1.000 Kilometer durch Vietnam auf E-Motorrädern

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Categories Reiseberichte
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Author THE PACK

Technische Datenblätter liefern eine sinnvolle Grundlage. Wie sich ein Fahrzeug bei einem echten Abenteuer schlägt, verraten sie jedoch nur selten. Wenn ein Hersteller für ein leichtes Elektromotorrad eine Reichweite von 200 Kilometern angibt, basiert diese Berechnung meist auf einem einzelnen Fahrer, der mit konstanten 35 km/h über eine ebene Strecke fährt.

Mit einem Konvoi aus 15 Fahrern, umfangreichem Reisegepäck, chaotischem Verkehr und tropischen Bergpässen hat dieses Szenario nur wenig zu tun.

Dat Bike Weaver++

Auf der rund 1.000 Kilometer langen „Lost in Vietnam“-Route von Hoi An nach Hanoi brachte Nerva Travel eine Flotte der in Vietnam produzierten Dat Bike Weaver++ bis an ihre Belastungsgrenze. Dabei ging es nicht nur darum zu zeigen, dass eine internationale Reise mit Elektromotorrädern möglich ist. Das Team wollte vor allem belastbare Daten darüber sammeln, wie sich die Maschinen unter dauerhaft anspruchsvollen Bedingungen bewähren.

Dat Bike Weaver++

Die Dat Bike Weaver++ im realen Reiseeinsatz

Die Dat Bike Weaver++ verfügt über einen 72-Volt-Lithium-Ionen-Akku, einen Mittelmotor mit 7.000 Watt Leistung und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von rund 90 km/h. Unter idealen Bedingungen verspricht der Hersteller eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern.

Mit voller Beladung und bei dauerhaft höherem Reisetempo erreichten die Motorräder während der Tour jedoch zwischen 130 und 160 Kilometer pro Akkuladung. Für die Planung längerer Reisen mit Elektromotorrädern dürfte dies die deutlich realistischere Größenordnung sein.

Dat Bike Weaver++

Bergauffahrten bringen den Antrieb an seine Grenzen

Eine der größten Herausforderungen für jedes elektrische Zweirad sind lange Steigungen unter hoher Last. Dabei können ein deutlicher Spannungsabfall des Akkus und eine thermisch bedingte Begrenzung der Leistung zum Problem werden.

Auf dem Hai-Van-Pass war kurz vor dem höchsten Punkt ein spürbarer Leistungsverlust zu erkennen, als die Systeme ihre maximale Belastungsgrenze erreichten. Dennoch schafften alle Motorräder den Anstieg ohne größere Schwierigkeiten.

Während der anschließenden Abfahrt zeigte die Dat Bike eine andere ihrer Stärken. Die regenerative Motorbremse der Weaver++ wird direkt über den Gasgriff gesteuert. Durch eine gezielte Dosierung konnten die Fahrer die Motorräder bergab praktisch in rollende Generatoren verwandeln.

Der höchste dokumentierte Wert lag bei acht Prozent zurückgewonnener Akkukapazität auf einer 15 Kilometer langen Abfahrt mit einem durchschnittlichen Gefälle von etwa sechs Prozent.

Dat Bike Weaver++

40 Grad Hitze auf dem Weg nach Da Lat

Der anspruchsvollste Abschnitt der Reise war der lange Anstieg in Richtung Da Lat. Über mehrere Stunden ging es während der heißesten Tageszeit nahezu ununterbrochen bergauf. Die Außentemperaturen erreichten dabei bis zu 40 Grad Celsius.

Während dieses Abschnitts erschienen zweimal Temperaturwarnungen auf den Displays der Motorräder. Angesichts der extremen Bedingungen bewährte sich das Thermomanagement der Mittelmotoren jedoch bemerkenswert gut.

Nach Einschätzung der Teilnehmer hielten die elektrischen Antriebe Belastungen stand, bei denen auch viele Verbrennungsmotoren nicht vollkommen unbeeindruckt geblieben wären.

Dat Bike Weaver++

Laden an Cafés und gewöhnlichen Steckdosen

Die Motorräder lassen sich über eine normale 220-Volt-Steckdose laden. Dafür wird entweder das im Fahrzeug integrierte Ladegerät oder ein tragbares Ladegerät verwendet. Eine spezielle Ladeinfrastruktur ist nicht erforderlich.

Pro Stunde konnten die Motorräder Energie für ungefähr 60 Kilometer zusätzliche Reichweite aufnehmen. Nerva Travel verfolgte deshalb eine konsequente „Always Be Charging“-Strategie: Bei Pausen an Straßencafés und kleinen Restaurants wurden die Motorräder grundsätzlich angeschlossen. So ließ sich ohnehin anfallende Standzeit zum Nachladen nutzen.

Dat Bike Weaver++

Nerpa Travel: „Dieses Konzept funktionierte allerdings nur, solange nicht alle Motorräder gleichzeitig an derselben Stromversorgung hingen.

Beim Treffen zur Hälfte der Strecke wurden sämtliche 15 Motorräder auf einmal angeschlossen. Daraufhin löste sofort der Schutzschalter des Gebäudes aus. Der anschließende Versuch, mehrere Verlängerungskabel hintereinanderzuschalten, endete mit einem lauten Knall.

Die Lösung war vergleichsweise einfach, nachdem das Team aufhörte, die vorhandene Elektroinstallation zu überfordern. Die Motorräder wurden auf verschiedene Häuser im Dorf verteilt, sodass sich die Last auf mehrere Stromanschlüsse verteilte.

Das Stromnetz hielt stand, die Akkus wurden über Nacht geladen und die Reisenden verbrachten den Abend gemeinsam mit einheimischen Familien. So entstand genau jene ungeplante Begegnung, die sich mit keinem kommerziellen Reiseprogramm künstlich herstellen lässt.“

Dat Bike Weaver++

Was wir auf dieser Reise gelernt haben

Jenseits der Marketingversprechen liefern die gesammelten Daten ein eindeutiges Bild: Mit einem durchdachten Energiemanagement und einer Fahrweise, die Gelände und klimatische Bedingungen berücksichtigt, können lokal produzierte Elektromotorräder auch lange und anspruchsvolle Abenteuerreisen bewältigen.

Lücken in der Ladeinfrastruktur sind zweifellos vorhanden. Sie lassen sich jedoch mit guter Planung, ausreichend Zeit und einer flexiblen Herangehensweise überwinden.

Die Dat Bike Weaver++ selbst waren auf dieser Reise offenbar nicht der begrenzende Faktor. Vielmehr zeigte sich, dass die Stromversorgung vor Ort und der organisatorische Umgang mit ihr darüber entscheiden, wie reibungslos eine solche Tour verläuft.

Dieser Artikel und alle Bilder wurden von Nerva Travel zur Verfügung gestellt und erschien bei unserem Mediapartner THEPACK.news. Er ist im englischer Sprache hier zu finden: https://thepack.news/1000-km-across-vietnam-on-domestic-levs/

Dat Bike Weaver++
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