Batterien neu denken – Second Ride gründet MAKI-Batteries

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Categories Technik
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Author Remo Klawitter

Batterien sind das Herz moderner E-Mobilität – und zugleich ihr größtes strukturelles Problem. In vielen heutigen Akkupacks genügt der Ausfall einer einzelnen Zelle, um den gesamten Akku zum Totalschaden zu machen. Ursache dafür sind verschweißte, verklebte, verlötete oder vollständig vergossene Zellen. Eine Reparatur ist meist nicht vorgesehen, der Austausch teuer, Nachhaltigkeit bleibt zweitrangig.

Second Ride zieht daraus nun eine klare Konsequenz: Die entwickelte Batterietechnologie wird unter dem Namen MAKI Batteries in einen eigenständigen Geschäftsbereich ausgegliedert. Damit schafft das Unternehmen nicht nur die Grundlage, eigene Retrofit-Projekte – etwa für Simson-Fahrzeuge und weitere Bestandsmodelle – langfristig selbst mit reparierbaren Akkus zu versorgen, sondern öffnet die Technologie zugleich für andere Hersteller im Bereich elektrischer Fahrzeuge, Robotik und weiterer batteriegestützter Anwendungen.

Maki Batteries

Wer sind Second Ride?

Second Ride ist ein 2019 in Berlin gegründetes Unternehmen mit Sitz in Berlin, das sich auf die Elektrifizierung und Verlängerung der Lebensdauer bestehender Fahrzeuge spezialisiert hat. Der Anspruch von Beginn an: funktionierende Technik nicht zu ersetzen, sondern sinnvoll weiterzunutzen – elektrisch, wartbar und alltagstauglich.

Im Zentrum steht ein interdisziplinäres Team aus Mechanikern, Elektronikern und Entwicklern. Entwickelt, montiert und getestet wird vollständig in Berlin. Elektrifizierung versteht man hier nicht als Lifestyle-Produkt, sondern als handwerklich-technische Aufgabe.

Bekannt wurde Second Ride vor allem durch seine Retrofit-Lösungen für klassische Simson-Fahrzeuge, bei denen historische Mopeds mit moderner Elektrotechnik kombiniert werden. Ziel war dabei nie der Umbau um jeden Preis, sondern der Erhalt der originalen Substanz bei gleichzeitig zeitgemäßer Nutzung.

Mit dem neuen MID50-Antriebssystem hat Second Ride diesen Fokus erweitert. Der Antrieb ist nicht mehr ausschließlich auf Simson beschränkt, sondern mithilfe von Adapterplatten auch für andere Fahrzeuge wie Kreidler, MZ und weitere klassische Zweiräder nutzbar. Damit öffnet sich das Unternehmen zunehmend für herstellerübergreifende Retrofit-Lösungen im Bereich leichter Elektromobilität.

Second Ride MID50

Warum die Ausgliederung der Batteriensparte?

Im täglichen Betrieb zeigte sich ein grundlegendes Problem. Während Motor, Leistungselektronik und Mechanik bei Second Ride reparierbar und auf Langlebigkeit ausgelegt werden können, folgen die meisten Batterien weiterhin einer Wegwerflogik.

Bei den frühen Retrofit-Lösungen wurden die Akkus in die Sitzbank integriert – eine pragmatische und gestalterisch sinnvolle Entscheidung. Die Sitzbänke vieler Modelle boten ausreichend Platz, waren konstruktiv ähnlich aufgebaut und ermöglichten es, die Batterie unterzubringen, ohne die Optik der Fahrzeuge zu verändern.

Diese Form der Integration band die Batterie jedoch stark an das jeweilige Fahrzeug und ließ sich nur begrenzt auf andere Plattformen übertragen. Gleichzeitig zeigte sich das grundsätzliche Problem konventioneller Akkupacks: Zellen sind fest verschweißt, einzelne Defekte führen oft zum Komplettausfall, Reparaturen sind wirtschaftlich oder technisch kaum möglich. Für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf der Verlängerung von Produktlebenszyklen basiert, ist das ein klarer systemischer Widerspruch.

Im Zuge der Entwicklung des MID50-Systems begann das Team deshalb, die Batterie grundlegend neu zu denken – nicht mehr als reines Zulieferteil, sondern als zentrales, eigenständig entwickeltes Bauteil. Dabei wurde schnell klar, dass diese Technologie zu grundlegend ist, um lediglich ein internes Produkt für einzelne Fahrzeugumbauten zu bleiben.

MAKI MID50

Der neue Geschäftszweig: MAKI Batteries

Die Konsequenz ist die Gründung eines eigenständigen Batteriegeschäfts unter der Marke MAKI Batteries. MAKI tritt als Entwickler und Fertiger reparierbarer Akkupacks auf – nicht nur für Second Ride, sondern herstellerübergreifend für Unternehmen, die auf Batteriesysteme angewiesen sind, insbesondere in der leichten Elektromobilität, Robotik und Industrie.

