eMove Austria – sprudelnder Fördertopf auch für E-Zweiräder

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Categories Verkehr
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Author Remo Klawitter

Während Förderprogramme für elektrische Zweiräder in Deutschland bisher kaum eine Rolle spielen, zeigt Österreich, wie eine systematische Förderung der Elektromobilität auch E-Zweiräder gezielt einbeziehen kann. Die Förderungen für E-Mopeds und andere Zweiräder wurden 2025 mehrfach angepasst, nachdem die Mittel jeweils schnell ausgeschöpft waren.

Mit eMove Austria verfolgt Österreich einen breit angelegten Ansatz, der sowohl die Fahrzeugentwicklung als auch den Ausbau der Ladeinfrastruktur umfasst und Elektromobilität als zusammenhängendes Gesamtsystem betrachtet.
Könnte ein ähnlicher Ansatz auch in Deutschland dazu beitragen, E-Zweiräder stärker in den Fokus der Mobilitätswende zu rücken?

Dachprogramm statt Förder-Flickenteppich

Im Juli 2025 hat Österreich mit eMove Austria ein neu gestaltetes Dachprogramm eingeführt, das erstmals alle zentralen Maßnahmen zur Elektromobilität bündelt. Für 2025 und 2026 investiert das Mobilitätsministerium (BMIMI) fast eine halbe Milliarde Euro in den Umstieg auf emissionsfreie Mobilität.

Statt einzelner, kurzfristiger Fördertöpfe verfolgt Österreich damit einen klaren, langfristigen Masterplan – inklusive Fahrzeuge, Infrastruktur, Forschung und Regulierung.

eMove Austria ruht dabei auf vier Säulen:

  • eCharge: Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur, von Normalladern bis Ultra-Schnellladen, mit starkem Fokus auf ländliche und bislang unterversorgte Regionen.
  • eBus: Umstieg von Diesel- auf emissionsfreie Busse im öffentlichen Verkehr.
  • eTruck: Förderung von batterie- und wasserstoffbetriebenen Lkw im Güterverkehr.
  • eRide: Maßnahmen zum Umstieg auf elektrische Individualfahrzeuge, privat wie betrieblich, inklusive E-Zweiräder.

Gerade diese letzte Säule ist für SteckerBiker besonders interessant, da hier der Fokus auf E-Zweiräder und individuelle Mobilität gelegt wird.

eRide: Rückenwind für elektrische Zweiräder

In der Säule eRide werden E-Zweiräder ausdrücklich berücksichtigt und gefördert. Dazu zählen unter anderem E-Mopeds der Klassen L1e und L3e (inklusive A1), genau die Fahrzeuge, die in urbanen und suburbanen Räumen großes Einsparpotenzial bei CO, Lärm und Platzverbrauch bieten.

Der Bedarf zeigt sich deutlich: Der ursprüngliche Fördertopf für einspurige E-Kraftfahrzeuge lag bei 1,5 Millionen Euro und war innerhalb weniger Wochen ausgeschöpft. Insgesamt wurden 690 Anträge gestellt, weitere rund 620 Registrierungen lagen vor, sodass die Mittel mehrfach aufgestockt werden mussten. Zuletzt wurde das Budget um 500.000 Euro aufgestockt, sodass nun 2 Millionen Euro für den aktuellen Förderzeitraum zur Verfügung stehen.

Die Förderhöhe pro Fahrzeug liegt bei etwa 950 Euro für L1e, 1.700 Euro für L3e bis 11 kW und 2.300 Euro für L3e über 11 kW.

Ein klares und wichtiges Signal: E-Zweiräder werden (zumindest in Österreich) zunehmend als integraler Bestandteil der Mobilitätswende wahrgenommen – nicht länger als Nischenfahrzeuge.

So funktioniert die Beantragung

Die Förderung für E-Zweiräder läuft über ein zweistufiges Online-Verfahren über das Portal der Kommunalkredit Public Consulting (KPC).

Zuerst sichern sich Interessierte durch eine Registrierung online einen Platz im Budget. Innerhalb von 36 Wochen nach der Registrierung muss dann der vollständige Antrag eingereicht werden, inklusive Rechnung, Nachweisen zur Fahrzeugklasse (L1e oder L3e) und österreichischer Zulassung.

Voraussetzungen: Das Fahrzeug muss neu und rein elektrisch betrieben sein, der E-Mobilitätsbonus des Herstellers muss auf der Rechnung ausgewiesen sein und der Strom sollte aus 100 % erneuerbaren Quellen stammen.

Zeitrahmen & Auszahlung: Die Mittel stehen so lange verfügbar, längstens jedoch bis März 2026, zur Verfügung. Nach Prüfung aller Unterlagen erfolgt die direkte Überweisung auf das Konto des Antragstellers. So erhalten Interessierte rasch und unkompliziert Unterstützung, während die Behörden den Überblick über die Mittel behalten.

Entwicklung: Mehr Fahrzeuge, bessere Infrastruktur

Parallel zur Zweiradförderung wächst in Österreich die gesamte E-Mobilität rasant. Mittlerweile sind über 250.000 batterieelektrische Pkw, rund 17.000 leichte E-Nutzfahrzeuge, mehr als 500 schwere Elektro-Lkw und bald 500 Elektrobusse auf den Straßen unterwegs.

Damit all diese Fahrzeuge – inklusive E-Zweiräder – praktikabel nutzbar sind, wird massiv in die Infrastruktur investiert: Aktuell gibt es über 34.700 öffentliche Ladepunkte, die Zahl der Ultra-Schnelllader (>150 kW) wächst deutlich, und ab 2026 werden 30 Millionen Euro zusätzlich in Schnellladestationen im ländlichen Raum investiert. Für E-Zweiräder bedeutet das weniger Reichweitenangst und mehr Alltagstauglichkeit, auch abseits der Großstädte.

Und in Deutschland?

In Deutschland gelten E-Zweiräder politisch noch oft als Randthema. Es gibt keine bundesweite Förderung, kaum strategische Initiativen und keine klaren Zuständigkeiten. SteckerBikes werden nur sporadisch berücksichtigt, und die Rahmenbedingungen für Käufer und Nutzer sind uneinheitlich, langwierig und unzuverlässig. Während Österreich klare Strukturen, planbare Fördermittel und gezielte Einbindung in die Mobilitätswende bietet, bleibt Deutschland hinterher – und lässt viele Chancen für den urbanen Verkehr ungenutzt.

Die SteckerBiker meinen

eMove Austria – und insbesondere die Säule eRide – ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie ernst man elektrische Zweiräder nehmen kann.

Für die meisten von uns sind SteckerBikes längst keine Schönwetterfahrzeuge mehr: Sie werden Tag für Tag für Pendelstrecken genutzt, arbeiten zuverlässig im urbanen Verkehr und überzeugen durch leisen, sauberen Betrieb bei deutlich geringerem Platzbedarf.

Während in Deutschland für L3e-A2-Fahrzeuge allenfalls die THG-Quote als Förderinstrument existiert – deren Effekt und Auszahlung jedoch unsicher und langwierig sind – zeigt eRide, wie konkrete, planbare Fördermittel E-Zweiräder tatsächlich im Alltag voranbringen. 

E-Zweiräder sind echte Alltagsmaschinen, und eMove Austria demonstriert, wie politische Rahmenbedingungen ihren Beitrag zur Mobilitätswende wirksam unterstützen können.

Österreich macht’s vor – und hoffentlich stolpert Deutschland schnell genug hinterher.

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