Ultraviolette X-47 Venom: Europas neue Elektro-Crossover

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Author Paddy Lectric

Mit der X-47 Venom bringt der indische Elektromotorradhersteller Ultraviolette ein neues Modell nach Europa. Auf der EICMA 2026 in Mailand präsentierte das Unternehmen ein Elektromotorrad, das mit moderner Antriebstechnik, umfangreichen Assistenzsystemen und einer bemerkenswerten Sicherheitsausstattung aufwartet. Besonders erfreulich: Ultraviolette hat auf die Kritik europäischer Kunden reagiert und stattet die X-47 mit einem Typ-2-Ladeanschluss und einem integrierten Ladegerät aus. Wir haben uns das Motorrad auf der Messe angesehen und mit CEO und Mitgründer Narayan Subramaniam über die Technik und die europäischen Pläne gesprochen.

Ultraviolette X-47 Venom

Ultraviolette X-47 Venom: Mehr als eine europäische Modellvariante

Die X-47 ist in Indien bereits bekannt. Die auf der EICMA vorgestellte europäische X-47 Venom unterscheidet sich jedoch technisch deutlich von der bisherigen Ausführung. Sie basiert auf Ultraviolettes neuer VX-100-Plattform, die wir bereits in einem eigenen Artikel ausführlich vorgestellt haben.

Die neue Architektur arbeitet mit einer höheren Spannung und ermöglicht damit eine kompaktere und leichtere Auslegung wichtiger Antriebskomponenten. Im Interview mit SteckerBiker erläuterte Subramaniam, dass Ultraviolette gegenüber der bisherigen Plattform rund 20 bis 30 Kilogramm Gewicht einsparen konnte. Davon profitieren insbesondere das Leistungsgewicht, die Beschleunigung und das thermische Verhalten des Antriebs.

Für die europäische X-47 nennt Ultraviolette eine Spitzenleistung von knapp 30 kW, eine Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h und eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 5,9 Sekunden. Die Batterie verfügt über eine Kapazität von 11 kWh. Die angegebene Reichweite beträgt bis zu 235 Kilometer im WMTC-Stadtzyklus. Das fahrfertige Gewicht liegt laut europäischem Datenblatt bei 206 Kilogramm.

Subramaniam betonte im Gespräch außerdem, dass die neue Architektur auch längere Autobahnfahrten ohne thermisch bedingte Leistungseinbußen ermöglichen soll. Ob sich dieses Versprechen im Alltag bewahrheitet, wäre eine interessante Frage für einen ausführlichen Praxistest.

Ultraviolette X-47 Venom

Typ-2-Laden: Ultraviolette hört auf europäische Kunden

Eine der wichtigsten Neuerungen für Europa ist der Typ-2-Ladeanschluss. Bisher setzte Ultraviolette bei seinen Motorrädern auf Ladelösungen, die nicht optimal zur europäischen Infrastruktur passen. Besonders der in Indien verwendete Typ-6-Ladestandard ist mit den hier verbreiteten Typ-2- und CCS-Anschlüssen nicht kompatibel.

Dass dies für europäische Kunden ein Problem darstellt, ist inzwischen auch beim Hersteller angekommen. Im Interview erklärte Subramaniam ausdrücklich, dass die Rückmeldungen aus Europa den Wunsch nach einem integrierten Ladegerät und einem Typ-2-Anschluss deutlich gemacht hätten. Mit der X-47 habe man nun beides umgesetzt.

Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Schließlich ist die Verfügbarkeit öffentlicher Ladeinfrastruktur ein wesentlicher Faktor für die Alltagstauglichkeit eines Elektromotorrads. Mit dem Typ-2-Anschluss kann die X-47 grundsätzlich an den in Europa weitverbreiteten AC-Ladesäulen geladen werden.

Allerdings gibt es einen Haken: Das integrierte Ladegerät leistet lediglich 1,6 kW. Diese Angabe bestätigte uns Subramaniam persönlich auf der EICMA. Bei einer Batteriekapazität von 11 kWh dauert damit allein das Nachladen von 20 auf 80 Prozent rechnerisch mindestens gut vier Stunden. Ladeverluste sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Immerhin bietet Ultraviolette optional einen externen Boost Charger mit 3,2 kW an. Dieser wird über einen separaten Anschluss mit dem Motorrad verbunden. Ob er alternativ zum integrierten Ladegerät eingesetzt werden muss oder beide Ladegeräte gleichzeitig betrieben werden können, konnten wir auf der Messe nicht abschließend klären. Zumindest nach unserem ersten Eindruck wäre ausreichend Platz vorhanden, um beide Stecker gleichzeitig anzuschließen. Ob die Ladeelektronik dies tatsächlich unterstützt, ist eine andere Frage.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Ultraviolette für den indischen Markt über den dort üblichen Typ-6-Ladestandard auch deutlich höhere Ladeleistungen vorsieht. Davon können europäische Kunden mit der hiesigen Ladeinfrastruktur allerdings nicht ohne Weiteres profitieren.

