Zweirad-Zulassungen 2025: Elektro trotzt dem Einbruch klar
Vom Rekordjahr in die Gegenbewegung
Nach dem statistischen Rekordjahr 2024 mit 246.870 neu zugelassenen motorisierten Zweirädern hat der deutsche Markt 2025 abrupt zurückgeschaltet: Der Industrieverband Motorrad (IVM) weist für 2025 insgesamt 158.944 Neuzulassungen aus, das entspricht einem Minus von 35,6 Prozent. Damit ist auch der kleine Zahlendreher aus vielen Gesprächen rund um die Jahresbilanz eingeordnet: Nicht „in 2024 nur 158.944“, sondern 2025 nach dem Rekordjahr 2024.
Alle Fahrzeugklassen verlieren deutlich – und zwar überall
Der Rückgang zieht sich 2025 konsequent durch alle zulassungspflichtigen Zweiradklassen. Bei den Krafträdern (Motorräder ab A2) fallen die Neuzulassungen von 152.704 (2024) auf 97.699 (2025), ein Minus von 36,2 Prozent. Leichtkrafträder (A1) rutschen von 39.443 auf 21.753, was 44,8 Prozent Rückgang bedeutet. Auch die Roller bleiben nicht verschont: Kraftroller (ab A2) liegen mit 14.241 klar unter den 19.759 des Vorjahres (minus 27,9 Prozent), Leichtkraftroller (A1) sinken von 34.964 auf 25.251 (minus 27,8 Prozent).
Das Muster zeigt sich ebenso in den klassischen Motorradsegmenten: Naked Bikes liegen mit minus 37,9 Prozent im kräftigen Abwärtssog, Adventure-Bikes verlieren 28,7 Prozent, Chopper ebenfalls 37,9 Prozent, Sportler 21,5 Prozent. Besonders hart trifft es Enduro/Supermoto mit minus 71,9 Prozent. Dass ausgerechnet dieses Segment so extrem einbricht, ist ein wichtiger Hinweis darauf, wie stark 2025 von Sondereffekten geprägt ist.
Euro-5-Effekt: Warum 2025 nur bedingt „normal“ ist
Man kann 2025 als Jahr der Nachwehen beschreiben: Ende 2024 wurden im großen Stil Euro-5-Fahrzeuge per Tages- oder Kurzzeitzulassungen „vorgezogen“, bevor strengere Vorgaben griffen. 2025 mussten diese Bestände erst abverkauft werden, was Neuzulassungen im Neufahrzeugmarkt zwangsläufig drückt. Genau dieser „Euro-5-Endspurt“ erklärt, warum der Einbruch zwar real ist, aber nicht automatisch bedeutet, dass die Nachfrage strukturell in gleicher Größenordnung kollabiert wäre.
Elektro als Gegenbewegung: ausgerechnet hier wird es besser
In fast allen Kategorien dominiert 2025 das Minus. Die bemerkensame Ausnahme sind die elektrisch angetriebenen Zweiräder. Elektroroller kommen trotz schwachem Gesamtmarkt vergleichsweise glimpflich davon und liegen „nur“ 7,4 Prozent unter Vorjahr. Noch auffälliger ist das Bild bei den Elektromotorrädern: Hier steht ein Plus von 98,7 Prozent, also nahezu eine Verdoppelung.
Diese Dynamik braucht allerdings Kontext. Das Wachstum bei E-Motorrädern findet auf niedrigem Niveau statt: 2.400 Neuzulassungen 2025 nach 1.208 in 2024. Die Datenlage lässt dabei keine saubere Trennung nach A1- und A2/A-Klasse zu, aber es spricht einiges dafür, dass der größere Anteil im A1-nahen Bereich entsteht, weil dort Preis- und Nutzungshürden niedriger sind.
Elektroroller: Marktanteil nahe zehn Prozent
Gerade im Rollersegment wird der Trend sichtbar „greifbar“. 3.865 neu zugelassene E-Roller stehen 2025 insgesamt 39.492 neu zugelassenen Rollern gegenüber (14.241 Kraftroller plus 25.251 Leichtkraftroller). Das entspricht einem Marktanteil von rund 9,8 Prozent und damit spürbar mehr als die 7,6 Prozent im Vorjahr. Damit etabliert sich der Elektroantrieb bei Rollern nicht als Randnotiz, sondern als stabile Option im Alltagseinsatz.
