Getestet: NERVA EXE 2 – Großroller für Stadt und Land

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Categories Fahrzeuge
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Author Andrew Thijssen

Noch vor gar nicht allzu langer Zeit hatte kaum jemand elektrische Motorroller ernsthaft auf dem Schirm. Ihr Image war eher blass und passte nicht zu dem Selbstbild, das viele Fahrerinnen und Fahrer rund um ihr Zweirad aufgebaut hatten. Wie sehr sich die Zeiten geändert haben. Wer heute durch eine durchschnittliche Stadt fährt, bemerkt den Wandel schnell. Auch die regionale Politik spielt eine wichtige Rolle dabei, die Verbreitung dieser leisen und sauberen Fahrzeuge zu beschleunigen.

Nerva EXE 2

Nerva ist eine spanische Marke, die ihre Fahrzeuge – wie viele andere Anbieter auch – in China fertigen lässt. Was den EXE 2 jedoch hervorhebt, ist seine Batterie. Der elektrische Motorroller ist mit einer Zelle des chinesischen Batterie-Riesen BYD ausgestattet, genauer gesagt mit einer einzelnen 7,83-kWh-Blade-LFP-Einheit, die für mehr als 6.000 Ladezyklen ausgelegt ist. Das entspricht rechnerisch etwa 600.000 Kilometern Nutzung. Für den Antrieb sorgt ein an der Hinterachse montierter Synchronmotor, der über einen vollständig gekapselten Riemenantrieb eine Spitzenleistung von 19 kW liefert. Die Dauerleistung beträgt 11 kW, womit der EXE 2 mit dem A1-Führerschein gefahren werden kann.

Nerva EXE 2 Motor

Nerva gibt eine Reichweite von 180 Kilometern im Eco-Modus sowie 140 Kilometern in den Modi Standard und Sport an. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 130 km/h, damit ist der Roller autobahntauglich. Geladen wird über ein integriertes 3,3-kW-Ladegerät, das die Batterie in nur zwei Stunden von null auf 80 Prozent bringt. Eine vollständige Ladung über den serienmäßigen Typ-2-Anschluss dauert rund zweieinhalb Stunden. Geladen werden kann an einer Wallbox, einer öffentlichen AC-Ladesäule (am besten mit dem 3,7-kW-SteckerBiker-Ladekabel – Anmerkung der Redaktion) oder an einer normalen Haushaltssteckdose. 

Nerve EXE 2 Typ2

Alle wichtigen Informationen werden auf einem 8,8-Zoll-TFT-Display angezeigt. Dazu kommen Connectivity-Funktionen einschließlich optionaler Navigation und Diagnosefunktionen. Zur Serienausstattung gehören Keyless Start, Traktionskontrolle, Zweikanal-ABS, Rückwärtsgang und Rekuperation. Der Stauraum unter der aufklappbaren Sitzbank fällt großzügig aus. Vorn arbeitet eine Teleskopgabel, hinten kommen zwei Federbeine zum Einsatz. Das ist einfach und nicht einstellbar, aber ausreichend. Verzögert wird mit einer Doppelscheibenbremse vorn und einer einzelnen Scheibe hinten, kombiniert mit serienmäßigem Zweikanal-ABS.

Nerva EXE 2 Cockpit

Auf der Straße

Der Nerva EXE 2 ist eine stattliche Erscheinung. Seine Größe sorgt für guten Windschutz und eine komfortable Sitzposition für zwei Personen. Ein kleiner erhöhter Bereich in der Mitte der Sitzbank soll zusätzlichen Halt geben, doch dazu später mehr. Trotz seiner großzügigen Abmessungen und eines fahrfertigen Gewichts von 230 Kilogramm lässt sich der EXE 2 überraschend einfach fahren. Die Ergonomie ist gut durchdacht, die Bedienelemente auf beiden Lenkerseiten sind intuitiv angeordnet. Die Sitzposition ist entspannt, mit viel Bein- und Fußraum sowie der Möglichkeit, die Füße nach vorn auszustrecken.

Nerva EXE 2

Die Gasannahme entspricht genau dem, was man von einem Elektrofahrzeug erwartet: unmittelbar und kräftig. Zur Wahl stehen drei Fahrmodi: Eco, Standard und Sport. Sie werden über einen Schiebeschalter an der rechten Lenkerseite ausgewählt. Eco begrenzt die Geschwindigkeit für den Stadtverkehr auf 50 km/h, Standard kappt bei 93 km/h, und Sport gibt die vollen 130 km/h frei. Größe und Gewicht des EXE 2 bedeuten allerdings auch, dass er nicht der wendigste Stadtroller ist. Der Wendekreis fällt für enge Straßen etwas groß aus. Wohler fühlt er sich auf größeren Stadtstraßen und Strecken außerhalb der Stadt, wo das jederzeit verfügbare elektrische Drehmoment für müheloses Vorankommen sorgt. Das Fahrwerk wirkt solide und stabil. Auch wenn die Federung einfach gehalten ist, liefert sie ausreichend Komfort. Auf der Autobahn schlägt sich der EXE 2 problemlos, die angegebene Höchstgeschwindigkeit lässt sich gut erreichen. Die Bremsleistung ist ordentlich, allerdings dürfte die Rekuperation gern etwas stärker ausfallen.

Nerva EXE 2

Reichweite in der Praxis

Bei zügiger Autobahnfahrt mit 120 bis 130 km/h wechselt der EXE 2 nach rund 65 Kilometern in den Standard-Modus. Dann liegt der Akkustand bei 25 Prozent, und es bleiben ungefähr 30 Kilometer, um das Ziel mit reduzierter Geschwindigkeit von 90 km/h zu erreichen. Allein im Standard-Modus liegt die reale Reichweite bei etwa 135 Kilometern. Bei gemischter Fahrweise sind in der Praxis ungefähr 150 Kilometer zu erwarten. Die angegebene Stadtreichweite von 180 Kilometern wurde nicht getestet, erscheint aber plausibel.

Fazit

Der Nerva EXE 2 ist ein sauber verarbeiteter elektrischer Maxi-Scooter mit Platz für zwei Personen, angenehmem Fahrverhalten und einem praktischen Stauraum unter der Sitzbank, der groß genug für einen Helm ist. Der erhöhte Bereich auf der Sitzbank stört etwas, besonders bei größeren Fahrerinnen und Fahrern, und wäre besser weggelassen worden. Leistung und Reichweite reichen mehr als aus für den täglichen Stadtverkehr und entspannte Wochenendausflüge. Mit 8.490 Euro ist der EXE 2 ein glaubwürdiger Schritt in Richtung einer Zukunft, in der fossile Kraftstoffe nicht mehr selbstverständlich sind – und in der der Weg zur Arbeit oder der Besuch bei der Familie beinahe lautlos erledigt wird.

Vielen Dank an Electric Motorbikes Netherlands.

Dieser Bericht erschien ursprünglich bei unserem Medienpartner THEPACK.News. Er ist im englischsprachigen Original hier zu finden: https://thepack.news/bms-e-motorrijder-tested-the-new-exe-2-from-nerva/

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