EICMA 2026: NIU NQiX MY27 – Zugehört und nachgebessert!
NIU hat auf der EICMA 2026 in Mailand eine umfangreiche Modellpflege seiner NQiX-Baureihe für 2027 vorgestellt. Neben technischen Verbesserungen hat der Hersteller zahlreiche Kundenwünsche berücksichtigt und an vielen Details gefeilt. Doch ist wirklich jede Änderung ein Fortschritt?
Wir haben uns die Neuerungen genauer angesehen und dabei nicht nur sinnvolle Verbesserungen, sondern auch einige Überraschungen entdeckt. Eine davon betrifft ein Modell, das nun endgültig Geschichte ist.
Kleiner NFC-Tag ersetzt große Karte
Die bisherige NFC-Karte im EC-Kartenformat war vielen Kunden zu groß. Obwohl sich die NQiX-Modelle bereits per Smartphone, Wallet-Funktion oder Bluetooth-Näherungserkennung entsperren lassen, gehört die Karte weiterhin zum Alltag vieler Besitzer. Für 2027 ersetzt NIU sie durch einen kleinen, runden NFC-Tag, der bequem am Schlüsselbund Platz findet.
Besseres Licht und neue Allwetterreifen
Schon die bisherigen NQiX-Modelle überzeugten mit einer sehr guten Fahrbahnausleuchtung. NIU legt dennoch nach und verbessert sowohl das Abblend- als auch das Fernlicht.
Hinzu kommen CST SC12 Allwetterreifen in 14 Zoll, die bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen mehr Grip und eine höhere Laufleistung bieten sollen. Da immer mehr Elektrorollerfahrer auch im Herbst und Winter unterwegs sind, halten wir diese Bereifung für eine sinnvolle Verbesserung.
Wer seinen NIU bislang auf eine entsprechende Bereifung umrüsten wollte, musste für Reifen und Montage mit rund 350 bis 400 Euro rechnen. Dass NIU die Allwetterreifen künftig serienmäßig montiert, spart den Käufern diese zusätzlichen Kosten.
Bei aller Freude über die bessere Wintertauglichkeit hätten wir uns allerdings noch etwas mehr Komfort gewünscht. Eine Griffheizung wäre gerade für Ganzjahresfahrer eine sinnvolle Ergänzung gewesen, eine Sitzheizung das i-Tüpfelchen. Dass die Konkurrenz hier bereits weiter ist, zeigt die neue Zero LS3, bei der beide Heizungen zur Serienausstattung gehören.
Mehr Korrosionsschutz und bessere Verarbeitung
Die Rahmen erhalten künftig eine elektrophoretische Beschichtung. Bei diesem Verfahren wird der Rahmen in ein spezielles Lackbad getaucht, wobei elektrische Spannung dafür sorgt, dass sich die Schutzschicht gleichmäßig auf der Metalloberfläche absetzt – auch an schwer zugänglichen Stellen. Eine zusätzliche Pulverbeschichtung soll den Korrosionsschutz weiter verbessern.
Auch die Hauptständerbefestigung wurde verstärkt – eine sinnvolle Maßnahme, denn gerade rund um Akkufach und Hauptständer war Korrosion bei älteren NIU-Modellen immer wieder ein Thema.
Weitere Änderungen betreffen die Geometrie der Bremsscheiben, Schalter mit präziserem Druckpunkt, kürzere Rückspiegel sowie neue Lenkerenden und Griffe. Hinzu kommen eine bessere Kabelummantelung und -verlegung, dichterer Sitzbankschaum und eine optimierte Mobilfunkverbindung. Auch die Geschwindigkeitsabstimmung der Fahrmodi hat NIU angepasst.
Na endlich! Ende des Kriechmodus
Bislang wechselten die NQiX-Modelle bei etwa 15 Prozent Akkustand automatisch in den E-Save-Modus und begrenzten die Höchstgeschwindigkeit auf rund 25 bis 28 km/h. Viele Kunden störten sich an dieser abrupten Drosselung.
Künftig reduziert NIU die Leistung bereits ab etwa 20 Prozent Restkapazität schrittweise. Der E-Save-Modus bleibt Störungen vorbehalten.
Wir fanden die bisherige Lösung durchaus sinnvoll, denn die deutliche Leistungsbegrenzung verhinderte hohe Entladeströme bei niedrigem Akkustand und schonte damit die Batterien. Wer das Verhalten kannte, konnte seine Fahrt entsprechend planen. Ob die neue Regelung einen vergleichbaren Schutz bietet, hängt davon ab, wie NIU die maximalen Entladeströme begrenzt.
NQiX 150: Größere Akkus und mehr Reichweite
Die NQiX 150 erhält neue Ampace-Akkus mit 72 Volt und 30 Ah, die die bisherigen Greenway-Akkus mit 28 Ah ersetzen. Damit steigt die rechnerische Energiekapazität um gut sieben Prozent von 2,016 auf 2,16 kWh pro Akku.
Entsprechend erhöht sich die angegebene Reichweite mit einem Akku um etwa fünf Kilometer auf 55–65 Kilometer. Mit einem optionalen zweiten Akku, dessen Anschluss bereits ab Werk vorbereitet ist, sollen künftig 105–115 statt 100–110 Kilometer möglich sein. Unverändert bleiben die Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h und die Spitzenleistung von 3,8 kW.
Bei den Farben ersetzen Matt Blue, Jungle Green und Nardo Grey die bisherigen Varianten Matt Grey und Glossy White. Legend Black bleibt im Programm. Der Preis steigt um 100 Euro auf 2.899 Euro.
