Donut Labs Wunderakku: Echter Durchbruch oder Betrug?
Die Ankündigung, dass Verge Motorcycles ausgerechnet in der TS Pro als erstes Serienmotorrad überhaupt einen Feststoffakku einsetzt, hat die Elektro-Zweiradwelt schlagartig elektrisiert. Plötzlich wirken viele der alten, objektiven Gegenargumente wie weggewischt: Reichweite, Ladezeit, Alterung – alles soll auf einmal kein Thema mehr sein. Die Diskussion rutscht damit in eine fast emotionale Ecke ab, als würde jemand trotzig mit dem Fuß aufstampfen und nur noch klagen, dass ohne Vibrationen, Abgase und Lärm eben die „Seele“ fehle. Und genau deshalb klingt das Versprechen so verführerisch – fast zu gut, um wahr zu sein.
CES 2026: Das Versprechen, das alles ändern könnte
Donut Lab selbst setzt in seiner CES-Kommunikation maximal auf „Production-ready“ und „now“: eine all-solid-state battery, bereit für Serienfahrzeuge, inklusive sehr selbstbewusster Leistungsbehauptungen. Die Botschaft wirkt dabei nicht wie eine klassische Forschungsankündigung, sondern wie der Versuch, einen Schalter umzulegen: Ab jetzt sei Feststoff nicht mehr Labor, sondern Lieferkette. Genau dieser Tonfall treibt gerade auch die Zweiradpresse an, denn er passt perfekt zu Verges ohnehin spektakulärem Gesamtkonzept rund um den hubless Hinterradantrieb.
Verge flankiert das Ganze mit Zeitplänen, die den Druck zusätzlich erhöhen: Je konkreter das Lieferfenster, desto schneller wird aus PR eine überprüfbare Realität. Einige Medien berichten bereits, dass die ersten TS-Pro-Modelle mit dem neuen Akku innerhalb des ersten Quartals 2026 kommen sollen.
Warum Batterieexperten nicht einfach mitjubeln
Im aktuellen „GELADEN“-Podcast versuchen Patrick Rosen und Daniel Messling gemeinsam mit dem Batterieforscher Dr. Joachim Sann (Justus-Liebig-Universität Gießen), die technischen Hintergründe zu greifen – und genau hier kippt die Stimmung vom Staunen ins Stirnrunzeln. Denn wenn ein Akku gleichzeitig extrem energiedicht sein, ultraschnell laden und praktisch ewig halten soll, braucht es belastbare Antworten auf sehr grundlegende Fragen: Was genau ist die Zellchemie? Wie sehen die Grenzbedingungen aus? Welche Messmethoden wurden verwendet? Wie wird Sicherheit bei hohen Ladeleistungen nachgewiesen? Und warum sind so viele Kerndetails öffentlich bislang eher vage?
Diese Skepsis ist kein „Spaßbremsen“, sondern der Normalzustand von Batterieforschung: Große Sprünge passieren, aber fast nie ohne klar dokumentierte Trade-offs. Wenn die Trade-offs fehlen, wird es automatisch erklärungsbedürftig.
Electric Viking: CEO-Story, Red Flags – und die Rolle des Absenders
Der EV-YouTuber Sam Evans („The Electric Viking“) geht das Thema aus einer anderen Richtung an: weniger Chemie, mehr Kontext. In seinem Video zeichnet er ein Bild von CEO Marko Lehtimäki als Seriengründer mit sehr großen Narrativen – inklusive der Erinnerung daran, dass im Umfeld derselben Person zuvor bereits extrem weitreichende Tech-Behauptungen im Umlauf waren. Das muss nicht automatisch bedeuten, dass eine Batteriebehauptung falsch ist – aber es verändert die Messlatte dafür, wie schnell man belastbare Belege erwartet.
