Compass Rose: Wenn Design plötzlich der Antrieb ist
Compass Rose ist ein kleines, designgetriebenes Unternehmen aus Südkorea, das sich auf elektrische Zweiräder mit starkem Retro-Fokus spezialisiert hat. Öffentlich sichtbar wurde die Marke zuletzt vor allem durch ihren Auftritt auf der CES 2026 in Las Vegas, wo Compass Rose mit sehr eigenständigen Formen und hochwertig wirkenden Materialien auffiel.
Was Compass Rose dabei interessant macht, ist weniger das übliche „schneller, weiter, günstiger“-Narrativ, sondern ein Ansatz, der eher an ein Designstudio erinnert: Elektrifizierung wird nicht als Kompromiss erzählt, sondern als Freiraum. Gerade weil ein E-Antrieb weniger Packaging-Zwänge mit sich bringt als ein klassischer Verbrenner, können Proportionen, Flächen, Details und Silhouetten viel radikaler gedacht werden. Das ist genau der Raum, den Compass Rose bespielt.
Ciulator: Streamliner-Ästhetik und „See You Later!“
Der Blickfang auf der CES heißt „Ciulator“ – gesprochen wie „See you later“, und ja: Genau dieses Wortspiel ist Programm. Angeblich diente ein Café-Moment als Namensidee, frei nach dem Motto „Ich geh schon mal rein – see you later“.
Optisch ist die Ciulator eine Hommage an Rennmotorräder der 1950er/60er-Jahre: eine große, rundliche Frontverkleidung im Stil früher Streamliner, dazu klare, reduzierte Linien und ein Gesamtauftritt, der eher nach Ausstellung als nach Serienprodukt wirkt. Die Verarbeitung ist aufwendig, mit sehr hochwertigen Komponenten und Carbonteilen.
Angeboten wird eine trotz des Auftretens eher leistungsschwache Maschine im klassischen Grand-Prix-Look mit einer anscheinend sehr Aerodynamik-optimierten Vollverkleidung. Denn obwohl der Radnabenmotor nur 8 kW (11 PS) hat, soll er es schaffen, die etwa 140 kg leichte Mopete auf bis zu 150 km/h zu bringen. Ein 8,4 kWh-Akku verspricht (vermutlich bei eher moderater Geschwindigkeit) laut Homepage eine Reichweite von bis zu 200 km.
Daneben ist aber auch die Rede von einer sehr leistungsorientierten Track-Variante mit einem 34 PS starken Motor mit 350 Nm Drehmoment. Trotz eines etwas größeren Akkus mit 10,8 kWh Kapazität und 72V-Architektur ist eine realistische Reichweite von eher 150 km zu erwarten, sofern man gemäßigte Geschwindigkeiten voraussetzt. Die Höchstgeschwindigkeit soll bei unglaublichen 240 km/h liegen.
Dandelion: Retro-Futurismus als bewusstes Gegenstück:
Der Designstil des anderen, der „großen“ Schwester in Punkto Auffälligkeit in nichts nachstehende Zweirad mit Aero-Disc-Rädern, langem Radstand und dem blumigen Namen „Löwenzahn“ – Dandelion – lässt sich am ehesten als Retro-Futurismus beschreiben. Wer die Jetsons kenn, weiß was gemeint ist. Eine 3,6 kWh kleine Batterie, die mit 60V-Technik soll eine Reichweite von 120 km bringen. Das ist durchaus realistisch, denn die Höchstgeschwindigkeit ist auf 25 km/h begrenzt. Also eher ein E-Mofa als ein E-Motorrad.
Interessant ist auch: Im offiziellen Shop taucht die Dandelion in nicht weniger als sieben Farbvarianten auf – ein Hinweis darauf, dass dieses Modell stärker auf Alltag, Stil-Individualisierung und vermutlich auch deutlich höhere Stückzahlen setzt als die Ciulator.
Was Compass Rose für die E-Zweiradwelt bedeutet
Compass Rose zeigt ziemlich eindrucksvoll, wie sich elektrische Zweiräder jenseits von Datenblatt-Debatten positionieren können: als Designobjekte, die bewusst Emotionen auslösen sollen. Genau hier wird Elektromobilität zur Chance: Weniger Zwang rund um Abgasanlage, Tankform, Hitzeabschirmung oder mechanische Layouts – mehr Freiheit für Proportion, Material und Erzählung. Das Ergebnis sind Maschinen, die man eher wie „rollende Kunst“ wahrnimmt als wie reine Fortbewegungsmittel.
Die SteckerBiker meinen:
Auch wenn fraglich ist, ob diese Fahrzeuge jemals auf europäischen Straßen zu sehen sein werden, zeigen die vorgestellten Modelle eindrucksvoll, was auch kleine Firmen auf die Beine stellen können, wenn sie sich weniger um Motorentechnik und mehr um Design kümmern können. Hier entstehen wahre Kunstwerke. Wir befürchten allerdings auch eine stolzen Preis. Für die Track-Variante der Ciulator wird ein Preisschild im Bereich um 45 – 50.000 Euro erwartet. Immerhin: Für die „kleine“ Rennmaschine sowie für das Löwenzähnchen wies die Homepage noch keine Preise aus. Es ist also noch vieles möglich… See you later!