Magron Novus – Kommt das kabellose Laden für Elektromotorräder?
Vom Schuko-Stecker über Typ 2 bis hin zu CCS-Schnellladung – die Lademöglichkeiten für Elektromotorräder haben sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Doch was, wenn der nächste Entwicklungsschritt ganz ohne Ladekabel auskommt? Genau diese Frage wirft das junge indische Start-up Magron Novus auf. Mit einer induktiven Ladetechnologie will das Unternehmen neue Wege gehen. Ob das tatsächlich die Zukunft des Ladens ist oder eher ein spannendes neues Ladekonzept, haben wir uns einmal genauer angesehen.
Wer steckt hinter Magron Novus?
Magron Novus ist ein junges Technologieunternehmen aus Bengaluru (Indien), das 2022 gegründet wurde. Hinter dem Namen verbirgt sich die Abkürzung Mobility Architecture Global Research Organisation (MAGRON). Das Unternehmen versteht sich nicht nur als Motorradhersteller, sondern als Entwickler intelligenter Mobilitätslösungen.
Im Mittelpunkt stehen leistungsstarke Elektromotorräder, moderne Fahrzeugsoftware und innovative Ladetechnologien. Während viele indische Hersteller vor allem den heimischen Markt für Pendlerfahrzeuge bedienen, verfolgt Magron einen deutlich ambitionierteren Ansatz und möchte sich langfristig auch international etablieren.
Zwei Modelle zum Marktstart
Zum Marktstart setzt Magron Novus konsequent auf Elektromobilität. Das Portfolio umfasst derzeit die beiden Modelle H-35 und C-20 Talon, die sich neben ihren Leistungsdaten insbesondere durch die Möglichkeit zum induktiven Laden von der Konkurrenz abheben.
Das sportliche Flaggschiff H-35 leistet 35 kW (48 PS) und entwickelt 90 Nm Drehmoment. Der 12,2-kWh-Akku soll je nach Einsatzgebiet Reichweiten von 175 bis 225 Kilometern ermöglichen. Laut Hersteller erreicht die H-35 eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h und beschleunigt in 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Geladen wird wahlweise über einen 6,6-kW-AC-Anschluss oder kontaktlos mit 3,3 kW über eine induktive Ladeplatte.
Etwas alltagstauglicher präsentiert sich die C-20 Talon. Sie leistet 22,5 kW (31 PS), bietet 60 Nm Drehmoment und wird mit einem 8- oder 10-kWh-Akku angeboten. Je nach Akkugröße gibt Magron eine Reichweite von 200 bis 250 Kilometern an. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 125 km/h, den Sprint auf 100 km/h absolviert sie laut Hersteller in 6,5 Sekunden. Auch hier stehen sowohl das kabelgebundene Laden mit 6,6 kW als auch das kontaktlose Laden mit 3,3 kW zur Verfügung.
Wie funktioniert induktives Laden?
Anders als beim klassischen Laden fließt der Strom nicht über ein Kabel ins Motorrad. Stattdessen erzeugt eine im Boden installierte Ladeplatte mit hochfrequentem Wechselstrom ein magnetisches Wechselfeld. Eine Empfangsspule im Unterboden des Motorrads nimmt diese Energie kontaktlos auf und wandelt sie über die Ladeelektronik in den für den Akku benötigten Gleichstrom um. Voraussetzung ist lediglich, dass das Motorrad möglichst mittig über der Ladeplatte steht. Anschließend startet der Ladevorgang automatisch – ganz ohne das Anschließen eines Ladekabels.
Mit einer induktiven Ladeleistung von 3,3 kW liegt Magron auf dem Niveau vieler heutiger Heimladelösungen für Elektromotorräder. Über den 6,6-kW-AC-Anschluss lässt sich der Akku deutlich schneller laden. Moderne induktive Ladesysteme erreichen bereits Wirkungsgrade von über 90 Prozent. Damit arbeiten sie zwar etwas weniger effizient als eine kabelgebundene Verbindung, die je nach System 97 bis 99 Prozent erreicht, der Unterschied fällt im Alltag jedoch vergleichsweise gering aus. Der eigentliche Vorteil liegt daher weniger in der Ladegeschwindigkeit als in der Alltagstauglichkeit und dem Komfort: Steht das Motorrad korrekt über der Ladeplatte, übernimmt den Rest die Elektronik.
Ob sich induktives Laden langfristig durchsetzt, wird letztlich weniger von der Technik als von der Verfügbarkeit entsprechender Ladeplatten abhängen.
Die #SteckerBiker meinen
Die Idee des kabellosen Ladens ist spannend. Zumindest heute dürfte der größte Vorteil allerdings weniger in der Ladeleistung als vielmehr im Komfort liegen. Das Motorrad einfach abstellen und automatisch laden, ohne Ladebuchse öffnen oder ein Kabel mitführen und anschließen zu müssen, macht den Ladevorgang im Alltag deutlich komfortabler.
Ob sich die dafür notwendige Infrastruktur wirtschaftlich durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Eine Ladeplatte in der heimischen Garage ist das eine – ein flächendeckender Ausbau im öffentlichen Raum etwas ganz anderes.
Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt: Wo kein Ladekabel vorhanden ist, kann auch keines mutwillig abgetrennt oder gestohlen werden. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Fälle von Kabeldiebstahl an öffentlichen Ladesäulen ist das ein interessanter Ansatz.
Zum jetzigen Zeitpunkt sollte man allerdings berücksichtigen, dass es weder unabhängige Fahrtests noch belastbare Erfahrungsberichte aus dem Alltag gibt. Auch das bisher veröffentlichte Bildmaterial besteht überwiegend aus Renderings und Herstellergrafiken. Wie seriennah die vorgestellten Modelle tatsächlich sind, wird sich daher erst zeigen, wenn die ersten Motorräder im Kundenalltag unterwegs sind.
Vielleicht geht es beim Laden der Zukunft gar nicht darum, immer schneller zu laden – sondern das Laden einfach und komfortabel zu machen.