MAKI Batteries

Regulatorischer Rückenwind: Reparierbarkeit bald Pflicht?

Die technologische Neuausrichtung bei MAKI Batteries fällt nicht zufällig in diese Zeit. Mit der EU-Batterieverordnung (EU) 2023/1542 hat die Europäische Union erstmals einen verbindlichen Rechtsrahmen geschaffen, der Batterien über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg reguliert – von der Konstruktion über die Nutzung bis hin zu Reparatur, Wiederverwendung und Recycling. Die Verordnung ist seit 2023 in Kraft und ersetzt schrittweise die bisherige Batterierichtlinie.

Ab 2025 greifen erweiterte Informations- und Kennzeichnungspflichten. Ab 2026 werden die Anforderungen deutlich konkreter: Batterien müssen so ausgelegt sein, dass sie entnehmbar, austauschbar oder zumindest durch unabhängige Fachbetriebe reparierbar sind – ohne das gesamte Produkt zu zerstören. Verklebte, vergossene oder nicht lösbare Zellen geraten damit unter regulatorischen Druck.

Spätestens ab 2027/2028 kommen weitere Pflichten hinzu, darunter der digitale Batteriepass für bestimmte Batterieklassen. Dieser dokumentiert unter anderem Zellchemie, Ladezyklen, Gesundheitszustand und Reparaturhistorie. Gleichzeitig wird ein intelligentes Batteriemanagementsystem faktisch zum Standard. Die Vorgaben betreffen nicht nur große Traktionsbatterien, sondern ausdrücklich auch Anwendungen in der leichten Elektromobilität, Robotik und Industrie.

Vor diesem Hintergrund ist der von MAKI Batteries verfolgte Ansatz keine Zukunftsvision, sondern eine frühe Anpassung an absehbare regulatorische Realität.

MAKI Batteries

Reparierbarkeit, Effizienz und industrielle Nutzbarkeit

Kern der MAKI-Technologie ist der konsequente Verzicht auf klassische Zellverschweißung. Statt Spot-Welding kommen kraftschlüssige Kontaktierungen zum Einsatz, die es erlauben, einzelne Zellen gezielt zu tauschen, anstatt komplette Akkupacks zu ersetzen. Das verlängert die Lebensdauer signifikant und senkt die Total Cost of Ownership um bis zu 75 Prozent. Der Ansatz ist durch Patentanmeldungen abgesichert.

Ein wesentlicher technischer Vorteil liegt im thermischen Aufbau. Jede Zelle ist direkt an eine Kühlfläche angebunden, während Plus- und Minuspol auf derselben Seite kontaktiert werden. Die Unterseite der Zellen bleibt frei und kann über eine Kühlplatte Wärme effektiv abführen. Dadurch sind Ladeleistungen oberhalb von 1C möglich – selbst bei passiv gekühlten Akkupacks.

Für zusätzliche Sicherheit sorgt ein intelligentes Batteriemanagementsystem, das jede einzelne Zelle überwacht. Zellalterung, Feuchtigkeitseintritt, mechanische Belastungen oder unautorisierte Öffnungen werden frühzeitig erkannt.

Produktion und Entwicklung erfolgen vollständig in Berlin. MAKI Batteries bietet sowohl standardisierte Akkupacks ab Stückzahl 1 – darunter ein 2-kWh-50-Volt-Pack – als auch kundenspezifische Lösungen ab etwa 100 Stück. Für industrielle Anwendungen stehen zusätzlich R&D-Dienstleistungen und die Lizenzierung der Kontaktiertechnologie zur Verfügung. Der modulare Aufbau ermöglicht eine deutlich schnellere Markteinführung neuer Produkte.

Video MAKI Scooterhelden
Unser Freund Marcel von den Scooterhelden hat die neue Batterietechnik unter die Lupe genommen

Die #SteckerBiker meinen

Second Ride denkt seinen Retrofit-Ansatz konsequent weiter und präsentiert nach nur drei Jahren Entwicklungsarbeit eine Batterietechnologie, die bestehende Systeme grundlegend infrage stellt. Die Ausgliederung der Batterietechnologie ist kein strategischer Bruch, sondern eine logische Konsequenz dieser Entwicklung. Second Ride bleibt Spezialist für nachhaltige Retrofit-Lösungen – MAKI Batteries wird zur Plattform für eine neue Generation langlebiger, reparierbarer Akkus.

Bemerkenswert ist zudem, dass Second Ride mit MAKI Batteries bereits heute zentrale Anforderungen der kommenden EU-Batterieverordnung adressiert. Reparierbarkeit, modulare Bauweise und detaillierte Zustandsüberwachung werden hier nicht als spätere Pflicht, sondern frühzeitig konstruktiv umgesetzt.
Wir begleiten Second Ride seit den Anfängen und begrüßen die kontinuierliche Weiterentwicklung sowie den unermüdlichen Pioniergeist des noch jungen Start-ups aus Berlin.

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