FTN Streetdog: Retro-Bike vom anderen Ende der Welt

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Categories Fahrzeuge
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Author Remo Klawitter

Auf der Suche nach spannenden Elektromotorrädern lassen wir unseren Blick bisher oft und gerne durch Europa schweifen. Diesmal schauen wir jedoch deutlich weiter – bis ans andere Ende der Welt.

In Neuseeland baut FTN Motion mit der Streetdog ein Elektromotorrad, das optisch genauso gut auf europäischen Straßen unterwegs sein könnte. Klassische Linien, Speichenräder und Rundscheinwerfer treffen auf moderne Elektrotechnik – und dahinter steckt mehr als eine sehr sympathische Geschichte.

FTN Streetdog

Vom Garagenprojekt zur Streetdog

Die Geschichte von FTN Motion beginnt mit den beiden Ingenieuren Luke Sinclair und Kendall Bristow. Bereits 2015 experimentierten die beiden mit einem zum Elektrofahrzeug umgebauten BMX-Rad. Während des Corona-Lockdowns entstand 2020 schließlich der erste Prototyp der Streetdog. Gemeinsam mit Saskia Thornton gründeten sie FTN Motion und brachten die Streetdog 2021 auf die Straße.

Aus dem Projekt wurde ein kleiner Motorradhersteller. Ursprünglich in Wellington zu Hause, zog FTN Anfang 2024 nach Hamilton auf der neuseeländischen Nordinsel, wo die Streetdogs heute auf Bestellung gebaut werden. Dabei setzt FTN nach eigenen Angaben auch auf lokale Betriebe für CNC-Bearbeitung, Metallfertigung, Rohrbiegen und Lackierung.

Inzwischen ist die Streetdog bereits in ihrer vierten Generation angekommen. Über die Jahre sind zahlreiche kleinere Verbesserungen eingeflossen – auch auf Basis der Erfahrungen und Rückmeldungen der Fahrer. Mittlerweile sind mehr als 400 Streetdog-Fahrer in Neuseeland und Australien unterwegs.

Aus dem Garagenprojekt ist also längst ein richtiger kleiner Motorradhersteller geworden. Dazu gehört inzwischen auch ein wachsendes Service-Netz in Neuseeland und Australien mit Partnerwerkstätten für Wartung und Reparaturen.

Und selbst der Name hat eine Geschichte: Streetdog wurde nach Mac benannt, dem aus einem Tierheim adoptierten Hund von Kendall Bristow. Mac taucht beim Einschalten sogar auf dem Display des Motorrads auf.

Noch schöner ist allerdings die Auflösung des Firmennamens. Mitgründer Luke Sinclair verriet einmal etwas widerwillig, wofür FTN steht: „F* the Norm“.**

Nun ja – damit hätten sie zumindest unseren Humor getroffen. 

FTN Motion

Famel als Vorlage?

Wer die Streetdog zum ersten Mal sieht, dürfte verstehen, warum sie bei uns sofort Erinnerungen an die aktuellen Famel-Modelle geweckt hat. Schmale Silhouette, große Speichenräder, Rundscheinwerfer und flache Sitzbank – die Ähnlichkeiten in der Grundidee sind kaum zu übersehen.

Ob Famel tatsächlich als Vorlage oder Inspiration diente, wissen wir allerdings nicht. Eine direkte Verbindung zwischen beiden Herstellern ist uns nicht bekannt. Vielleicht zeigt die Streetdog auch einfach, wie gut sich klassisches Moped-Design und moderner Elektroantrieb miteinander verbinden lassen.

Zur Kleinserie passt, dass sich die Streetdog umfangreich individualisieren lässt. Farben, Dekore, Reifen, Komponenten und weitere Details können ausgewählt werden, bevor das Motorrad entsprechend der Bestellung aufgebaut wird.

FTN Streetdog XR

Streetdog 50 und XR

FTN bietet die Streetdog in zwei Leistungsstufen an. Die Streetdog 50 ist die urbane Variante: 50 km/h schnell, 3 kW Nenn- und 5 kW Spitzenleistung. Mit dem 2,9-kWh-Wechselakku nennt FTN eine reale Reichweite von 80 bis 100 Kilometern.

Deutlich flotter wird es mit der Streetdog XR. Sie leistet 4 kW nominal und 7,5 kW in der Spitze und erreicht 85 km/h. Der Akku bleibt mit 2,9 kWh gleich groß, die angegebene Realreichweite sinkt entsprechend auf 60 bis 80 Kilometer.

Ganz neu ist die Idee einer schnelleren Streetdog übrigens nicht. Der Vorgänger der heutigen XR wurde als Streetdog80 entwickelt. Die erste Produktionsserie von 50 Motorrädern war Anfang 2025 bereits vollständig reserviert, bevor das Modell offiziell vorgestellt wurde.

Eine Einordnung in die uns bekannten europäischen Fahrzeugklassen gibt es bislang nicht – schließlich werden die Streetdogs derzeit nicht regulär in Europa angeboten. Nach ihren technischen Eckdaten würden wir die Streetdog 50 hierzulande im Bereich L1e und die schnellere XR im Bereich L3e beziehungsweise A1 erwarten. Ob eine mögliche europäische Version tatsächlich entsprechend homologiert würde, ist allerdings offen.

