Wie Harley-Oldtimer und E-Antrieb zusammenpassen
Hollywood-Star und Motorrad-Enthusiast Jason Momoa hat gemeinsam mit dem britischen Elektrifizierungsspezialisten Electrogenic mehrere fast 100 Jahre alte Harley-Davidsons zu Hybrid-Motorrädern umgebaut. Für Momoa steht dabei nicht die Elektrifizierung um jeden Preis im Vordergrund, sondern die Idee, historische Motorräder auch in Zukunft regelmäßig bewegen zu können, statt sie zu reinen Sammlerstücken werden zu lassen.
Historische Harleys mit Hybridantrieb
Im Mittelpunkt stehen zwei Harley-Davidson JD Modelle aus den Jahren 1924 und 1927. Ihre originalen V-Twin-Motoren bleiben vollständig erhalten, werden jedoch durch einen elektrischen Radnabenmotor im Hinterrad ergänzt. Dadurch können die Maschinen wahlweise mit dem Verbrennungsmotor, rein elektrisch oder mit beiden Antrieben unterwegs sein.
Für viele Oldtimer-Fans dürfte genau dieser Ansatz interessant sein: Die historische Technik bleibt erhalten, während gleichzeitig neue Möglichkeiten hinzukommen.
Während komplette Elektro-Umbauten klassischer Fahrzeuge inzwischen keine Seltenheit mehr sind, dürfte ein Hybridantrieb in Motorrädern aus den 1920er-Jahren zu den außergewöhnlichsten Projekten seiner Art gehören. Genau diese Kombination aus historischer Technik und modernem Elektroantrieb macht die Umbauten so spannend.
Die Spezialisten hinter dem Umbau
Verantwortlich für die Umsetzung ist das britische Unternehmen Electrogenic. Die Firma aus der Nähe von Oxford hat sich auf die Elektrifizierung klassischer Fahrzeuge spezialisiert und wurde durch Umbauten von Jaguar E-Type, Land Rover Defender oder klassischen Minis bekannt.
Für Momoas Harleys entwickelte Electrogenic jedoch keine reine Elektro-Konvertierung, sondern ein völlig neues Hybridkonzept. Die Motorräder können je nach Wunsch mit dem historischen V-Twin, rein elektrisch oder mit beiden Antrieben bewegt werden.
Besonders interessant: Electrogenic denkt bereits über ein Nachrüstkit nach. Damit könnte die Technik künftig auch anderen Besitzern historischer Harley-Davidsons zur Verfügung stehen und den Hybridansatz über das Momoa-Projekt hinaus bekannt machen.
Doch erst die Wahl des Antriebssystems machte diesen ungewöhnlichen Ansatz überhaupt möglich.
Maeving liefert die Elektrotechnik
Die elektrische Technik basiert offenbar auf Komponenten der britischen Maeving RM1S. Deren im Hinterrad sitzender Direktantrieb leistet bis zu 11,1 kW Spitzenleistung und liefert 261 Nm Drehmoment. Gespeist wird er von zwei herausnehmbaren Akkus mit jeweils 2,73 kWh Kapazität, sodass insgesamt 5,46 kWh zur Verfügung stehen.
Besonders clever gelöst: Die Batterien verschwinden in den historischen Packtaschen der Harleys und lassen sich zum Laden einfach entnehmen. Dadurch bleibt die klassische Optik der Motorräder nahezu unangetastet. Auf den ersten Blick wirken die Maschinen fast vollständig original. Weder moderne Displays noch auffällige Kabel oder futuristische Anbauteile stören den historischen Eindruck.
Technisch besonders interessant: Der Motor rekuperiert kaum. Wird das Motorrad vom Verbrennungsmotor angetrieben, entsteht dadurch praktisch kein zusätzlicher Widerstand. Genau diese Eigenschaft macht das System für Hybrid-Umbauten historischer Motorräder so attraktiv, weil der originale Antriebsstrang nahezu unverändert bleiben kann.
Mehr Komfort für 100 Jahre alte Motorräder
Der Elektromotor übernimmt noch eine weitere Aufgabe: Er dient gleichzeitig als Starter für die historischen V-Twins. Das oft mühsame Ankicken der fast 100 Jahre alten Maschinen gehört damit der Vergangenheit an.
Zusätzlich wurde die Hinterradbremse modernisiert, um die Fahrsicherheit zu erhöhen, ohne den Charakter der Motorräder zu verändern.
Eine Harley fährt jetzt komplett elektrisch
Noch einen Schritt weiter geht eine Harley-Davidson FD von 1921. Da ihr ursprünglicher Motor nicht mehr restaurierbar war, erhielt sie einen vollständigen Elektroantrieb.
So kann auch dieses Motorrad weiterhin auf der Straße bewegt werden, statt als unbewegliches Ausstellungsstück zu enden.
Die #SteckerBiker meinen
Die Umbauten zeigen, dass Elektrifizierung nicht zwangsläufig den Verlust von Tradition bedeutet. Im Gegenteil: Moderne Antriebstechnik kann dazu beitragen, historische Motorräder langfristig fahrbar zu halten.
Besonders beeindruckend ist dabei, wie respektvoll die Umbauten umgesetzt wurden. Die Motorräder sehen noch immer aus wie Maschinen aus den 1920er-Jahren, können aber dank moderner Technik auf eine Weise genutzt werden, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.
Statt wertvolle Klassiker nur noch im Museum zu bewundern, könnten sie dank solcher Lösungen auch in Zukunft auf der Straße unterwegs sein – mal mit sattem V-Twin-Sound, mal nahezu lautlos und emissionsfrei. Genau solche Projekte zeigen, dass die Zukunft der Mobilität nicht immer im Entweder-oder liegt, sondern manchmal in einer cleveren Kombination aus alter und neuer Technik.