Flying Flea C6: Der fliegende Floh landet endlich in Europa

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Author Remo Klawitter

Zugegeben: Die Flying Flea C6 haben wir bisher ziemlich stiefmütterlich behandelt. Bereits Anfang 2025 tauchten die spektakulären Werbevideos auf, in denen der elektrische Floh – ganz in der Tradition seines historischen Vorbilds – am Fallschirm vom Himmel schwebte. Belastbare technische Daten waren damals allerdings noch Mangelware. Inzwischen ist die C6 in Indien gestartet und nun soll sie endlich auch in Europa landen. Höchste Zeit für uns, genauer hinzuschauen.

Flying Flea C6

Royal Enfield unter Strom

Hinter Flying Flea steckt kein junges Startup, sondern einer der traditionsreichsten Motorradhersteller überhaupt. Royal Enfield baut seit 1901 Motorräder und hat inzwischen mehr als zehn Millionen davon verkauft. Die Wurzeln liegen in Großbritannien, seit den 1950er-Jahren ist die Geschichte der Marke eng mit Indien verbunden. Heute gehört Royal Enfield zum indischen Konzern Eicher Motors.

Mit Flying Flea schlägt Royal Enfield nun ein neues Kapitel auf. Die 2024 vorgestellte Elektromarke soll sich auf leichte elektrische Motorräder für Stadt und Umland konzentrieren. Mehr als 200 Ingenieure in Großbritannien und Indien arbeiten daran; Motor, Batterie, BMS und Software werden nach Angaben des Unternehmens weitgehend selbst entwickelt.

Den Anfang macht die klassisch gezeichnete C6, später folgt mit der S6 eine Scrambler-Variante.

Flying Flea C6

Warum eigentlich „Fliegender Floh“?

Dafür müssen wir zurück in die 1940er-Jahre. Royal Enfield entwickelte während des Zweiten Weltkriegs ein besonders leichtes 125-cm³-Motorrad für britische Luftlandetruppen. Bekannt wurde die kleine Maschine unter ihrem wesentlich charmanteren Spitznamen: Flying Flea – fliegender Floh.

Und das „Flying“ war durchaus wörtlich gemeint. Das Motorrad war dafür konstruiert, per Fallschirm abgeworfen zu werden und anschließend Soldaten schnell mobil zu machen. Gerade einmal rund 56 Kilogramm wog die ursprüngliche Flying Flea.

Genau diese Geschichte griff Royal Enfield auch bei der Präsentation der neuen C6 wieder auf. Im Februar 2025 wurde der elektrische Nachfolger bei einem Event in Neu-Delhi passend zur Historie am Fallschirm inszeniert. Das Motiv fand anschließend auch seinen Weg in die Kommunikation rund um die neue Elektromarke.

Flying Flea Hossakgabel
Flying Flea Batterie

Die elektrische C6 greift das historische Vorbild zudem optisch auf. Besonders auffällig ist ihre ungewöhnliche Trapezgabel aus Aluminium. Anders als bei einer klassischen Teleskopgabel gleiten hier keine Stand- und Tauchrohre ineinander – das Vorderrad wird über ein gelenkiges Gestänge geführt. Die Konstruktion ist heute selten, war bei Motorrädern der damaligen Zeit aber durchaus verbreitet und schlägt damit eine weitere Brücke zur historischen Flying Flea.

Dazu kommen die schmalen 19-Zoll-Räder, der freistehend wirkende Sitz und das verrippte Batteriegehäuse aus Magnesium. Selbst der Aluminiumrahmen nimmt laut Flying Flea Anleihen am damaligen Abwurfgestell.

Herausgekommen ist kein elektrischer Abklatsch einer bestehenden Royal Enfield, sondern ein ziemlich eigenständiges Motorrad.

Flying Flea C6

Flying Flea C6: bestätigte technische Daten

Genau hier lag bisher das Problem: Als die C6 vorgestellt wurde, hielt sich Royal Enfield bei den technischen Daten auffällig zurück. Inzwischen wissen wir deutlich mehr.

Im Aluminiumrahmen sitzt ein 3,91 kWh großer Lithium-Ionen-Akku mit einer Nennspannung von knapp 102 Volt. Flying Flea setzt auf NCA-Zellen, der Akku ist luftgekühlt und steckt in einem Magnesiumgehäuse.

Der Permanentmagnet-Synchronmotor leistet maximal 15,4 kW (21 PS) und liefert 60 Nm Drehmoment. Über einen zweistufigen Riemenantrieb geht es ans Hinterrad. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 115 km/h, von 0 auf 60 km/h sollen 3,7 Sekunden vergehen.

Bemerkenswert ist das Gewicht: 124 Kilogramm fahrfertig sind für ein Elektromotorrad ausgesprochen wenig. Die Sitzhöhe beträgt 823 Millimeter, die Bodenfreiheit 207 Millimeter. Vorne und hinten rollt die C6 auf 19-Zoll-Rädern.

Bei der Reichweite nennt Flying Flea 154 Kilometer nach dem indischen IDC-Fahrzyklus. Angesichts der lediglich 3,91 kWh klingt das zunächst beachtlich – die Angabe sollte allerdings nicht mit deutscher Landstraßen- oder Autobahnreichweite gleichgesetzt werden.

Geladen wird über ein integriertes Onboard-Ladegerät. Für 20 auf 80 Prozent nennt Flying Flea rund 65 Minuten, eine vollständige Ladung soll etwa 2 Stunden und 16 Minuten dauern.

Auch bei der Ausstattung fährt der kleine Floh ordentlich auf. An Bord sind unter anderem schräglagenabhängiges ABS und Traktionskontrolle, fünf Fahrmodi sowie ein rundes 3,5-Zoll-TFT mit Touchfunktion. Navigation, Smartphone-Anbindung und Keyless-Funktionen gehören ebenfalls zum Konzept.

Flying Flea C6

Preis und Marktstart

In Indien ist die Flying Flea C6 inzwischen offiziell gestartet. Dort kostet sie 279.000 Rupien, umgerechnet rund 2.500 bis 2.700 Euro. Angeboten wird sie zunächst in Flea Green und Storm Black.

Für Deutschland bleibt ausgerechnet die spannendste Zahl noch offen: der Preis. Dieser soll voraussichtlich im September bekannt gegeben werden. Einen konkreten deutschen Auslieferungstermin gibt es bislang ebenfalls nicht.

Nach dem bereits erfolgten Start in Indien dürfte es nun aber nicht mehr allzu lange dauern, bis der elektrische Floh auch in Europa landet.

Flying Flea C6

Die #SteckerBiker meinen

Jetzt wird es ernst mit der Flying Flea C6. In Indien ist sie bereits auf der Straße, nun steht Europa vor der Tür.

Dabei bringt sie etwas mit, das vielen neuen Elektromotorrädern fehlt: eine geschichtsträchtige Marke, echte historische Wurzeln und eine Optik, die durchaus den europäischen Geschmack treffen könnte.

Ob der elektrische Floh auch bei uns erfolgreich herumhüpft, dürfte jetzt vor allem von einer noch offenen Zahl abhängen: dem mit Spannung erwarteten Preis.

Remo ist jedenfalls verliebt – und hat sich vorsichtshalber schon mal auf die Suche nach einem Royal-Enfield-Händler gemacht. 😍

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