STRiX startet mit Hard-Enduro auf Kickstarter Richtung Dakar
Die slowenische Marke STRiX schiebt sich gerade in eine interessante Position zwischen Spezialfahrzeug, ziviler Hard-Enduro und Rallye-Projekt. Auf Kickstarter ist die Vorstart-Seite zur Kampagne „STRiX: Tactical Electric Enduro Motorcycle | The Road to Dakar“ bereits sichtbar und als „Launching soon“ markiert. Kickstarter selbst erklärt solche Pre-Launch-Seiten als Instrument, um vor dem eigentlichen Start Interessenten zu sammeln und sie zum Kampagnenstart automatisch benachrichtigen zu lassen. Auffällig ist dabei die Stoßrichtung: STRiX kommuniziert seine Technik weiter als Lösung für professionelle Spezialanwendungen, will diese „tactical-grade technology“ nun aber ausdrücklich auch in den zivilen Offroad-Bereich tragen.
STRiX bleibt seiner militärischen Herkunft treu
Das passt sehr gut zu dem Bild, das STRiX seit dem Start des Unternehmens aufbaut. Die Firma wurde 2023 im slowenischen Maribor gegründet und beschreibt ihr Kernprodukt selbst als elektrische Hard-Enduro nach militärischen Standards für extreme Einsätze. Der Fokus liegt also nicht auf Lifestyle-Offroad, sondern auf Haltbarkeit, Stealth-Eigenschaften, Vielseitigkeit und robuster Technik für schwieriges Gelände. Auf der eigenen Website betont STRiX leisen Betrieb, geringe thermische Signatur, austauschbare Akkus, hohe Zuladung und individuell anpassbare Software.
Dass diese militärische Positionierung nicht bloß Marketing ist, wird durch mehrere Stationen untermauert. Bei einem Testtermin mit der belgischen Armee wurde die STRiX Hard Enduro in militärischem Umfeld erprobt; THE PACK beschreibt das Motorrad dort ausdrücklich als primär für den militärischen Einsatz entwickelt. Anfang Februar meldete STRiX außerdem selbst die Rückkehr nach Belgien zu einem internationalen taktischen Event mit Eliteeinheiten aus mehreren europäischen Ländern. Hinzu kommt der offizielle Auftritt am Firmensitz mit dem slowenischen Verteidigungsminister und einer Delegation des Verteidigungsministeriums. Der ungewöhnliche Weg von der militärischen Anwendung in Richtung ziviler Markt ist also klar erkennbar und keineswegs zufällig entstanden.
Hard-Enduro mit Wechselakku und starken Eckdaten
Technisch bleibt STRiX bei dem Konzept, das wir schon aus der früheren Berichterstattung kennen: eine kompromisslos wirkende Elektro-Enduro mit Wechselakku, leichtem CrMo-Rahmen und viel Fokus auf Traktion, Ansprechverhalten und Offroad-Tauglichkeit. Aktuell nennt die offizielle Produktseite 67 kW Spitzenleistung, 975 Nm Drehmoment, 138 Kilogramm Masse, 130 km/h Höchstgeschwindigkeit, 40 bis 80 Kilometer Reichweite beziehungsweise 80 Minuten bis vier Stunden Fahrzeit sowie eine AC-Ladezeit von rund zwei Stunden. Der Wechselakku wird offiziell mit 6,22 kWh, 345 Volt Nennspannung, 18 Ah, 40 Kilogramm Gewicht und 1.500 Zyklen angegeben. Ebenfalls genannt werden bis zu 150 Kilogramm Zuladung, Rückwärtsgang, IP67/68-geschützte Komponenten und eine L3e-A3E-Homologation, die sich noch im Prozess befindet. (Fahrbar mit dem „großen“ A-Führerschein.)
Interessant ist dabei, dass STRiX beziehungsweise die Berichte rund um das Militärmodell teils noch leicht andere Zahlen nannten. Beim belgischen Armee-Test war von 70 kW, 1.050 Nm am Hinterrad, rund 130 Kilogramm Gewicht, 6,3 kWh Akkukapazität und einer externen DC-Ladung mit bis zu 18 kW die Rede; daraus ergab sich dort eine Spanne von 20 auf 80 Prozent in rund zehn Minuten. Auch das Fahrwerk wurde in diesem Zusammenhang konkreter benannt, mit Showa vorn und Öhlins hinten. Zwischen früherem Militär-Setup und heutiger Produktseite gibt es also gewisse Abweichungen, aber die Grundidee bleibt dieselbe: viel Leistung, austauschbarer Akku, hohe Robustheit und eine Architektur, die für harte Einsätze gedacht ist.