Für längere Motorradtouren mit mehreren Ladestopps erscheint uns die Ladeleistung der europäischen X-47 daher wenig attraktiv. Wer dagegen überwiegend zu Hause oder am Arbeitsplatz lädt, dürfte damit wesentlich besser zurechtkommen.

Ultraviolette X-47 Venom

Radar, Kameras und Assistenzsysteme: Sicherheit auf hohem Niveau

Bei der elektronischen Ausstattung fährt Ultraviolette dagegen einiges auf. Die X-47 Venom erhält mit UV HyperSense ein radarbasiertes Assistenzsystem, das man in dieser Fahrzeugklasse bislang nur selten findet.

Das rückwärtsgerichtete 77-GHz-Radar überwacht den Verkehr hinter dem Motorrad und ermöglicht unter anderem eine Totwinkelüberwachung, einen Spurwechselassistenten und Warnungen vor gefährlichen Annäherungen. Die entsprechenden Hinweise werden über das Cockpit und die Spiegel angezeigt.

Hinzu kommen Kameras an Front und Heck, die unter anderem als Dashcams genutzt werden können. Für die Bildaufzeichnung nennt Ultraviolette eine Auflösung von 1080p. Damit verfügt die X-47 über eine für ein Motorrad dieser Klasse ungewöhnlich umfangreiche elektronische Überwachung ihrer Umgebung.

Subramaniam sieht darin einen wesentlichen Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Moderne Technik solle nicht nur mehr Leistung und Fahrspaß ermöglichen, sondern auch die Sicherheit der Fahrer verbessern. Funktionen, die man aus dem Automobilbereich kennt, wolle Ultraviolette zunehmend auf Zweiräder übertragen.

Die übrige elektronische Ausstattung kann sich ebenfalls sehen lassen. Neben einem Zweikanal-ABS gibt es eine vierstufig einstellbare Traktionskontrolle und eine dynamische Stabilitätsregelung. Hinzu kommen verschiedene Rekuperationsstufen und ein Tempomat.

Die drei Fahrmodi Ride, Combat und Ballistic erlauben es, das Ansprechverhalten des Motorrads an unterschiedliche Fahrsituationen anzupassen.

Gesteuert und überwacht werden die Funktionen unter anderem über ein sieben Zoll großes Touchdisplay.

Natürlich ersetzen diese Systeme weder die Aufmerksamkeit des Fahrers noch eine vorausschauende Fahrweise. Insbesondere die radarbasierten Funktionen sind Warn- und Assistenzsysteme und keine Garantie dafür, dass ein Unfall verhindert wird. Dennoch ist der Umfang der Sicherheitsausstattung bemerkenswert.

Ultraviolette X-47 Venom

Neue Batterie- und Antriebstechnik für die X-47

Auch unter der Verkleidung hat Ultraviolette einiges verändert. Der neue LIGHTFURY-Motor und die weiterentwickelte Batterie gehören zu den technischen Neuerungen, die das Unternehmen auf der EICMA besonders hervorhob.

Die neue Antriebsgeneration soll nicht nur leistungsfähiger, sondern auch leichter und thermisch belastbarer sein. Ultraviolette verweist dabei auf eine verbesserte Kühlung und kompaktere elektrische Komponenten.

Ein weiteres interessantes Detail ist die pyrotechnische Sicherung der Hochvoltbatterie. Sie soll im Fall eines schwerwiegenden elektrischen Fehlers die Hochvoltverbindung innerhalb kürzester Zeit unterbrechen können. Solche Sicherheitskonzepte sind aus der Automobiltechnik bekannt und halten nun zunehmend auch bei Elektromotorrädern Einzug.

Die neue Technikplattform haben wir bereits in unserem Artikel zur VX-100-Architektur näher betrachtet. Deshalb wollen wir an dieser Stelle nicht noch einmal sämtliche konstruktiven Details wiederholen. Entscheidend ist, dass Ultraviolette die neue Technik nun in einem konkreten europäischen Serienmodell einsetzt.

