Black Tea Motorbikes vorläufig unter Insolvenzverwaltung
Der deutsche Elektromotorradhersteller Black Tea Motorbikes befindet sich in einem vorläufigen Insolvenzeröffnungsverfahren. Das Amtsgericht München ordnete am 14. Juli 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung über die Black Tea Motorbikes GmbH an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Münchner Rechtsanwalt Florian Loserth bestellt. Er soll nun die wirtschaftliche Situation des Unternehmens prüfen, das vorhandene Vermögen sichern und klären, ob eine Fortführung oder Sanierung möglich ist. Das eigentliche Insolvenzverfahren ist damit noch nicht eröffnet. (Das Verbraucherschutzforum)
Was die Anordnung konkret für den Geschäftsbetrieb, bereits bestellte Motorräder, offene Reparaturen und die Ersatzteilversorgung bedeutet, ist derzeit nicht bekannt. Eine Anfrage von SteckerBiker an Black Tea Motorbikes blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
Das letzte Produktionsupdate von Black Tea Motorbikes
Die letzte ausführliche Information zur Situation bei Black Tea Motorbikes veröffentlichte Gründer und Geschäftsführer Viktor Sommer am 21. März 2026. In dem Video sprach er über Verzögerungen bei Storage- und Charge-Tanks, fehlende Ladegeräte, verspätete Kabelbäume und vor allem über Probleme bei der Beschaffung der neuen Akkus für die Bonfire und Wildfire des Modelljahres 2026. (YouTube)
Damit die Kunden trotzdem möglichst früh in die Saison starten konnten, wollte BTM zunächst Motorräder mit älteren oder gebrauchten Akkus ausliefern. Diese sollten später bei den Kunden gegen die eigentlich bestellten Akkus ausgetauscht werden. Die CBS-Versionen sollten nach Möglichkeit ab April ausgeliefert werden, während bei den geplanten ABS-Modellen sowohl die Homologation als auch die Versorgung mit Akkus noch als mögliche Engpässe genannt wurden.
Besonders aufmerksam macht rückblickend eine Passage zur Finanzierung der Akkubestellungen. Kunden, die ihre Motorräder zunächst nur angezahlt hatten, sollten nach Möglichkeit schon vor der Auslieferung den restlichen Kaufpreis überweisen. Mit diesem Geld wollte BTM die vorbestellten Batterien vollständig bezahlen und deren Lieferung beschleunigen. Das lässt aus heutiger Sicht eine bereits im März angespannte Liquidität vermuten, beweist sie für sich genommen jedoch nicht.
Die damals angekündigten monatlichen Produktionsupdates erschienen anschließend nicht mehr. Ob und wie viele der angekündigten Motorräder noch ausgeliefert wurden, lässt sich derzeit nicht zuverlässig nachvollziehen.
Vorbesteller und Fahrer sorgen sich um ihre Motorräder
In der Community hatte sich bereits unmittelbar vor Bekanntwerden des Insolvenzverfahrens Unruhe entwickelt. Mehrere Nutzer des Elektroroller-Forums berichteten, dass sie Black Tea Motorbikes telefonisch, per E-Mail oder über WhatsApp zeitweise nicht mehr erreichen konnten. Andere gaben an, noch Anfang Juli Kontakt zum Unternehmen gehabt zu haben. (Elektroroller-Forum.de)
Nach Veröffentlichung der Insolvenzanordnung meldeten sich auch Kunden, die nach eigenen Angaben eine Wildfire vollständig bezahlt, aber noch nicht erhalten haben. Weitere Fahrer warten auf Reparaturen, Nachrüstungen oder zurückgesandte Bauteile. Im Forum wird außerdem berichtet, dass Bestellungen für ABS-Nachrüstsätze storniert wurden. Diese Angaben stammen von einzelnen Betroffenen und konnten von SteckerBiker bisher nicht unabhängig überprüft werden.
Neben den finanziellen Sorgen geht es deshalb zunehmend um eine praktische Frage: Wie können die bereits ausgelieferten Motorräder langfristig gewartet und repariert werden? Erste Fahrer beginnen damit, Handbücher, Schaltpläne, Videos und Informationen über mögliche Zulieferer zu sichern. Andere bieten an, eigene Lösungen und Bezugsquellen innerhalb der Community zu teilen.
