LiveWire S4 Honcho – Elektrischer Fahrspaß im Miniformat
Als LiveWire im September 2025 den Namen S4 Honcho als Marke anmeldete, wurden wir hellhörig. Nach der LiveWire One und den verschiedenen S2-Modellen hofften wir auf ein weiteres ausgewachsenes Elektromotorrad. Vielleicht sogar einen langstreckentauglichen Tourer mit großem Akku und CCS-Schnellladung? Genau darüber hatten wir damals spekuliert.
Doch LiveWire hatte offenbar ganz andere Pläne. Statt eines großen Elektromotorrads präsentiert der amerikanische Hersteller mit der S4 Honcho ein kompaktes elektrisches MiniBike, das in zwei Varianten auf den Markt kommt: als straßenzugelassene Honcho Street und als geländetaugliche Honcho Trail. Mit der S4 Honcho Skate soll Anfang November auf der EICMA 2026 bereits eine dritte Variante vorgestellt werden, die 2027 auf den Markt kommen soll.
Zwei Modelle für unterschiedliche Einsatzgebiete
Die S4 Honcho Street richtet sich an alle, die mit dem kleinen Elektromotorrad auf öffentlichen Straßen unterwegs sein möchten. Mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von 94 km/h gehört sie zur 125er-Klasse und darf mit den Führerscheinklassen A1, A2 und A sowie in Deutschland mit der Erweiterung B196 gefahren werden.
Die S4 Honcho Trail dagegen ist für den Einsatz abseits befestigter Straßen konzipiert. Sie besitzt Stollenreifen, längere Federwege und eine verstärkende Querstrebe am Lenker. Auf Scheinwerfer, Blinker, Spiegel und Kennzeichenhalter wird verzichtet. Stattdessen trägt sie eine Startnummerntafel.
Wichtig: Die Trail besitzt keine Straßenzulassung und darf ausschließlich auf abgesperrtem Gelände gefahren werden.
Auch beim Fahrwerk gibt es Unterschiede. Während die Street vorn 104 und hinten 99 Millimeter Federweg bietet, sind es bei der Trail jeweils 130 Millimeter. Beide Modelle rollen auf kompakten 12-Zoll-Rädern.
Mit fahrfertigen 121 Kilogramm für die Street und 115 Kilogramm für die Trail bleiben die beiden MiniBikes vergleichsweise leicht.
94 km/h und zwei entnehmbare Akkus
Technisch teilen sich die beiden Honcho-Varianten weitgehend dieselbe Basis.
Ein Permanentmagnet-Synchronmotor liefert 9 kW Dauerleistung und 10,7 kW Spitzenleistung, was rund 14,6 PS entspricht. Das maximale Drehmoment beträgt 30 Nm am Hinterrad. Die Kraftübertragung erfolgt über eine Kette.
Den Sprint von 0 auf 48 km/h sollen die kleinen Elektromotorräder in rund drei Sekunden schaffen. Bei 94 km/h ist Schluss.
Besonders interessant ist die Energieversorgung. Erstmals setzt LiveWire auf entnehmbare Akkus. Zwei Lithium-Ionen-Batterien mit jeweils 1,74 kWh nominaler Kapazität sitzen unter der abschließbaren Sitzbank. Zusammen stehen somit 3,48 kWh nominal beziehungsweise 4,04 kWh maximale Akkukapazität zur Verfügung.
Das ist allerdings recht knapp bemessen. Zum Vergleich: Schon der Elektroroller Zero LS1 bringt es serienmäßig auf 3,72 kWh, der NIU NQiX 500 sogar auf 4,03 kWh. Beide lassen sich zudem mit einem dritten Akku erweitern. Gerade bei einem Elektromotorrad hätten wir uns etwas mehr Energiereserve gewünscht.
Die Akkus lassen sich einzeln entnehmen und beispielsweise zu Hause oder im Büro laden. Allerdings ist dafür eine optional erhältliche Ladestation erforderlich. Serienmäßig erfolgt die Ladung über den Anschluss am Fahrzeug.
Mit dem mitgelieferten 930-Watt-Ladegerät dauert der Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent rund zwei Stunden. Für eine vollständige Ladung gibt LiveWire etwa dreieinhalb Stunden an.
Die Reichweite beträgt nach dem europäischen WMTC-Messverfahren bis zu 85 Kilometer. Wie weit man damit tatsächlich kommt, dürfte besonders bei häufigen Fahrten mit höherer Geschwindigkeit interessant werden.