Kickstarter als Brücke in den zivilen Offroad-Markt
Genau hier bekommt die Kickstarter-Kampagne ihre eigentliche Bedeutung. Sie wirkt weniger wie der Start eines klassischen Garagen-Start-ups und mehr wie der nächste Schritt eines bereits aufgebauten Spezialanbieters, der seine bestehende Plattform nun in Richtung ziviler Käufer öffnet. Der Kampagnentitel verknüpft das Serienmotorrad direkt mit der Rallye-Erzählung „The Road to Dakar“, und der sichtbare Projektrahmen macht klar, dass STRiX das militärisch geprägte Profil nicht versteckt, sondern offensiv als Alleinstellungsmerkmal nutzt. Das dürfte für die Marke wichtiger sein als bloße Crowdfunding-Finanzierung: Kickstarter wird hier auch zur Bühne für Sichtbarkeit, Community-Aufbau und frühes Marktfeedback.
Dakar 2027 macht aus dem Projekt mehr als nur Marketing
Zusätzlichen Schub erhält das Ganze durch die nun offiziell kommunizierte Dakar-Perspektive. STRiX arbeitet mit dem portugiesischen Rallye-Fahrer Pedro Bianchi Prata an einem elektrischen Wettbewerbsbike mit dem klaren Ziel, 2027 bei der Dakar in der Mission-1000-Kategorie anzutreten. Für 2026 sind laut STRiX und LusoMotores vier internationale Rallyes sowie weitere Baja-Einsätze in nationalen, europäischen und Weltcup-Serien als rollendes Testlabor geplant. Zentral ist dabei das Energiesystem: Gemeinsam mit EDMTECH soll die Energiedichte innerhalb desselben Bauraums erhöht und die reale Reichweite unter Rennbedingungen verbessert werden. MOEVE tritt als Hauptsponsor auf, zusätzlich ist eine mehrteilige Doku-Serie über den Weg zur Dakar angekündigt.
Der Bezug zur Mission 1000 ist dabei mehr als eine nette Schlagzeile. Die Dakar beschreibt dieses Format als offenes Entwicklungslabor für alternative Antriebe unter realen Wüstenbedingungen. Für 2026 stehen bei den elektrischen Motorrädern vor allem Segway und Arctic Leopard im Fokus; THE PACK spricht von sechs elektrischen Bikes auf Tagesetappen von rund 100 Kilometern, während die offizielle Dakar-Kommunikation die Kategorie insgesamt mit sieben Motorrädern beschreibt. Für STRiX wäre ein gelungener Einstieg also nicht nur sportlich spannend, sondern auch technologisch hoch relevant, weil sich dort Reichweite, Thermomanagement, Gewicht und Batteriekonzept unter maximalem Stress messen lassen.
Die SteckerBiker meinen:
Mit STRiX betritt ein neuer Spieler das Feld der Hard-Offroad-Motorräder, in dem E-Motorräder längst mehr sind als eine Spielerei, sofern sie Verbrennern auf schwierigem Terrain ernsthaft Paroli bieten können. Ungewöhnlich ist der bisher eingeschlagene Weg, zuerst als Rüstungszulieferer beziehungsweise militärisch geprägter Spezialanbieter aufzutreten und erst danach den zivilen Markt mitzunehmen. Genau das wirkt aber ziemlich schlau, weil laufende Verträge und professionelle Anwendungen eine deutlich stabilere Basis schaffen können als ein reiner Hoffnungsstart im Freizeitsegment. Dass STRiX nun parallel die Dakar 2027 ins Visier nimmt, macht die Sache zusätzlich interessant. Mission 1000 ist derzeit einer der wenigen Orte, an denen sich elektrische Offroad-Konzepte unter echtem Extremdruck beweisen müssen. Die aktuell prägenden Namen dort sind Segway und Arctic Leopard; entsprechend spannend wird es sein zu sehen, wo sich STRiX einordnet.
Auf der EICMA 2025 durften wir das Motorrad bereits ansehen und kamen mit einem der Ingenieure ins Gespräch. Er berichtete von einem geplanten Gestell, mit dem Wechselakkus direkt am Fahrzeug mitgeführt werden können. Das ist für Rallye-Szenarien hochinteressant und könnte perspektivisch auch im zivilen Einsatz Charme haben. Wir sind jedenfalls gespannt, wie sich STRiX vom militärisch geprägten Hard-Enduro-Spezialisten zur ernsthaften zivilen Offroad-Marke entwickelt.
Weitere Beiträge zu STRiX:

THE PACK Magazine 2 ist da: E-Offroad Special
THE PACK geht Offroad: In der zweite Ausgabe ihres PDF-Magazins dreht sich alles um elektrische Dreckfräsen.

STRiX Hard-Enduro: Ein E-Motorrad für das belgische Militär?
THE PACK begleitete die belgische Armee beim Test der STRiX Hard Enduro – ein leises, robustes E-Motorrad für militärische Einsätze mit großem Potenzial.