Ultraviolette X-47 Venom

A1-Führerschein, Preis und Marktstart in Europa

Die X-47 Venom soll in Europa auch für Inhaber der Führerscheinklasse A1 zugänglich sein. Damit richtet sich Ultraviolette nicht ausschließlich an erfahrene Motorradfahrer, sondern auch an jüngere Fahrer sowie in Deutschland an Autofahrer, die die Voraussetzungen für die Schlüsselzahl B196 erfüllen.

Für die europäische X-47 nennt Ultraviolette einen Einstiegspreis von 9.450 Euro. Zum Marktstart wird ein Einführungsrabatt von 1.000 Euro angekündigt, womit sich der Preis zunächst auf 8.450 Euro reduziert.

Die Auslieferungen sollen Anfang 2027 beginnen.

Ein wichtiger Punkt für potenzielle Käufer ist natürlich die Betreuung nach dem Kauf. Im Interview erläuterte Subramaniam, dass Ultraviolette beim europäischen Vertrieb mit Partnern zusammenarbeitet und den Ausbau des Händler- und Servicenetzes vorantreibt. Die Händler sollen durch das Unternehmen entsprechend geschult werden.

Auch die Fahrzeugvernetzung spielt dabei eine Rolle. Diagnosedaten können sowohl über die Smartphone-Anbindung des Fahrers als auch über die Systeme der Händler verfügbar gemacht werden. Das soll die Fehlererkennung und den Service erleichtern.

Subramaniam erwartet, dass Ultraviolette innerhalb der nächsten zwei Jahre eine deutlich stärkere Präsenz auf dem europäischen Markt erreichen wird.

Ultraviolette X-47 Venom

Ultraviolette plant weitere Modelle für Europa

Die X-47 ist dabei nur ein Teil der europäischen Expansionsstrategie. Auf der EICMA zeigte Ultraviolette auch den Elektroroller Tesseract und die leichte Enduro Shockwave.

Beide sollen nach den Aussagen des Unternehmens ebenfalls 2027 nach Europa kommen. Die auf der Messe ausgestellte Shockwave war allerdings noch ein Vorserienfahrzeug, dem unter anderem die für eine Straßenzulassung erforderliche Beleuchtung fehlte.

Im Interview bestätigte Subramaniam, dass sich die Shockwave bereits in einer fortgeschrittenen Vorserienphase befinde.

Damit wächst das europäische Produktportfolio von Ultraviolette über die sportlich orientierte F77 hinaus. Die X-47 erschließt das Crossover-Segment, während Tesseract und Shockwave weitere Einsatzbereiche abdecken sollen.

SteckerBiker EICMA

Die SteckerBiker meinen:

Die X-47 Venom ist aus unserer Sicht das bislang interessanteste Motorrad, das Ultraviolette für den europäischen Markt vorgestellt hat. Sie verbindet ansprechende Fahrleistungen mit einer modernen technischen Plattform und einer elektronischen Sicherheitsausstattung, die in dieser Klasse ihresgleichen sucht.

Besonders positiv bewerten wir, dass Ultraviolette offensichtlich auf die Rückmeldungen seiner europäischen Kunden hört. Die Integration eines Typ-2-Anschlusses samt Onboard-Ladegerät zeigt, dass der Hersteller seine Produkte nicht einfach unverändert nach Europa exportiert, sondern beginnt, sie an die Anforderungen des hiesigen Marktes anzupassen.

Natürlich hätten wir uns dabei etwas mehr Ladeleistung gewünscht. Mit 1,6 kW wird die X-47 kaum zum bevorzugten Begleiter für ausgedehnte Motorradreisen werden. Auch der optionale externe Lader kann diesen Nachteil nur teilweise ausgleichen, solange die Möglichkeiten des Parallelbetriebs ungeklärt sind.

Für etwas längere Pendelstrecken, den täglichen Weg zur Arbeit und die kleinere Feierabend- oder Wochenendrunde im heimischen Gefilde sieht die Sache dagegen ganz anders aus. Hier könnte die X-47 mit ihrer Kombination aus Fahrleistungen, Ausstattung und Alltagstauglichkeit durchaus überzeugen.

Die technische Ausstattung jedenfalls ist top. Und die Aussicht auf weitere Modelle macht uns neugierig, wohin sich Ultraviolette in Europa entwickeln wird.

Wir freuen uns auf die Erweiterung der Modellpalette. Noch mehr würden wir uns allerdings freuen, wenn wir die X-47 Venom einmal für einen ausführlichen SteckerBiker Praxistest bekommen könnten. Denn wie gut ein Elektromotorrad wirklich ist, zeigt sich bekanntlich nicht auf dem Messestand, sondern auf der Straße.

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