Horwin HT5: Das Motorrad, über das kaum jemand spricht
Mit der Senmenti hat Horwin vor einigen Jahren eines der ambitioniertesten Elektro-Motorräder der Branche angekündigt. Entsprechend groß waren die Erwartungen.
In den vergangenen Monaten ist es allerdings sehr ruhig um das Projekt geworden.
Bei einem Blick auf Horwins aktuelle Modellpalette sind wir dabei eher zufällig auf die Horwin HT5 gestoßen.
Über die Schwesternmodelle findet man erstaunlich wenig Berichterstattung, kaum Tests und nur wenige Diskussionen.
Warum bekommt ein Motorrad wie die HT5 so wenig Aufmerksamkeit?
Horwin ordnet sich in Europa neu
Viele bekannte Horwin-Modelle scheinen in den vergangenen Jahren eher verwaltet als konsequent weiterentwickelt worden zu sein.
Während andere Hersteller ihre Fahrzeuge regelmäßig weiterentwickeln, hat sich bei Horwin vergleichsweise wenig getan. Der Markt hat sich weiterentwickelt – und Horwin wirkte zuletzt eher wie ein Beobachter als ein Taktgeber.
Auch die Händlerlandschaft hat sich verändert. Während Horwin früher vielerorts über kleinere, engagierte Fachhändler vertreten wurde, setzt die Marke heute stärker auf größere Vertriebspartner.
Mit der Senmenti kündigte Horwin schließlich nicht nur ein neues Modell an, sondern den Sprung von den bekannten 72-Volt-Systemen auf eine 400-Volt-Hochvoltplattform.
Auffällig ist jedoch, dass dabei ein anderes Modell fast unbemerkt geblieben ist: die HT5.
Die HT5 Offroad im Detail
Angetrieben wird die HT5 von einem Mittelmotor mit einer Spitzenleistung von 8 kW. Die Kraftübertragung erfolgt über einen Kettenantrieb, die Höchstgeschwindigkeit gibt Horwin mit 85 km/h an.
Mit rund 80 Kilogramm gehört die Offroad-Version zu den leichtesten Elektro-Motorrädern ihrer Klasse. Für die Energieversorgung sorgt ein 72-Volt-Akku mit 30 Ah Kapazität. Laut Hersteller sind Reichweiten von bis zu 100 Kilometern möglich.
Die Bodenfreiheit beträgt 265 Millimeter, die Frontfederung bietet 200 Millimeter Federweg. Hinzu kommen Schutzklassen nach IP67 und IP68 sowie eine maximale Steigfähigkeit von 40 Prozent.
Während sich viele leichte Elektro-Offroader in den vergangenen Jahren immer ähnlicher geworden sind, geht Horwin optisch einen eigenständigen Weg. Modelle wie Talaria, Sur-Ron, E Ride Pro oder die Zero XB unterscheiden sich technisch durchaus voneinander. Optisch entsteht jedoch häufig der Eindruck, als kämen sie aus derselben Designabteilung und würden anschließend lediglich mit unterschiedlichen Logos versehen.
Die Offroad-Version startet bei 5.490 Euro.
Die HT5 R: Die straßenzugelassene Schwester
Die technische Basis bleibt weitgehend erhalten. Der Akku wächst auf 48 Ah Kapazität, die Reichweite steigt laut Hersteller auf bis zu 150 Kilometer, das Gewicht auf rund 85 Kilogramm.
Während die Offroad-Version konsequent für den Einsatz abseits befestigter Wege ausgelegt ist, setzt die HT5 R auf straßenorientierte Bereifung und richtet sich damit an Fahrer, die das Konzept überwiegend auf Asphalt nutzen möchten.
Die HT5 R startet bei 6.990 Euro.
Die #SteckerBiker meinen
Je länger die Ruhe rund um die Senmenti anhält, desto mehr drängt sich die Frage auf, ob das Projekt überhaupt noch auf den Markt kommt.
Gleichzeitig zeigt die HT5, dass Horwins Modellprogramm mehr zu bieten hat, als die aktuelle Aufmerksamkeit vermuten lässt.
Vielleicht war genau das die Stärke vieler kleiner, engagierter Händler vor Ort. Fahrzeuge wie die HT5 verkaufen sich schließlich nicht über Rekordwerte oder spektakuläre Marketingkampagnen, sondern über Probefahrten, persönliche Beratung und Menschen, die ihre Begeisterung weitergeben.
Wir sind jedenfalls froh, die HT5 entdeckt zu haben. Und vielleicht steht ja schon beim nächsten SteckerBiker-Treffen eine live neben uns. Wir würden uns jedenfalls sehr freuen.