Kleine Motorräder mit praktischen Details
Trotz ihrer kompakten Abmessungen hat LiveWire den Honcho-Modellen einige interessante Funktionen spendiert.
Beide verfügen über die Fahrmodi Standard und Power sowie eine Rückfahrhilfe, die das Rangieren erleichtert. Die Street bietet außerdem eine dreistufig einstellbare Rekuperation.
Gebremst wird vorn mit einer 240-Millimeter-Scheibe und Zweikolbensattel, hinten mit einer 200-Millimeter-Scheibe und Einkolbensattel. Die Street besitzt ein kombiniertes Bremssystem (CBS), das Vorder- und Hinterradbremse miteinander verbindet. Bei einem Preis von 5.949 Euro hätten wir uns allerdings ein serienmäßiges ABS gewünscht.
Während die Street ihre Informationen über ein großes LCD-Display anzeigt, muss die Trail mit einem einfachen Status-Panel auskommen.
Unter der Sitzbank befindet sich neben den Akkus ein kleines Staufach. Auch ein Helmschloss ist vorhanden. Wer mehr transportieren möchte, kann Gepäckträger nachrüsten. Optional bietet LiveWire außerdem ein Soziuskit, einen USB-C-Anschluss, Handprotektoren und einen Motorschutz an.
Mit gerade einmal rund 1,70 Metern Länge und einer unbelasteten Sitzhöhe von 788 Millimetern bei der Street beziehungsweise 813 Millimetern bei der Trail sind die beiden Honcho-Modelle ausgesprochen kompakt.
Preise und Marktstart
Während die großen LiveWire-Modelle One und S2 in den USA, genauer gesagt im Harley-Davidson-Werk in York, Pennsylvania, montiert werden, setzt LiveWire bei der S4 Honcho auf seinen langjährigen Partner KYMCO aus Taiwan, der die Produktion der kleinen Elektromotorräder übernimmt.
Die LiveWire S4 Honcho Trail ist bereits erhältlich und wird in Deutschland für 5.453 Euro angeboten. Die straßenzugelassene Honcho Street soll unmittelbar nach der EICMA im November 2026 auf den europäischen Markt kommen. Ihr Preis liegt laut aktueller Herstellerwebsite bei 5.949 Euro.
Die Street wird mit zwei Jahren Fahrzeuggarantie angeboten, bei der Trail ist es lediglich ein Jahr. Die Erstinspektion ist nach 1.000 Kilometern vorgesehen, anschließend betragen die Serviceintervalle 5.000 Kilometer.
Mit den beiden MiniBikes erweitert LiveWire sein bisheriges Angebot um eine deutlich günstigere Einstiegsklasse.
Die #SteckerBiker meinen:
Nun sitzen wir hier mit der Pressemappe zur LiveWire S4 Honcho und wissen nicht so recht, was wir davon halten sollen. Die kleinen Elektromotorräder haben durchaus ihren Reiz, aber gibt es dafür tatsächlich einen ausreichend großen Markt?
In der Stadt dürfte ein Elektroroller mit mehr Stauraum die praktischere Wahl sein, während man für längere Überlandfahrten wohl eher zu einem ausgewachsenen Motorrad greift. Wir sehen die Honcho deshalb vor allem als Nischenfahrzeug für den Freizeit- und Fun-Sportbereich, vielleicht auch als Begleiter im Camper, Wohnmobil oder auf einem Boot. Doch bei bis zu 121 Kilogramm Gewicht und knapp 6.000 Euro für die Street dürfte die Käuferschicht überschaubar bleiben.
Wir hatten uns nach der Markenanmeldung 2025 allerdings etwas ganz anderes erhofft: ein großes Elektromotorrad mit ordentlich Akkukapazität und CCS-Schnellladung – vielleicht sogar als Nachfolger der LiveWire One.
Stattdessen bekommen wir elektrische MiniBikes. Eine gewisse Ernüchterung bleibt zurück.
1 Kommentar
Bei dem Gewicht und Preis muss sie sich mit der Flying Flea C6 und in der Trail Version durchaus mit der, vermutlich etwas teureren S6 messen.
Kann mir vorstellen, das sie neben dem Freizeit und Fun-Sportbereich auch hier und da als Miet-Bike angeboten wird wie Roller.
Aber wüsste nicht was ich zb damit sollte 😀