FTN Streetdog 50

Bei der Streetdog 50 gäbe es ohnehin Anpassungsbedarf: 50 km/h sind für eine klassische L1e-B-Zulassung in Europa zu schnell. Für eine entsprechende europäische Variante müsste FTN die Geschwindigkeit vermutlich auf 45 km/h begrenzen.

Beide Streetdogs verwenden einen herausnehmbaren 72-Volt-Lithium-Ionen-Akku mit 2,9 kWh. Geladen wird an einer normalen Steckdose, die Ladezeit liegt bei rund 5,5 Stunden. Mit 17 Kilogramm ist die Batterie allerdings auch kein Leichtgewicht mehr. Dafür bringt die komplette XR inklusive Akku gerade einmal 88 Kilogramm auf die Waage.

Die stärkere XR bekommt außerdem längere Frontgabeln, eine längere Schwinge und Federbeine mit mehr Federweg. Das sorgt für mehr Bodenfreiheit und soll die XR auch auf schlechteren Straßen souveräner machen. Einige dieser Fahrwerkskomponenten lassen sich bei der Streetdog 50 über ein optionales Raised Performance Pack nachrüsten.

Einen der Vorteile des Elektroantriebs nutzt FTN besonders clever: Dort, wo bei einem klassischen Motorrad der Tank sitzen würde, befinden sich 30 Liter Stauraum. Wer mehr Reichweite benötigt, kann dort stattdessen einen zweiten Akku mitnehmen. Bei der XR nennt FTN damit bis zu 140 Kilometer, bei der sparsameren Streetdog 50 sogar bis zu 180 Kilometer Reichweite.

Der Zweitakku eröffnet aber noch eine andere Möglichkeit: Einer bleibt geladen zu Hause, während der andere im Motorrad steckt. Ist der erste leer, wird einfach getauscht.

Auch ansonsten steckt mehr moderne Technik in der klassischen Hülle, als man zunächst vermuten würde. Die Streetdog XR besitzt ein 2,1-Zoll-Touchdisplay, NFC-Schlüssel und PIN-Zugang, zwei Fahrmodi, Rekuperation, USB-Anschluss und eine Alarmanlage. Wird diese aktiviert, kann zusätzlich das Hinterrad elektronisch verriegelt werden.

Retro-Look trifft moderne Technik.

FTN Streetdog 50

Garantie und Preise

FTN gibt auf die Streetdog 24 Monate beziehungsweise 10.000 Kilometer Garantie, je nachdem, was zuerst erreicht wird. Abgedeckt sind laut Hersteller sämtliche Komponenten einschließlich Akku und Rahmen. Für den Garantieerhalt müssen die vorgeschriebenen Servicearbeiten allerdings von FTN oder autorisierten Partnern durchgeführt werden.

Preislich startet die Streetdog 50 bei 8.990 Neuseeland-Dollar, die stärkere Streetdog XR bei 9.990 Neuseeland-Dollar. Umgerechnet sind das grob 4.400 beziehungsweise 4.900 Euro. Hinzu kommen in Neuseeland noch Zulassungs- und Straßenkosten sowie gegebenenfalls der Transport. Einen möglichen europäischen Verkaufspreis kann man daraus natürlich nicht ableiten.

Wer es noch etwas exklusiver möchte, bekommt die Streetdog aktuell außerdem als Phantom Limited Edition. Gerade einmal 30 nummerierte Exemplare werden gebaut – wahlweise als Streetdog 50 oder XR und in Phantom Blue oder Phantom Green. Dazu gibt es spezielle Retro-Dekore, lackierte Schutzbleche, Faltenbälge an der Gabel, verstellbare Fußrasten sowie verschiedene Sitz- und Reifenoptionen. FTN beziffert den Wert der zusätzlichen Ausstattung auf mehr als 3.000 Neuseeland-Dollar.

Die Phantom startet als Streetdog 50 bei 10.640 Neuseeland-Dollar, als XR werden 11.640 Neuseeland-Dollar aufgerufen – grob also etwa 5.200 beziehungsweise 5.700 Euro. Danach ist Schluss: Sind die 30 Exemplare verkauft, soll es keine zweite Auflage geben.

Für uns bleiben all diese Preise allerdings zunächst theoretischer Natur. FTN konzentriert sich momentan auf Neuseeland und Australien. Einen regulären Vertrieb in Deutschland oder Europa gibt es bislang nicht.

Schade eigentlich.

FTN Motion

Die #SteckerBiker meinen

Manchmal lohnt sich der Blick ans andere Ende der Welt. Die Streetdog erfindet das Elektromotorrad technisch nicht neu – aber sie kombiniert einen herrlich klassischen Auftritt mit Wechselakku, niedrigem Gewicht und, zumindest als XR, ausreichend Leistung für mehr als nur die Innenstadt.

Fast noch besser gefällt uns die Geschichte dahinter. Aus den Experimenten zweier neuseeländischer Ingenieure entstand ein kleiner Motorradhersteller, dessen Streetdog mittlerweile in der vierten Generation angekommen ist. Gebaut wird weiterhin in Neuseeland, in überschaubaren Stückzahlen und mit reichlich Möglichkeiten zur Individualisierung.

Wer auf den Retro-Stil von Famel & Co. steht, dürfte auch bei der Streetdog ziemlich schnell hängenbleiben. Und die auf gerade einmal 30 Exemplare begrenzte Phantom zeigt, wie weit FTN den Kleinseriengedanken inzwischen treibt.

Schade nur, dass Neuseeland von uns aus verdammt weit weg ist.

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