Benda P51: Ein bisschen elektrisch
Die Elektromobilität wird auf der EICMA immer sichtbarer. Besonders bei Elektrorollern und Elektromotorrädern der 125er-Klasse (A1) wächst die Auswahl. Doch während immer mehr Hersteller auf rein elektrische Antriebe setzen, verfolgt die chinesische Motorradmarke Benda einen anderen Ansatz. Mit der P51 Hybrid zeigt sie bereits im zweiten Jahr, wie sich Verbrennungs- und Elektromotor miteinander verbinden lassen. Doch wie viel Elektro steckt tatsächlich in der ungewöhnlichen Maschine?
Benda – jung, eigenständig und experimentierfreudig
Benda wurde 2016 im chinesischen Hangzhou gegründet und hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem international aktiven Motorradhersteller entwickelt. Hinter der Marke steht die Hangzhou Saturn Power Technology Co., Ltd. Das Unternehmen betreibt Produktionsstätten in China und unterhält Entwicklungs- und Designkapazitäten in China und Österreich. Seit Oktober 2024 ist Benda zudem mit einer europäischen Niederlassung in Salzburg vertreten.
Bekannt wurde die Marke vor allem durch ihre ungewöhnlich gestalteten Cruiser und Bobber. Die Motorräder wirken modern, eigenständig und manchmal auch ein wenig extravagant. Benda traut sich gestalterisch einiges und hebt sich damit von vielen anderen Herstellern ab.
Was uns dabei besonders auffällt: Ein elektrischer Antrieb würde diesen Motorrädern ausgesprochen gut stehen. Gerade die lang gestreckte Bauweise vieler Cruiser bietet interessante Möglichkeiten, größere Batterien unterzubringen und harmonisch in das Fahrzeugdesign zu integrieren. Natürlich müssen dabei Gewichtsverteilung und Schwerpunkt stimmen.
Bislang setzt Benda bei seinen Serienmotorrädern allerdings auf klassische Verbrennungsmotoren. Dass sich der Hersteller auch mit elektrischen Antrieben beschäftigt, zeigt die P51 Hybrid.
250 Kubikzentimeter treffen auf Elektropower
Bereits auf der EICMA 2025 präsentierte Benda mit der P51 Hybrid ein ungewöhnliches Motorradkonzept. Ein Jahr später steht die Maschine erneut in Mailand.
Herzstück ist ein flüssigkeitsgekühlter 250-cm³-Zweizylinder, dessen Zylinder sich nahezu waagerecht gegenüberliegen. Optisch erinnert die Konstruktion an einen klassischen Boxermotor, wie man ihn von BMW kennt. Allerdings beträgt der Winkel zwischen den Zylindern lediglich 170 statt 180 Grad. Die Bezeichnung Boxer ist deshalb zumindest ungewöhnlich.
Unterhalb des Verbrennungsmotors sitzt ein zusätzlicher Elektromotor in Axialflussbauweise. Gemeinsam sollen beide Antriebe eine Systemleistung von rund 62 PS und ein Drehmoment von 100 Nm erreichen. Den Sprint von 0 auf 100 km/h gibt Benda mit gerade einmal 3,7 Sekunden an.
Auch das fahrfertige Gewicht von rund 175 Kilogramm klingt angesichts der beiden Antriebe interessant.
Eine technische Besonderheit ist das sogenannte Benda Direct Drive (BDD). Dabei soll der Antrieb ohne ein herkömmliches mehrstufiges Schaltgetriebe auskommen. Der Elektromotor kann bereits aus dem Stand für kräftigen Vortrieb sorgen, während der Verbrennungsmotor bei höheren Geschwindigkeiten unterstützt. Beide Antriebe lassen sich auch gemeinsam nutzen.
Wie Benda die unterschiedlichen Drehzahlen und die Kraftübertragung im Detail aufeinander abstimmt, ist bislang nicht vollständig dokumentiert. Die Kraft gelangt schließlich über eine Kette zum Hinterrad.
Hybrid mit offenen Fragen
Die Idee hinter der P51 gefällt uns durchaus: Leise und rein elektrisch durch die Stadt fahren, während auf längeren Strecken der Verbrennungsmotor für zusätzliche Reichweite sorgt. Gerade für Motorradfahrer, die sich noch nicht vollständig auf einen Elektroantrieb festlegen möchten, könnte das eine interessante Übergangslösung sein. Gleichzeitig verspricht die Kombination beider Antriebe dank des kräftigen Elektromotors beeindruckende Fahrleistungen.
Allerdings fehlen dafür entscheidende Informationen. Wie groß ist die Batterie? Wie weit kommt die P51 rein elektrisch? Und wie wird der Akku geladen? Wir vermuten, dass Benda auf ein selbstladendes Hybridsystem ohne externe Lademöglichkeit setzt. Bestätigt ist das bislang allerdings nicht.
Natürlich wollten wir es genauer wissen und haben auf der EICMA 2026 direkt am Benda-Messestand nachgefragt. Doch keiner der Ansprechpartner vor Ort konnte uns etwas Konkretes über die Hybridmaschine erzählen. Schade, denn ohne diese Angaben lässt sich kaum beurteilen, wie alltagstauglich das Konzept tatsächlich ist. Auch ein Preis oder ein konkreter Termin für den Verkaufsstart fehlen weiterhin.
Die #SteckerBiker meinen
Benda gehört für uns zu den Motorradmarken, denen wir einen rein elektrischen Antrieb schon allein aufgrund ihrer Designsprache sofort zutrauen würden. Die eigenständige Optik, die ungewöhnlichen Details und der Mut zu neuen Formen würden hervorragend zu einem modernen Elektromotorrad passen. Gerade die lang gestreckte Cruiser-Bauweise bietet zudem interessante Möglichkeiten, größere Batterien harmonisch ins Fahrzeug zu integrieren.
Grundsätzlich schlägt unser Herz natürlich für vollelektrische Motorräder. Trotzdem könnten wir mit einem gut gemachten Hybrid als Übergangslösung durchaus leben. Die technischen Eckdaten der P51 klingen jedenfalls vielversprechend. Umso enttäuschender ist es, dass Benda auch ein Jahr nach der ersten Präsentation kaum weitere Informationen zum elektrischen Antrieb liefert.
Hat man die P51 nach der letzten EICMA vielleicht einfach am Messestand vergessen? Fast könnte man es meinen, denn anders können wir uns kaum erklären, warum uns vor Ort niemand etwas über das Motorrad erzählen konnte. Vielleicht schafft es die P51 ja 2027 endlich auf Europas Straßen. Bis dahin hätte Benda immerhin noch ein paar Monate Zeit, die offenen Fragen zu beantworten. Und sollte auf der nächsten EICMA stattdessen eine Benda ganz ohne Verbrennungsmotor stehen, hätten wir natürlich auch nichts dagegen. 😉