NIU FQiX 150 und 300: Frischer Wind für die Stadt
NIU stand bisher vor allem für moderne, aber optisch eher dezente und unauffällige Elektroroller. Damit traf man viele Pendler – die junge Generation und vielleicht auch so manchen Junggebliebenen aber nicht unbedingt. Mit dem neuen FQiX 150 und FQiX 300 soll sich das ändern. NIU kann auch jung, quirlig und ein bisschen frech.
Auffälliger und sportlicher
Bereits auf der EICMA 2025 konnten wir einen ersten Blick auf die neue Baureihe werfen. Jetzt kommen die beiden Modelle mit kantigeren Linien, auffälligeren Details und einem insgesamt sportlicheren Auftritt endlich nach Deutschland.
Wie der neue FQiX 150 im Detail aussieht, zeigen wir euch in unserem kurzen SloMo-Video:
Den Einstieg macht der FQiX 150 für 2.499 Euro. Sein Motor leistet maximal 3,8 kW, die Höchstgeschwindigkeit liegt je nach Version bei 25 oder 45 km/h. Damit richtet er sich vor allem an den klassischen Stadtverkehr und kann in der 45-km/h-Version mit der Führerscheinklasse AM gefahren werden.
Serienmäßig steckt ein herausnehmbarer 72-V-/28-Ah-Akku im Roller. Damit sollen etwa 50 bis 60 Kilometer möglich sein. Der Akku wiegt 15,5 Kilogramm – noch tragbar, aber definitiv kein Leichtgewicht mehr. Wer mehr Reichweite braucht, kann für 499 Euro einen zweiten Akku ergänzen und die Reichweite damit ungefähr verdoppeln.
Interessant ist dabei Nius inzwischen recht konsequenter Akku-Baukasten: NQi Sport MY26, NQiX 150 MY26, NQiX 300 sowie FQiX 150 und FQiX 300 teilen sich den gleichen Akku. Das macht nicht nur die Ersatzteilversorgung einfacher, sondern dürfte auch einer der Gründe dafür sein, warum ein zusätzlicher Akku inzwischen für vergleichsweise günstige 499 Euro angeboten werden kann.
Der FQiX 300 kostet 2.999 Euro und legt eine Schippe drauf. Er fährt bis zu 80 km/h, leistet maximal 4,1 kW und fällt damit in die A1-Klasse. Hier gehören bereits zwei Akkus zur Serienausstattung. NIU gibt damit eine Reichweite von rund 100 bis 110 Kilometern an.
Viel Technik fürs Geld
Beide FQiX rollen auf 14-Zoll-Rädern, besitzen Traktionskontrolle und ein 5-Zoll-TFT-Display. Dazu kommen App-Anbindung, Bluetooth, NFC, schlüsselloser Zugang, elektronisches Lenkradschloss und immerhin 31 Liter Stauraum unter der Sitzbank.
Deutlicher unterscheiden sich die beiden FQiX bei ABS und Ultra Boost. Bereits der FQiX 150 bringt neben CBS und Traktionskontrolle auch Totwinkelassistent und Auffahrwarner mit. Beim FQiX 300 kommen ABS und Ultra Boost hinzu.
Geladen wird mit einem 10-A-Ladegerät. Ein Akku benötigt laut NIU rund drei Stunden, beim FQiX 300 mit zwei Akkus sind es entsprechend etwa sechs. Während die 10 A beim 150er für uns noch gut passen, hätten wir dem 80 km/h schnellen FQiX 300 gerne 15 bis 20 A gegönnt. Etwas mehr Dampf beim Laden hätte ihm gutgestanden.
Erste Fahrzeuge sind inzwischen auf der Straße und die bisherigen Erfahrungsberichte fallen überwiegend positiv aus. Fahrleistungen und Technik scheinen zu überzeugen. Einen kuriosen Schnitzer gibt es allerdings bei der Batteriefachabdeckung: Nach dem Entriegeln springt sie mangels Federn nicht von selbst auf und muss mit den Fingerspitzen angehoben werden. Bei einem ansonsten so durchdachten Roller wirkt das erstaunlich improvisiert.
Jetzt wirklich beim Händler?
Bereits im Juli sorgten Newsletter und erste Ankündigungen für den Eindruck, FQiX 150 und 300 würden schon bei den Händlern stehen. In der Praxis dauerte es allerdings noch rund einen Monat, bis die ersten Fahrzeuge tatsächlich eintrafen.
Inzwischen sind die ersten FQiX bei den Händlern angekommen, wurden bereits an Kunden ausgeliefert und Probefahrten sind möglich. Ganz entspannt ist die Liefersituation allerdings noch nicht: Für Neubestellungen berichten verschiedene Händler derzeit von noch unbestätigten Lieferterminen.
Das ist besonders schade, weil sicher viele Zweiradfans mit einem neuen FQiX noch den goldenen Herbst genießen würden. Wer eines der bereits verfügbaren Fahrzeuge ergattern kann, darf also direkt losfahren – wer jetzt neu bestellt, braucht dagegen noch etwas Geduld.
Wo bleibt der FQiX 500?
Bei aller Freude über die neue Baureihe stellt sich uns allerdings eine Frage: Warum endet sie schon beim FQiX 300?
Mit 45 und 80 km/h decken FQiX 150 und FQiX 300 vor allem Stadt und stadtnahen Verkehr ab. Gerade die 80 km/h des FQiX 300 sind über Land allerdings eine etwas undankbare Geschwindigkeit: schnell genug für die Landstraße, aber häufig zu langsam, um dort entspannt im Verkehr mitzuschwimmen.
Eine stärkere Variante mit rund 100 km/h würde die Baureihe deshalb eigentlich logisch ergänzen – und vermutlich nicht nur junge, sondern auch junggebliebene Pendler ansprechen.
Technisch darf man zumindest ein wenig träumen. Mit den kompakteren und leichteren Akkus des NQiX 500 und der Möglichkeit, einen dritten Akku zu ergänzen, hat NIU bereits einen interessanten Baukasten im Regal. Übertragen auf einen möglichen FQiX 500 könnte daraus ein leichter, schicker Pendlerroller mit deutlich mehr Reichweite und genügend Leistung fürs Umland werden.
Ob NIU diese Lücke irgendwann schließt? Wir hätten nichts dagegen.
Die #SteckerBiker meinen
Mit der FQiX-Serie macht NIU vieles richtig. Das frische, sportlichere Design bringt endlich etwas mehr Emotion in die Modellpalette, ohne dass Alltagstauglichkeit und Technik darunter leiden. Besonders der FQiX 300 zeigt, wie viel Elektroroller man inzwischen für überschaubares Geld bekommen kann. Nur beim Ladegerät hätten wir uns etwas mehr Leistung gewünscht.
Richtig gut finden wir auch, dass NIU nach rund zwölf Jahren mit unterschiedlichen 48-, 60- und 72-Volt-Systemen seine Akku-Strategie endlich weitgehend vereinheitlicht. Dieser Schritt war längst überfällig.
Unterm Strich ist die FQiX-Serie für uns eine echte Bereicherung im NIU-Programm. Sie ist moderner, auffälliger und bringt ein bisschen mehr Spaß in eine Fahrzeugklasse, bei der lange vor allem Vernunft und Alltagstauglichkeit im Vordergrund standen.
NIU kann auch jung, quirlig und ein bisschen frech. Und das steht der Marke richtig gut.