Über 80 statt 45 km/h? Polini entfesselt die Zero XB!
Der italienische Tuning-Spezialist Polini wagt sich auf neues Terrain: Erstmals haben die Italiener ein Tuningprodukt für ein Elektromotorrad entwickelt. Damit soll die Zero XB deutlich schneller werden – und das für vergleichsweise wenig Geld. Doch wie funktioniert das Ganze und was macht die kleine Box so besonders?
Polini kann jetzt auch elektrisch
Wer sich schon länger mit Rollern und Mopeds beschäftigt, dürfte den Namen Polini kennen. Das italienische Unternehmen ist seit Jahrzehnten eine feste Größe in der Tuning-Szene. Ob Variomatik, Zylinder oder Auspuffanlage – bislang drehte sich bei Polini vor allem alles um klassische Verbrennungsmotoren.
Die Geschichte des Unternehmens beginnt bereits 1945, als Battista Polini im norditalienischen Alzano Lombardo bei Bergamo eine Fahrradwerkstatt eröffnete. Seine drei Söhne machten daraus später einen international bekannten Spezialisten für leistungssteigernde Zweiradtechnik. Heute beschäftigt der Familienbetrieb nach eigenen Angaben rund 100 Mitarbeiter, vertreibt über 5.000 Produkte in mehr als 60 Ländern und hat seinen Firmensitz noch immer in Alzano Lombardo.
Ganz neu ist die Elektromobilität für Polini allerdings nicht. Bereits 2016 präsentierten die Italiener mit dem E-P3 einen eigenen E-Bike-Motor. Am 4. Mai 2026 folgte mit dem HI-Speed für die Zero XB erstmals ein eigenes Tuningprodukt speziell für ein Elektromotorrad.
Die europäische Zero XB wird als Kleinkraftrad mit 45 km/h Höchstgeschwindigkeit angeboten. Dabei steckt deutlich mehr Potenzial in dem kompakten Elektromotorrad.
Genau hier setzt Polini an.
So funktioniert’s!
Das neue HI-Speed-Modul mit der Artikelnummer 400.0010 hebt die werkseitige Geschwindigkeitsbegrenzung auf. Laut Hersteller erfolgt die Installation unkompliziert per Plug & Play.
Besonders interessant: Das Modul muss nicht dauerhaft am Motorrad verbleiben! Zur Freischaltung wird es lediglich vorübergehend mit einem weißen Kommunikationsstecker unter der Serviceabdeckung der Zero XB verbunden. Nach dem Einschalten signalisiert eine LED-Blinksequenz die Programmierung. Anschließend kann das Modul wieder entfernt werden – die Geschwindigkeitsbegrenzung bleibt aufgehoben.
Das deutet darauf hin, dass Polini direkt eine Einstellung der Fahrzeugelektronik verändert, statt während der Fahrt Sensorsignale zu manipulieren. Wie genau das funktioniert, verrät der Hersteller allerdings nicht.
Die ursprüngliche 45-km/h-Begrenzung lässt sich mit demselben Modul wiederherstellen. Laut Montageanleitung kann ein bereits an einer anderen Zero XB verwendetes Modul nicht einfach erneut eingesetzt werden. Ob diese Fahrzeugbindung auch nach dem Zurücksetzen auf 45 km/h bestehen bleibt, ist allerdings nicht eindeutig geklärt.
Falls ja, wäre das ein ziemlich cleverer Schachzug von Polini. Schließlich könnte ein Händler dann nicht mit einem einzigen Gerät beliebig viele Zero XB freischalten. Jeder Besitzer bräuchte sein eigenes Modul. Wirtschaftlich durchaus ein interessantes Geschäftsmodell.
Polini warnt außerdem ausdrücklich davor, dass zukünftige Softwareupdates die Funktion des Moduls beeinträchtigen und möglicherweise sogar Schäden verursachen können.
Über 80 km/h – aber auf der Straße nicht legal
Mit aufgehobener Geschwindigkeitsbegrenzung soll die Zero XB über 80 km/h erreichen. Ein auf einer deutschen Händlerseite veröffentlichter Erfahrungsbericht bestätigt diese Größenordnung, auch wenn bislang kein unabhängiger Test vorliegt. Polini selbst verspricht eine gleichmäßige Leistungsentfaltung, nennt jedoch keine konkrete Höchstgeschwindigkeit.
Das vollständig in Italien gefertigte HI-Speed-Modul ist im deutschen Polini-Shop für 139 Euro inklusive Mehrwertsteuer erhältlich.
So verlockend die zusätzliche Geschwindigkeit auch sein mag: Durch die Entdrosselung erlischt in Deutschland die bisherige Betriebserlaubnis der als Kleinkraftrad zugelassenen Zero XB. Auf öffentlichen Straßen darf sie in diesem Zustand ohne entsprechende Genehmigung nicht gefahren werden. Das Tuningmodul ist daher ausschließlich für den Einsatz auf geschlossenem oder privatem Gelände vorgesehen.
Wichtig zu wissen: Selbst wenn die ursprüngliche 45-km/h-Begrenzung anschließend wiederhergestellt wird, lebt eine einmal erloschene Betriebserlaubnis rechtlich nicht automatisch wieder auf.
Inwieweit das nach einer vollständigen Rückprogrammierung in der Praxis noch eine Rolle spielt, ist allerdings eine interessante Frage. Schließlich bleibt das Polini-Modul nicht dauerhaft am Fahrzeug. Ob die zwischenzeitliche Entdrosselung elektronisch nachvollziehbar ist, wissen wir nicht. Rechtlich kann sie jedenfalls weiterhin relevant sein, insbesondere bei einer genaueren technischen Untersuchung oder im Versicherungsfall.
Polini selbst weist ausdrücklich darauf hin, dass die geltenden Zulassungsvorschriften einzuhalten sind.