Vom Universitätsprojekt zum deutschen Hersteller
Die Geschichte von Black Tea Motorbikes begann 2019 als Universitätsprojekt. Viktor Sommer baute zunächst einen eigenen elektrischen Café Racer. Im Juni 2020 wurde die Black Tea Motorbikes GmbH gegründet. Eine anschließende Crowdfunding-Kampagne brachte mehr als 600.000 Euro für die Entwicklung und Homologation der Bonfire ein. Die Serienproduktion des ersten Modells begann 2021.
Die Bonfire beruhte noch stark auf Komponenten und Konstruktionsprinzipien klassischer Verbrennermotorräder. Gerade diese vergleichsweise einfache Bauweise, der Radnabenmotor, die herausnehmbaren Akkus und der große Anteil frei verfügbarer Bauteile machten sie jedoch leicht verständlich und vergleichsweise gut reparierbar. Black Tea Motorbikes selbst erklärte, dass bei ihrer Entwicklung zahlreiche Teile aus dem Verbrennermotorradbereich verwendet wurden.
Mit der Wildfire ging das kleine Münchner Unternehmen einen erheblich größeren Schritt. Das Motorrad erhielt eine eigenständig entwickelte Plattform und einen ungewöhnlichen, aus komplex gebogenen, genieteten Edelstahlblechen bestehenden Rahmen ohne klassische Schweißpunkte. Die Wildfire wurde 2024 fertig entwickelt und kam 2025 auf den Markt. Damit hatte BTM etwas erreicht, an dem zahlreiche andere Start-ups scheiterten: Ein vollständig neues Elektromotorrad wurde entwickelt, homologiert, produziert und an erste Kunden ausgeliefert.
Die SteckerBiker meinen:
Black Tea Motorbikes ist weit gekommen. Aus einem Universitätsprojekt und einem einzelnen Prototypen entstand ein deutscher Elektromotorradhersteller. Nach der Bonfire, die technisch noch stark auf einer für Verbrennermotorräder gedachten Konstruktion beruhte, gelang es dem kleinen Team aus München, mit der Wildfire eine vollständig neue Fahrzeugplattform zu entwickeln, zu homologieren und tatsächlich auf die Straße zu bringen.
Doch das wirtschaftliche Umfeld ist schwieriger geworden. Mit der Honda WN7 steht inzwischen ein Konkurrenzprodukt bereit, dessen Preis nicht mehr sehr weit von einer gut ausgestatteten Wildfire entfernt ist. Die Honda besitzt zwar einen etwas kleineren Akku, wirkt mit CCS-Schnellladung, Kurven-ABS, Traktionskontrolle, wassergekühltem Antrieb und dem etablierten Händler- und Servicenetz eines Großserienherstellers technisch und qualitativ jedoch deutlich ausgereifter. Außerdem wird sie auch in einer 11-kW-Version für die A1-Klasse angeboten.
Überhaupt ist der Markt für elektrische Motorräder der A1- und 11-kW-Klasse heute wesentlich stärker umkämpft als zu Beginn der BTM-Geschichte. Gleichzeitig sind Entwicklung, Einkauf, Homologation und Produktion teurer geworden. Für ein kleines Unternehmen bleibt damit nur wenig Spielraum, gestiegene Kosten durch höhere Verkaufspreise auszugleichen.
Wie es mit Black Tea Motorbikes weitergeht, wissen wir derzeit nicht. Eine vorläufige Insolvenzverwaltung muss nicht zwangsläufig das Ende eines Unternehmens bedeuten. Auch andere Hersteller der Elektromotorradbranche haben Insolvenzverfahren, Eigentümerwechsel oder umfassende Sanierungen durchlaufen.
Zumindest für die bestehenden Fahrer könnte sich die bisherige Philosophie von BTM jetzt auszahlen. Das Unternehmen ging vergleichsweise offen mit den verwendeten Komponenten um, setzte vielfach auf Standardteile und konstruierte seine Motorräder modular und zugänglich. Damit steigen die Chancen, dass die Community Reparaturen, Ersatzteilquellen und technische Lösungen künftig gemeinsam organisieren kann.
Wir wünschen den Ridern, den Vorbestellern, Viktor Sommer und dem gesamten Team von Black Tea Motorbikes alles Gute. Wir hoffen, dass das Insolvenzverfahren lediglich eine schwierige Phase bleibt, die überwunden werden kann. Black Tea Motorbikes hat Farbe, Eigenständigkeit und persönlichen Kontakt in den Elektromotorradmarkt gebracht. Wir würden BTM sehr vermissen.