Zero bringt CCS: Endlich kommt der Schnellladeanschluss
Darauf haben Zero-Fahrer seit Jahren gewartet: Zero Motorcycles hat heute offiziell angekündigt, seine großen Elektromotorräder mit CCS-Schnellladung auszustatten. Die neue DC-Ladetechnik soll 2027 auf den Markt kommen – und das Beste an der Nachricht ist vielleicht gar nicht, dass neue Motorräder CCS bekommen. Auch bereits verkaufte Maschinen sollen nachgerüstet werden können.
Damit geht Zero einen Schritt, den sich ein großer Teil der Community schon lange gewünscht hat.
CCS für Zero Motorcycles kommt 2027
Zero entwickelt derzeit ein neues DC-Schnelllademodul nach CCS-Standard. Im Laufe des Jahres 2027 soll die Technik für die neuen Street- und Dual-Sport-Motorräder des Herstellers verfügbar werden.
Von 20 auf 80 Prozent soll der Akku damit in weniger als 30 Minuten geladen werden können. Gegenüber der bisherigen AC-Ladetechnik verkürzt sich damit nicht nur die Ladezeit. Vor allem wächst die Auswahl der nutzbaren Ladepunkte erheblich.
CCS-Schnelllader sind inzwischen entlang der großen Verkehrsachsen in Europa weit verbreitet. Für ein Elektromotorrad, das auch auf längeren Strecken eingesetzt werden soll, ist der Zugang zu dieser Infrastruktur ein erheblicher Vorteil.
Und Zero macht deutlich, dass die Entscheidung nicht zuletzt auf den Wunsch der eigenen Kunden zurückgeht. CEO Pierre-Martin Bos erklärt, DC-Schnellladen sei eine Funktion, nach der Kunden ausdrücklich gefragt hätten. Gleichzeitig habe man die Technik bewusst nicht nur für zukünftige Modelle entwickeln wollen, sondern auch bestehenden Besitzern zugänglich machen wollen.
Das dürften einige Zero-Fahrer gerne hören.
Auch vorhandene Zero Motorräder bekommen CCS
Denn Zero plant ausdrücklich eine Nachrüstlösung.
Das CCS-Modul soll als Zubehör angeboten und auch in bereits produzierten Motorrädern installiert werden können. Zero nennt dafür grundsätzlich Street- und Dual-Sport-Modelle ab Modelljahr 2022. In der Fußnote der Pressemitteilung wird die Auswahl genauer definiert: Genannt werden S, SR, SR/S, SR/F, DS, DSR und DSR/X mit Cypher-III-Betriebssystem.
Damit wird es besonders für Besitzer der dritten Zero-Generation interessant. Wer sein Motorrad bereits seit einigen Jahren fährt, muss für CCS offenbar nicht zwangsläufig ein neues Motorrad kaufen.
Das ist bemerkenswert. Denn gerade bei der Ladefähigkeit hat sich die Entwicklung der öffentlichen Infrastruktur in den vergangenen Jahren deutlich schneller bewegt als die Motorräder selbst. Eine Nachrüstlösung kann deshalb den praktischen Nutzwert bereits verkaufter Maschinen erheblich steigern.
Weniger als 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent
Bislang setzt Zero bei seinen großen Motorrädern auf AC-Laden. Serienmäßig stehen bei entsprechenden Modellen 6,6 kW zur Verfügung. Mit dem Rapid Charge System lässt sich die AC-Ladeleistung bei ausgewählten Maschinen auf bis zu 12,6 kW erhöhen.
Damit gibt Zero für den Bereich von 20 auf 80 Prozent bereits Ladezeiten von weniger als 45 Minuten an.
CCS soll diesen Wert nun auf weniger als 30 Minuten drücken.
Dabei sollte man sich von den reinen Minutenangaben allerdings nicht täuschen lassen. Der vielleicht größere Fortschritt besteht in der verfügbaren Infrastruktur.
Ein Motorrad mit serienmäßigen 6,6 kW AC und zusätzlicher CCS-Lademöglichkeit könnte praktisch beide Welten nutzen. Typ-2-Ladesäulen bleiben für Alltag, Hotel, Restaurant, Sehenswürdigkeit oder längere Pausen interessant. Soll es dagegen auf einer Reise möglichst schnell weitergehen, steht zusätzlich die erheblich größere CCS-Infrastruktur zur Verfügung.
Genau diese Flexibilität haben wir uns bei großen Elektromotorrädern lange gewünscht.
Welche Zero Modelle lassen sich wirklich umrüsten?
An dieser Stelle bleiben allerdings noch Fragen offen.
Die Formulierung der Pressemitteilung ist bemerkenswert. Zero spricht von Street- und Dual-Sport-Modellen mit einer Batteriekapazität von „bis zu 17,3 kWh“. Gleichzeitig werden ausdrücklich S, SR, SR/S, SR/F, DS, DSR und DSR/X mit Cypher III genannt.
Das klingt zunächst nach einer ziemlich umfangreichen Kompatibilität.
Trotzdem ist noch nicht eindeutig geklärt, welche konkreten Batterievarianten tatsächlich nachgerüstet werden können.
Das betrifft beispielsweise Motorräder, bei denen technisch ein 17,3-kWh-Akku verbaut ist, dessen nutzbare beziehungsweise freigeschaltete Kapazität softwareseitig geringer ausfällt. Dazu gehören verschiedene Versionen von S, DS, SR und DSR sowie entsprechende Konfigurationen von SR/F und SR/S.