Elektromotorräder: Wachstum ja, Durchbruch nein
Bei den Motorrädern bleibt das Bild zweigeteilt. 2.400 Elektromotorräder treffen 2025 auf insgesamt 119.452 neu zugelassene Motorräder und Leichtkrafträder (97.699 plus 21.753). Das sind ziemlich genau 2,0 Prozent Marktanteil. Zum Vergleich: 2024 lag der Anteil mit 1.208 E-Motorrädern gegenüber 192.147 neu zugelassenen Motorrädern und Leichtkrafträdern bei rund 0,63 Prozent. Das ist ein klarer Sprung, aber eben von sehr klein auf „immer noch klein“.
Dass der E-Antrieb hier den allgemeinen Markttrend nicht mitgeht, ist trotzdem ein Signal: Während Verbrenner-Segmente in der Breite vom Euro-5+-Hangover nach unten gezogen werden, wächst das elektrische Teilsegment weiter – auch wenn es noch nicht „systemrelevant“ für den Gesamtmarkt ist.
Stark Future als Ausreißer – und als Hinweis auf 2026
Spannend wird es, wenn eine Entwicklung innerhalb des Elektrosegments betrachtet wird, die leider aus den IVM-Zahlen nicht ersichtlich ist: Das Plus verteilt sich nämlich nicht gleichmäßig. Laut Auswertung der KBA-Zulassungszahlen taucht 2025 ein Hersteller besonders dominant auf, der zuvor in den Statistiken nicht sichtbar war: Stark Future soll 2025 insgesamt 1.084 Fahrzeuge zugelassen haben. Plausibler Treiber ist die straßenzugelassene Elektroenduro Varg EX, die erst Ende 2024 vorgestellt wurde und 2025 in den Markt lief. Bemerkenswert ist daran vor allem der Kontrast: Ausgerechnet der Enduro/Supermoto-Sektor ist im Verbrenner-Markt das Schlusslicht der Saison, während ein elektrischer Newcomer dort sichtbar Momentum erzeugt.
Die SteckerBiker meinen:
Die Zulassungszahlen 2025 zeigen ein Marktjahr mit klarer Sonderlage: Der große Rückgang ist ohne den Euro-5+-Vorzieheffekt Ende 2024 kaum zu verstehen, und er erklärt, warum fast alle Klassen und Segmente gleichzeitig abtauchen. Gleichzeitig stemmt sich das Marktsegment der Elektro-Zweiräder deutlich gegen diesen Trend. Auch wenn die Verdoppelung bei den Elektromotorrädern zunächst in homöopathischen Dosen stattfindet und offenbar stark durch nur einen Hersteller in einem engen Offroad-nahen Segment getrieben wird, zeigen die Zahlen, dass E-Fahrzeuge dem allgemeinen Abwärtssog nicht automatisch unterliegen. Insbesondere bei den Rollern, vermutlich aber auch im A1-Segment bei den Motorrädern, spielt der Elektroantrieb eine immer größere und nicht wegzudiskutierende Rolle.
Für 2026 wird bei den Motorrädern besonders das Enduro- und Supermoto-Umfeld interessant: Zum einen drängen weitere Anbieter mit Elektroantrieben in ein Segment, das nach eigenen Regeln tickt, zum anderen dürfte Stark Future mit der neu vorgestellten Varg SM zusätzlichen Druck in Richtung Supermoto aufbauen. Für die großen, tourentauglichen Motorräder bleibt es dagegen voraussichtlich ein längerer Weg, bis der Elektroantrieb für die Breite als echte Alternative zum Verbrenner empfunden wird. Noch sind die Kompromisse für viele zu groß, noch ist die Umgewöhnung zu massiv. Doch genau hier kann sich das Blatt plötzlich wenden: Sollte die für die Verge TS Pro angekündigte Donut-Feststoffakkutechnologie auch nur ansatzweise halten, was sie verspricht, könnten die Zahlen schneller kippen, als es die heutige Marktstruktur erwarten lässt. Dass der E-Antrieb für die Zweiradindustrie eher Chancen als Risiken liefert, hat das Jahr 2025 zumindest bereits erahnen lassen.