Ather Konarc: Irgendwie kommt uns der bekannt vor
Mit dem Konarc hat der indische Hersteller Ather Energy am 29. August 2026 in Bengaluru seinen neuesten Elektroroller vorgestellt. Die Bühne dafür war der mittlerweile vierte Ather Community Day – vor mehr als 4.600 Teilnehmern.
Bis zu 161 Kilometer Reichweite, maximal 70 km/h und ein Einstiegspreis von umgerechnet nicht einmal 1.000 Euro klingen zunächst einmal nach einem typischen Fahrzeug für den riesigen indischen Zweiradmarkt.
Doch hinter Ather steckt ein Name, den wir aus einer ganz anderen Ecke kennen: Hero MotoCorp.
Der indische Zweiradgigant arbeitet seit einigen Jahren mit Zero Motorcycles zusammen und war dort auch finanziell beteiligt. Zuletzt schrumpfte Heros Anteil allerdings von rund 6,9 auf nur noch 0,8 Prozent, der Wert der Beteiligung wurde um rund 92 Prozent abgeschrieben. Die Entwicklungskooperation besteht weiterhin.
Bei Ather geht Hero dagegen gerade in die andere Richtung: Erst wenige Tage vor der Vorstellung des Konarc kündigte der Konzern an, seinen Anteil von 29,88 auf 32,8 Prozent auszubauen und weitere rund 184 Millionen US-Dollar zu investieren.
Hero fährt elektrisch also mehrgleisig: mit VIDA, Ather und weiterhin gemeinsam mit Zero.
Und dann schauen wir uns den neuen Konarc an und denken: Moment mal – irgendwie kommt uns der bekannt vor.
Doppelt hält besser
Gerade in der Seitenansicht erinnert uns der Ather Konarc ziemlich deutlich an die Zero LS1. Der lange Sitz, das geschlossene Heck, der flache Durchstieg und die gesamte Grundsilhouette weisen einige Parallelen auf. Und auch von vorne setzt sich dieser Eindruck fort: Die schmale, horizontal verlaufende Lichtsignatur sieht der LS1 erstaunlich ähnlich.
Dass ausgerechnet Hero MotoCorp beide Hersteller miteinander verbindet, macht die Sache natürlich besonders interessant.
Hinweise auf eine gemeinsame technische Basis gibt es allerdings nicht. Technisch spielen beide ohnehin in unterschiedlichen Klassen: Während die Zero LS1 bis zu 99 km/h erreicht, bleibt der Konarc zunächst bei maximal 70 km/h.
Ather selbst ist längst kein kleiner Newcomer mehr. 2013 von Tarun Mehta und Swapnil Jain als reines Elektro-Unternehmen gegründet, brachte das Unternehmen 2018 seinen ersten Elektroroller auf die Straße. Eine Verbrenner-Vergangenheit gibt es nicht – inzwischen wurden mehr als 700.000 Ather-Roller verkauft. Und die waren allesamt elektrisch.
Das Wachstum nimmt gerade ordentlich Fahrt auf: Allein im Geschäftsjahr 2025/26 verkaufte Ather knapp 263.000 Elektroroller, 69 Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte aller bisher verkauften Ather-Fahrzeuge wurde innerhalb der vergangenen rund anderthalb Jahre ausgeliefert.
Heute entwickelt Ather neben den Fahrzeugen auch Batterietechnik und Software und betreibt mit dem Ather Grid eine eigene Ladeinfrastruktur.
Der Konarc ist nun das erste Serienmodell auf der neuen EL-Plattform. Dahinter steckt eine modular aufgebaute Fahrzeugarchitektur, auf deren Basis künftig unterschiedliche Elektroroller entstehen sollen – günstiger zu produzieren, einfacher zu warten und für größere Stückzahlen ausgelegt.
Und Ather denkt bereits eine Fahrzeugklasse weiter: Parallel entsteht mit Zenith eine eigene Plattform für Elektromotorräder, mit der das Unternehmen künftig in die Klasse vergleichbarer 125- bis 300-Kubik-Motorräder vorstoßen will.
Drei Varianten zum Kampfpreis
Mit dem Konarc zielt Ather klar auf den Massenmarkt. Zum Start stehen drei äußerlich weitgehend identische Varianten zur Wahl. Sie unterscheiden sich vor allem bei Akku, Leistung und Ausstattung; sichtbar werden die Unterschiede lediglich bei Details wie Farben oder der vorderen Bremse.
