EICMA 2026: Zero LS3 – (k)eine Frage des Preises?

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Categories Fahrzeuge
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Author Remo Klawitter

Der Trend ist unverkennbar: Immer mehr Hersteller setzen auf größere, leistungsstärkere Elektroroller in der 125er-Klasse. Auch Zero Motorcycles legt auf der EICMA 2026 mit der neuen LS3 nach. Mehr Reichweite, höhere Ladeleistung, größere Akkukapazität und deutlich mehr Komfort sollen sie auch für längere Strecken und den ganzjährigen Einsatz interessant machen. Doch ist die LS3 tatsächlich ein neues Modell oder steckt dahinter lediglich eine umfangreich aufgewertete LS1?

Zero LS3

Mehr Leistung und Reichweite

Mit der LS3 erweitert Zero Motorcycles seine noch junge Elektroroller-Familie. Das Grundkonzept der bekannten LS1 bleibt erhalten, allerdings legt Zero bei Leistung, Geschwindigkeit und Komfort deutlich nach.

Während die LS1 mit ihren 99 km/h Höchstgeschwindigkeit vor allem für den Stadtverkehr und kürzere Pendelstrecken gedacht ist, soll die LS3 auch außerhalb der Stadt überzeugen. Dafür steigt die Spitzenleistung auf 12,7 kW (17 PS) und die Höchstgeschwindigkeit auf 120 km/h. Die Dauergeschwindigkeit gibt Zero mit rund 100 km/h an.

Die Energie liefern drei herausnehmbare Akkus mit jeweils 1,86 kWh, zusammen also 5,58 kWh. Damit verspricht Zero eine Reichweite von bis zu 150 Kilometern. Dieser Wert bezieht sich allerdings auf den Stadtverkehr. Bei höheren Geschwindigkeiten dürfte die tatsächliche Reichweite deutlich geringer ausfallen. Wir rechnen im gemischten Fahrbetrieb mit etwa 100 Kilometern Reichweite.

Zero LS3

Laden zu Hause und unterwegs

Geladen wird über einen Typ-2-Anschluss seitlich hinten links und ein integriertes 1,8-kW-Ladegerät. Für den Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent gibt Zero rund 2 Stunden und 47 Minuten an.

Alternativ lassen sich alle drei Akkus herausnehmen und an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose laden. Das dafür benötigte externe Ladegerät leistet 1.500 Watt und muss separat erworben werden.

Gerade für Fahrer ohne eigene Lademöglichkeit am Stellplatz ist diese Flexibilität interessant. Sie können entweder den gesamten Roller an einer öffentlichen Ladestation anschließen oder die Akkus zum Laden mit in die Wohnung nehmen.

Zero LS3

Mehr Komfort für den Alltag

Roller sind praktisch, wendig und bieten Stauraum. Für viele Fahrer sind sie deshalb keine reinen Schönwetterfahrzeuge, sondern ganzjährige Begleiter auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder durch die Stadt.

Genau hier setzt Zero mit der LS3 an. Beheizte Griffe und eine beheizbare Sitzbank machen Fahrten bei niedrigen Temperaturen deutlich angenehmer. Dazu kommen eine serienmäßige mittelhohe Windschutzscheibe und ein Topcase samt Gepäckträger.

Zur weiteren Ausstattung gehören ABS, Traktionskontrolle, Berganfahrhilfe, zwei USB-C-Anschlüsse sowie eine Front- und Rückkamera, mit denen sich Fahrten aufzeichnen lassen.

Über eine Mobilfunkverbindung soll die LS3 außerdem mit der neuen Zero-App kommunizieren. Die entsprechenden Funktionen sind künftig auch für die LS1 vorgesehen.

Mit einem angegebenen Leergewicht von 145 Kilogramm und einer zulässigen Zuladung von 150 Kilogramm bietet die LS3 zudem Reserven für Fahrer, Beifahrer und Gepäck.