NQiX 300: Neue Akkus, bewährte Leistung
Die NQiX 300 erhält zwei der neuen Ampace-Akkus mit jeweils 72 Volt und 30 Ah. Höchstgeschwindigkeit und Spitzenleistung bleiben mit 80 km/h beziehungsweise 4,1 kW unverändert.
Bei der Farbauswahl nennt NIU Legend Black und Nardo Grey.
Die NQiX 300 MY27 kostet 3.699 Euro.
NQiX 500: Mehr Geschwindigkeit – zumindest auf dem Papier
Die NQiX 500 soll künftig im regulären Sport-Modus 110 km/h und im Boost kurzzeitig 115 km/h erreichen. Offiziell war das bisherige Modell mit 100 km/h angegeben, tatsächlich erreichte es aber bereits 108 bis 110 km/h. Die vermeintliche Geschwindigkeitssteigerung dürfte sich deshalb im Alltag kaum bemerkbar machen. Die Spitzenleistung bleibt unverändert bei 9,9 kW.
Auch bei den Akkus bleibt NIU bei den beiden serienmäßigen 72V-28Ah-Pouch-Akkus. Diese sind kompakter als die Akkus der NQiX 150 und NQiX 300 und wiegen mit jeweils rund 12,4 Kilogramm etwa drei Kilogramm weniger. Gerade für zierlichere Personen erleichtert das den Umgang mit den herausnehmbaren Akkus. Ein dritter Akku kann optional ergänzt werden, der Anschluss ist bereits vorhanden.
Unsere bisherigen Praxiserfahrungen lagen mit zwei Akkus bei etwa 85 bis 95 Kilometern Reichweite. Ob sich die neue Abstimmung auf den tatsächlichen Verbrauch auswirkt, werden wir testen. Mit drei Akkus gibt NIU weiterhin 120–130 Kilometer an.
Technisch erhält die NQiX 500 einen verstärkten Rahmen aus hochfestem Stahl, zusätzliche Temperatursensoren für Motor und Controller sowie ein kompakteres Ladegerät. Die Farbauswahl entspricht der NQiX 150: Legend Black, Matt Blue, Jungle Green und Nardo Grey. Matt Grey und Glossy White entfallen. Der Preis für die NQiX 500 MY27 liegt bei 4.699 Euro.
NQiX 1000: Das endgültige Aus!
Auf der EICMA 2025 hatte NIU mit der NQiX 1000 noch ein neues Spitzenmodell angekündigt. Mit 15,5 kW Spitzenleistung, 125 km/h Höchstgeschwindigkeit und drei serienmäßigen, herausnehmbaren Akkus sollte sie die Baureihe nach oben abrunden. Der Marktstart war ursprünglich für das dritte Quartal 2026 zum Preis von 6.499 Euro vorgesehen.
Daraus wird nun endgültig nichts. Wie NIU Deutschland nach einer aktuellen Rückmeldung aus China bestätigt, wird die NQiX 1000 nicht mehr auf den Markt kommen. Ein kleiner Trost: Einige der ursprünglich für das Spitzenmodell vorgesehenen Eigenschaften, darunter die Möglichkeit, drei Akkus zu nutzen, finden sich inzwischen auch bei der NQiX 500 wieder. Damit bleibt sie vorerst das leistungsstärkste Modell der Baureihe.
Neue Akkus bleiben mit älteren Modellen kompatibel
Die neuen 72V-30Ah-Akkus kommen auch bei der FQiX 150 und 300 sowie der NQi Sport und GTS zum Einsatz. Grundsätzlich sind die Akkus der Modelljahre 2025, 2026 und 2027 untereinander kompatibel, allerdings mit einer wichtigen Einschränkung:
Akkus unterschiedlicher Modelljahre dürfen nicht gleichzeitig in einem Fahrzeug betrieben werden. Bei zwei oder drei Akkus müssen sämtliche eingesetzten Akkus aus demselben Modelljahr stammen.
Einzeln können die Akkus der Modelljahre 2025, 2026 und 2027 dagegen unabhängig vom Modelljahr des Fahrzeugs verwendet werden. Ein MY27-Akku funktioniert somit auch allein in einem kompatiblen älteren Fahrzeug. Die gemeinsame Verwendung beispielsweise eines MY25- und eines MY27-Akkus ist dagegen nicht zulässig.
Die Wasserschutzklasse IPX7 bleibt erhalten.
Die #SteckerBiker meinen
Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Hersteller seinen Kunden zuhört und deren Kritik tatsächlich in die Weiterentwicklung seiner Fahrzeuge einfließen lässt. Besonders bemerkenswert finden wir die Bereitschaft, dabei selbst jahrelang bewährte Lösungen zu hinterfragen. Der E-Save-Modus ist dafür ein gutes Beispiel: technisch durchaus sinnvoll, bei vielen Fahrern aber unbeliebt.
Natürlich führt nicht jeder Kundenwunsch automatisch zu einer besseren Lösung. Entscheidend ist, dass neben dem Fahrkomfort auch die technischen Auswirkungen und die langfristige Zuverlässigkeit berücksichtigt werden. Ob das bei allen Änderungen gelungen ist, wird sich erst im Alltag zeigen.
Die umfangreiche Modellpflege zeigt jedenfalls, dass Kundenkritik ernst genommen wird und man bereit ist, daraus Konsequenzen zu ziehen. Das verdient unseren Respekt und schafft gute Voraussetzungen, die Marktführerschaft bei den Elektrorollern in Deutschland auch künftig zu behaupten.