Nicht verwechseln sollte man das mit der neuen EL-Plattform. Die schreibt keineswegs vor, dass künftig alle darauf basierenden Ather-Roller wie der Konarc aussehen. Im Gegenteil: Die modulare Architektur wurde gerade dafür entwickelt, unterschiedliche Roller und Fahrzeugkonzepte auf einer gemeinsamen technischen Basis zu ermöglichen.
Konarc S 100 – 99.999 Rupien, rund 950 Euro:
2,1 kWh Akku, 4 kW Spitzenleistung und 100 Kilometer IDC-Reichweite. Als praxisnähere „TrueRange“ nennt Ather 80 Kilometer.
Konarc S 125 – 121.999 Rupien, rund 1.150 Euro:
2,7 kWh Akku, 4,7 kW Spitzenleistung, 125 Kilometer IDC und 100 Kilometer TrueRange.
Konarc S 161 – 144.999 Rupien, rund 1.370 Euro:
3,5 kWh Akku, ebenfalls 4,7 kW Spitzenleistung, 161 Kilometer IDC und 130 Kilometer TrueRange.
Alle drei erreichen maximal 70 km/h. Eine weitere Version mit bis zu 200 Kilometern IDC-Reichweite ist bereits angekündigt. Später soll außerdem der besser ausgestattete Konarc Z mit bis zu 80 km/h folgen.
Der Konarc ist dabei weniger Sportgerät als praktischer Alltagsroller. Unter der Sitzbank verschwinden immerhin 31 Liter Gepäck, vorne kommen weitere zwei Liter Stauraum hinzu. Je nach Variante gibt es ein 4,2- oder 7-Zoll-Display, Smartphone-Anbindung und OTA-Updates sowie praktische Helfer wie Rückfahrfunktion und AutoHold.
Auch technisch gibt es kleinere Unterschiede: Während der günstige S 100 vorne mit einer Trommelbremse auskommen muss, besitzen S 125 und S 161 eine 220-Millimeter-Scheibenbremse. Vorne steht der Konarc auf 14 Zoll, hinten auf 12 Zoll. Motor und Batterie sind nach IP67 geschützt.
Geladen wird serienmäßig über ein integriertes 450-Watt-Ladegerät. Mit einem zusätzlichen externen Lader dauert der Weg von 0 auf 80 Prozent je nach Akku etwa zwei bis gut drei Stunden.
Ungewöhnlich großzügig fällt die mögliche Absicherung des Akkus aus: Die serienmäßige Garantie von drei Jahren beziehungsweise 30.000 Kilometern lässt sich mit entsprechenden Paketen auf bis zu zehn Jahre oder 100.000 Kilometer erweitern.
Die Preise gelten natürlich für den indischen Markt und lassen sich nicht einfach auf Europa übertragen. Eine europäische Typgenehmigung gibt es bislang nicht – Transport, Steuern, Homologation und Vertrieb würden einen möglichen Preis hierzulande ohnehin deutlich verändern.
Die #SteckerBiker meinen
Auf Ather aufmerksam geworden sind wir eigentlich über einen alten Bekannten: Hero MotoCorp, Investor und Entwicklungspartner von Zero Motorcycles. Und wieder einmal stellen wir fest, wie verdammt groß die elektrische Zweiradwelt eigentlich ist.
Während wir hierzulande über Zulassungszahlen im drei- oder vierstelligen Bereich diskutieren, hat ein Hersteller am anderen Ende der Welt beinahe unbemerkt von uns mehr als 700.000 Elektroroller verkauft. Keine Verbrenner aus früheren Zeiten, sondern tatsächlich ausschließlich elektrische Fahrzeuge – und mehr als die Hälfte davon allein innerhalb der vergangenen rund 18 Monate.
Und dann dieser Community Day: Mehr als 4.600 Menschen feiern gemeinsam elektrische Zweiräder. Ganz ehrlich: Bei solchen Bildern werden wir ein bisschen neidisch – und freuen uns gleichzeitig riesig, dass E-Mobilität auf zwei Rädern anderswo solche Massen begeistert.
Mit Heros jetzt noch einmal deutlich erhöhtem Investment, der neuen EL-Plattform und der geplanten Zenith-Motorradplattform hat Ather offensichtlich noch Großes vor.
Ob dabei irgendwann auch Europa eine Rolle spielt, wissen wir nicht. Angesichts der aktuellen Entwicklung wollen wir es jedenfalls nicht ausschließen.
Vielleicht begegnet uns Ather irgendwann nicht mehr nur am anderen Ende der Welt – sondern vorm Supermarkt an der nächsten Ecke.