Hinzu kommen Fahrzeuge mit älteren Akkuvarianten.
Zero selbst hält sich diese Details bislang offen. Weitere Informationen zu kompatiblen Modellen, notwendigen Voraussetzungen für die Nachrüstung, Preisen, Verfügbarkeit und den endgültigen Ladespezifikationen sollen erst im weiteren Verlauf der Entwicklung bekannt gegeben werden.
Sicher außen vor bleiben dagegen die Motorräder der zweiten Generation ohne Cypher III. Auch wenn einzelne dieser Maschinen in den genannten Modelljahreszeitraum hineinreichen können, schränkt Zero die Kompatibilität in der Fußnote ausdrücklich auf Motorräder mit Cypher III ein.
Der größte Kritikpunkt an Zero verschwindet
Die Ankündigung verändert die Position der großen Zero-Modelle erheblich.
Denn Reichweite und Akkukapazität waren bei Maschinen wie SR/F, SR/S oder DSR/X längst nicht mehr das einzige Thema. Gerade auf längeren Reisen wurde zunehmend die Ladeinfrastruktur zum entscheidenden Faktor.
Mit bis zu 12,6 kW AC konnte Zero zwar außergewöhnlich schnell an Typ-2-Säulen laden. Gleichzeitig entwickelte sich der öffentliche Ladenetzausbau immer stärker in Richtung DC-Schnellladen. Neue Standorte werden überwiegend mit CCS aufgebaut, während Typ 2 vielerorts eher eine ergänzende Rolle spielt.
Mit CCS verschwindet diese Einschränkung.
Und bemerkenswert ist auch, dass Zero nicht einfach einen harten Schnitt macht und die neue Technik ausschließlich einer kommenden Modellgeneration vorbehält. Die geplante Nachrüstung kann den Nutzwert und letztlich auch den Werterhalt bereits vorhandener Motorräder deutlich verbessern.
Die SteckerBiker meinen:
Endlich!
Lange genug haben Zero-Fahrer auf genau diese Nachricht gewartet. Unter unseren Artikeln und Videos tauchte der Wunsch nach einem „CCS-ChargeTank“ immer wieder auf. Aus dem Wunsch wurde mit der Zeit fast schon eine Forderung.
Nun kommt er tatsächlich.
Besonders erfreulich ist, dass Zero dabei die vorhandenen Motorräder nicht vergessen hat. Wer heute eine kompatible Maschine der dritten Generation besitzt, soll grundsätzlich die Möglichkeit bekommen, CCS nachzurüsten. Das ist aus unserer Sicht mindestens genauso wichtig wie die Einführung der Technik bei zukünftigen Motorrädern.
Einige Fragen bleiben trotzdem offen. Vor allem müssen wir abwarten, wie Zero die angekündigte Kompatibilität mit Akkus „bis zu 17,3 kWh“ konkret definiert. Gerade bei den verschiedenen Batterievarianten, softwareseitigen Kapazitätsbegrenzungen und früheren Akku-Upgrades steckt der Teufel im Detail.
Dass Zero selbst ankündigt, die genauen kompatiblen Modelle und Nachrüstungsanforderungen erst später zu veröffentlichen, zeigt, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.
Die grundsätzliche Nachricht überwiegt für uns aber deutlich: Der wahrscheinlich größte Kritikpunkt an den großen Zero-Motorrädern wird endlich beseitigt.
Und die Kombination ist eigentlich genau das, was wir uns wünschen: 6,6 kW AC für Typ 2 und CCS für die schnelle Weiterfahrt. Damit kann ein Motorrad je nach Situation praktisch die gesamte relevante öffentliche Ladeinfrastruktur nutzen.
Das macht insbesondere SR/F, SR/S und DSR/X auf einen Schlag erheblich zukunftsfähiger – und dank der geplanten Nachrüstung gilt das eben nicht nur für Motorräder, die erst 2027 beim Händler stehen.
Bleibt die Frage nach dem Preis.
Aber ganz ehrlich: Im Augenblick ist die fast zweitrangig.
3 Kommentare
Damit ist auch endlich dieser kleine Nebengedanke „Habe ich einen Fehler gemacht ~20000€ in ein Typ-2 Fahrzeug zu investieren?“ Freue mich wirklich riesig auf diese Entwicklung. Das Sahnehäubchen wäre dann noch, wenn Zero eine Aktion startet mit der man einen bestehenden ChargeTank „aufrüsten“ kann um den „neuen ChargeTank“ günstiger zu bekommen.
Ich weiß noch, wir haben uns letztes Jahr beim eCannonball in Hilden noch darüber unterhalten, ob es möglich wäre, CCS nachzurüsten.
Und jetzt machen sie es. Wie grandios ist das denn?
Man muss natürlich den Preis abwarten, der wird aber wahrscheinlich im Rahmen des Chargetanks liegen, hoffe ich.
Freut mich sehr. AC war für mich ein Grund die Zero DS Modelle links liegen zu lassen und eher auf die Royal Enfield Hime und Stark Future Älg zu warten. Jetzt bliebe die Option, das wenn die Bikes nichts passendes für mich werden, man eine gebrauchte Zero DS kauft und DC Technik nachrüsten kann. Gerade in Verbindung mit dem recht günstigen Unterhalt als A1 Version, echt eine Option.