüberwachung des Ladezustands, Fahrzeugtracking oder Bewegungsalarme gehören bei vielen Wettbewerbern inzwischen zum Standard.
Überraschend ist außerdem, dass die ZERO LS1 keine Rekuperationsbremse besitzt. Beim Verzögern wird also keine Energie zurückgewonnen, wodurch die komplette Bremsarbeit über die mechanischen Bremsen erfolgt.
Im Alltag fällt zudem auf, dass die Handkräfte an den Bremshebeln relativ hoch ausfallen. Gleichzeitig führt das Fehlen der Rekuperation dazu, dass die Bremsen stärker beansprucht werden und entsprechend mehr Abrieb entsteht – ein technisch eigentlich vermeidbarer Verschleiß.
Die #SteckerBiker meinen
Die ZERO LS1 ist kein typischer Elektroroller. Vielmehr fühlt sie sich wie eine Mischung aus kompaktem Motorrad und praktischem Stadtfahrzeug an.
Gerade im urbanen Alltag spielt sie ihre Stärken aus: spontaner Elektroantrieb, gute Übersicht im Verkehr und eine angenehm entspannte Ergonomie.
Wer ein sportliches elektrisches Pendlerfahrzeug sucht, das mehr Fahrspaß bietet als viele klassische Scooter, sollte sich die ZERO LS1 definitiv genauer ansehen.
Zero Motorcycles zeigt mit diesem Modell, dass ein Elektroroller durchaus Motorrad-Gene haben kann.