Gleichzeitig gehört zur Einordnung auch Sam Evans selbst: Er ist in der EV-Szene reichweitenstark und oft früh an Stories dran, arbeitet aber gern mit zugespitzter Sprache und dramatischen Frames. Das kann Aufmerksamkeit schaffen, erhöht aber auch das Risiko, dass Nuancen unter die Räder kommen – besonders bei Themen, die ohnehin nach Hype riechen.
Das „zu gut“-Problem: Wenn es stimmt, gewinnt die ganze Branche – wenn nicht, verlieren alle
In Evans’ Darstellung kommen zusätzlich Punkte auf den Tisch, die man unabhängig von Sympathien nüchtern betrachten muss: demnach seien auf der Messe teils eher Gehäuse als echte, verifizierbare Zellen zu sehen gewesen, außerdem kursieren in der Branche Vermutungen, es könne sich eher um einen Superkondensator-Ansatz handeln als um eine klassische Batterie, und es werden Aussagen zitiert, wonach ein hochrangiger Vertreter aus dem Batterieumfeld die Behauptungen öffentlich als falsch eingeordnet habe. Auch das sind zunächst Indizien, keine gerichtsfesten Beweise – aber Indizien, die in einem Umfeld „serienreif“ sehr ernst genommen werden.
Und hier liegt die eigentliche Sprengkraft: Sollte Donut Lab tatsächlich liefern, wäre das nicht nur ein Sieg für Verge, sondern ein Signal an die gesamte Elektromobilität – bis hinein in Autos, Nutzfahrzeuge, Luftfahrt und stationäre Speicher. Der Durchbruch hinge dann wirklich nur noch an Skalierung, Produktionsausbeute und Kostenkurve. Sollte jedoch nach der großen Bühne keine zeitnahe, nachvollziehbare Auslieferung folgen, wäre der Schaden enorm: nicht nur für Donut Lab und Verge, sondern als Steilvorlage für all jene, die Elektromobilität ohnehin als „Marketing statt Technik“ abtun.
Die SteckerBiker meinen:
Noch lässt sich nicht seriös sagen, ob Donut Lab hier den echten „Wunderakku“ präsentiert – oder ob wir Zeugen eines überdrehten Narrativs werden, das einer harten Realität nicht standhält. Sollte die Technik aber auch nur annähernd so funktionieren wie behauptet, stehen uns fantastische Jahre bevor: Elektromotorräder würden in einem Schwung massentauglich, und viele heutige Kompromisse wären Geschichte. Dann wäre die eigentliche Schlüsselhürde tatsächlich „nur“ noch die Skalierung.
Gerade weil die Nachricht so gut ist, ist ein gesundes Maß an Skepsis Pflicht. Für Donut Lab und Verge wäre es fatal, wenn nach dieser Ankündigung nicht kurzfristig ein Produkt auftaucht, das unabhängige Prüfungen und reale Nutzung übersteht. Der Vertrauensschaden für elektrische Motorräder wäre nachhaltig. Zum Glück dürfte die Wartezeit kurz sein: Verge stellt ein Lieferfenster in Aussicht, das die Geschichte sehr schnell überprüfbar macht. Und selbst wenn aus „März“ am Ende „Juni“ würde – wäre das im Verhältnis zu dem, was hier im Raum steht, absolut akzeptabel. Zu verlockend ist die Aussicht, dass genau diese Art von Eckdaten die gesamte EV-Welt im besten Sinne auf den Kopf stellen könnte. Was für Zeiten!
1 Kommentar
Ja, wenn jetzt nicht geliefert wird, käme nach der Euphorie die große Enttäuschung.Allerdings ist das Interesse am Elektrischen Grossen Motorrad allgemein sehr gering( Fahre selbst Zero SR/F)Somit wäre ein Durchbruch in Kapa und Ladezeit sicher wünschenswert, aber der ganz große Durchbruch lässt wohl noch lange auf sich warten.
Ich wäre sch froh über ein CCS Ladesysthem für meine Zero…..