Siekon Cruise Prince: Elektro-Gold-Wing aus China. Wir haben Fragen.

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Author Remo Klawitter

Wenn über Elektro-Motorräder gesprochen wird, geht es meist um Sportler, Naked Bikes oder leichte Offroader. Dabei könnten ausgerechnet Cruiser und große Tourer ideale Kandidaten für die Elektrifizierung sein.

Kaum eine andere Motorradklasse bietet so viel Platz für Batterien. Gleichzeitig spielt das Gewicht hier eine deutlich geringere Rolle als bei sportlichen Konzepten. Viel Drehmoment aus dem Stand, ein niedriger Schwerpunkt und entspanntes Cruisen passen eigentlich hervorragend zum Elektroantrieb.

Umso spannender wird es, wenn plötzlich ein Motorrad auftaucht, das auf den ersten Blick wie eine elektrische Honda Gold Wing wirkt.

Doch passt die Technik der Siekon Cruise Prince zu ihrem imposanten Auftritt?

Siekon Cruise Prince

Wer steckt hinter Siekon?

Das Unternehmen stammt aus China und wurde 2020 gegründet. Ende 2024 sorgte die Marke mit der Cruise Prince erstmals international für Aufmerksamkeit. Die Markteinführung in China war ursprünglich für den Sommer 2025 vorgesehen, konkrete Informationen zur tatsächlichen Verfügbarkeit sind bislang allerdings rar.

Interessant ist dabei die Herkunft der Marke. Siekon kommt nicht aus der klassischen Motorradwelt, sondern ist Teil einer Unternehmensgruppe mit Aktivitäten in den Bereichen BatterietechnikEnergiespeicherung und Fahrzeugkomponenten.

Gleichzeitig produziert das Unternehmen bereits ein breiteres Fahrzeugportfolio. Neben Elektromotorrädern und E-Scootern gehören auch klassische Motorräder, Roller und Offroad-Fahrzeuge zum Programm. Die Cruise Prince ist also nicht das erste Fahrzeug der Marke, sondern bislang vor allem ihr auffälligstes Projekt.

Siekon Cruise Prince

Die technischen Daten

Optisch orientiert sich die Cruise Prince klar an großen Luxus-Tourern. Frontverkleidung, Seitenkoffer und Topcase erinnern nicht zufällig an die Honda Gold Wing.

Antrieb

Angetrieben wird die Cruise Prince von einem Elektromotor mit 21 kW Spitzenleistung und 10,5 kW Dauerleistung. Die Systemspannung beträgt 144 Volt. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Siekon mit 140 km/h an.

Batterie und Laden

Für die Energieversorgung sorgt ein 73-Ah-Akku. Daraus ergibt sich eine Batteriekapazität von rund 10,5 kWh. Laut Hersteller sollen damit Reichweiten von bis zu 260 Kilometern möglich sein.

Die Ladezeit wird mit 2,5 bis 3,5 Stunden angegeben.

Interessant ist auch die vergleichsweise niedrige Systemspannung von 144 Volt. Moderne DC-Schnellladesysteme arbeiten in der Regel mit deutlich höheren Spannungen. Ein CCS-Schnellladesystem erscheint bei dieser Architektur daher eher unwahrscheinlich.

Offen bleibt allerdings, welcher Ladestandard tatsächlich zum Einsatz kommt. Informationen zu Ladeanschluss, Ladeleistung oder möglichen Schnellladefunktionen liegen bislang nicht vor.

Fahrwerk und Bremsen

An der Front arbeitet eine Upside-down-Gabel. Gebremst wird vorne über zwei 320-Millimeter-Bremsscheiben mit radial verschraubten Vierkolben-Bremssätteln. Am Hinterrad kommt eine 240-Millimeter-Bremsscheibe zum Einsatz. ABS gehört zur Serienausstattung.

Räder und Ausstattung

Bekannt ist bislang ein Hinterradreifen im Format 150/60-17. Zur Ausstattung gehören außerdem ein großes Display, integrierte Lautsprecher sowie Seitenkoffer und Topcase.

Interessanterweise fehlen bislang einige Daten, die bei einem Tourer dieser Größe eigentlich selbstverständlich wären. Weder FahrzeuggewichtSitzhöhe noch Radstand wurden bislang veröffentlicht.

Siekon Cruise Prince

Große Erscheinung, (zu) kleiner Akku?

Beim Blick auf die technischen Daten fällt vor allem die Batteriekapazität ins Auge. Cruiser und Tourer bieten wie kaum eine andere Motorradklasse Platz für große Energiespeicher. Umso überraschender wirkt ein Akku mit rund 10,5 kWh Kapazität in einem Motorrad dieser Größe.

Zum Vergleich: Motorräder wie die LiveWire S2 Del Mar oder die S2 Mulholland verfügen über eine ähnlich große Batterie, treten mit ihrer deutlich höheren Leistung jedoch in einer anderen Fahrzeugklasse an. Bei zügigen Überlandfahrten bewegen sich die realistischen Reichweiten dort eher im Bereich von rund 100 bis 130 Kilometern.

Die von Siekon genannten 260 Kilometer lassen sich daher nicht direkt vergleichen. Sie zeigen jedoch, wie groß die Unterschiede zwischen Herstellerangaben und späteren Praxiserfahrungen ausfallen können. Ob die Cruise Prince ihre versprochene Reichweite im Alltag erreicht, werden erst unabhängige Tests zeigen müssen.

Siekon Cruise Prince

Die #SteckerBiker meinen

Die Idee eines elektrischen Cruisers oder Tourers finden wir grundsätzlich spannend. Tatsächlich könnten genau diese Motorradklassen zu den großen Gewinnern der Elektromobilität gehören.

Gerade große Tourer könnten zeigen, dass Reichweite nicht zwangsläufig das größte Problem von Elektro-Motorrädern sein muss.

Gleichzeitig werfen die bisher bekannten Daten mehr Fragen auf, als sie beantworten. Vor allem die Kombination aus großem Touring-Auftritt144-Volt-Architektur und vergleichsweise kleiner Batterie macht neugierig.

Sollte die Cruise Prince ihren Weg nach Europa finden, würden wir sie uns gerne einmal genauer ansehen. Denn eines hat dieses Motorrad bereits geschafft: Es hat unsere Aufmerksamkeit geweckt.

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