Zero LS3

Bekannte Schwächen bleiben

Nicht alles an der LS3 ist so durchdacht, wie wir es uns wünschen würden. Auf der EICMA fiel uns beispielsweise auf, dass die Kabel der Griffheizung außen an den Griffen verlaufen. Das wirkt nicht nur etwas nachgerüstet, sondern wirft auch Fragen zur Haltbarkeit auf. Insbesondere am ständig bewegten Gasgriff müssen die Kabel einiges aushalten. Eine innenliegende Kabelführung wäre hier die elegantere und vermutlich langlebigere Lösung.

Auch einige Schwachstellen der LS1 hat Zero unverändert übernommen. So ist das Handyfach weiterhin viel zu flach. Patrick ist bei der LS1 während der Testfahrt bereits das Smartphone herausgesprungen. Mit etwas Glück landet es auf dem Fußbrett, mit etwas Pech im Straßengraben.

Mal sehen, ob sich dafür nicht eine praktische Lösung für den #SteckerBiker-Webshop entwickeln lässt. 😉

Verbesserungspotenzial sehen wir auch beim Akkuwechsel. Das Abziehen der Stecker ist ziemlich fummelig. Zudem fehlt eine einfache Zuglasche, mit der sich insbesondere der hintere Akku nach vorne ziehen ließe. Gerade bei einem Roller, dessen drei herausnehmbare Akkus zu den wichtigsten Verkaufsargumenten gehören, hätten wir uns eine alltagstauglichere Lösung gewünscht.

Zero LS3

795 Euro, die den Unterschied machen

In Deutschland kostet die LS3 6.810 Euro, während die kleinere LS1 bereits für 4.830 Euro erhältlich ist. Auf den ersten Blick beträgt der Preisunterschied damit fast 2.000 Euro.

Allerdings besitzt die LS1 serienmäßig nur zwei Akkus mit zusammen 3,72 kWh. Ein dritter Akku ist für 1.185 Euro erhältlich und erhöht die Gesamtkapazität ebenfalls auf 5,58 kWh.

Damit kostet eine LS1 mit vergleichbarer Akkukapazität 6.015 Euro. Der tatsächliche Aufpreis zur LS3 schrumpft also auf gerade einmal 795 Euro.

Dafür gibt es nicht nur mehr Motorleistung und 21 km/h zusätzliche Höchstgeschwindigkeit, sondern auch Sitz- und Griffheizung, integrierte Kameras sowie die serienmäßige Tourenausstattung mit Windschutzscheibe und Topcase.

Bei gleicher Akkukapazität spricht damit erstaunlich viel für die LS3. Wer die LS1 mit einer vergleichbaren Komfortausstattung nachrüsten möchte, muss zusätzlich investieren – und der Preisvorteil schmilzt weiter.

Die LS3 soll ab Frühjahr 2027 erhältlich sein und darf mit dem Führerschein A1 oder der Erweiterung B196 gefahren werden. Angeboten wird sie in den Farben Sterling Silver und Midnight Blue.

Zero LS3

Die #SteckerBiker meinen

Wer eine höhere Endgeschwindigkeit, mehr Reichweite und zusätzlichen Komfort benötigt, ist mit der LS3 deutlich besser beraten. Gerade bei gleicher Akkukapazität sind die zusätzlichen 795 Euro gut investiert.

Wer dagegen einen zuverlässigen Elektroroller für den täglichen Arbeitsweg und mittlere Strecken sucht, ist mit der LS1 weiterhin bestens bedient. Hier reichen die serienmäßigen zwei Akkus und 99 km/h Höchstgeschwindigkeit für viele Fahrer vollkommen aus. Und ganz nebenbei bleiben fast 2.000 Euro mehr im Portemonnaie.

Wie andere Hersteller auch benötigt ZERO entsprechende Verkaufszahlen, um langfristig wirtschaftlich arbeiten und neue Fahrzeuge entwickeln zu können. So gern wir große Elektromotorräder fahren, so klar ist uns auch, dass sich damit derzeit noch keine großen Stückzahlen erzielen lassen.

Wenn Zero mit den LS-Modellen neue Käufer erreicht und damit Geld für die Entwicklung größerer Elektromotorräder verdient, soll uns das nur recht sein. 

Die LS3 ist vielleicht nicht das Elektromotorrad, auf das wir warten. Aber möglicherweise eines der Fahrzeuge, die dafür sorgen, dass es eines Tages gebaut wird.

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