EICMA 2026: Die Flying Flea S6 fliegt wirklich!
Im Oktober waren wir beim Silent Rideout mit der Flying Flea C6 noch ganz gemütlich zwischen Berlin und Potsdam unterwegs. Auf der EICMA 2026 in Mailand präsentierte Royal Enfield neben den drei Farbvarianten der C6 auch ihre geländetaugliche Schwester S6. Doch worin unterscheiden sich die beiden Modelle eigentlich?
Von der C6 zur S6
Die Familienähnlichkeit ist unverkennbar. Der filigrane Rahmen, das markante Batteriegehäuse und der runde Scheinwerfer erinnern sofort an die C6. Doch während diese mit ihrem außergewöhnlichen Retrodesign vor allem auf der Straße begeistert, wurde die S6 für den Einsatz abseits befestigter Wege entwickelt.
Am auffälligsten ist die Vorderradaufhängung. Statt der außergewöhnlichen Trapezgabel der C6 besitzt die S6 eine Upside-down-Gabel (USD). Eine sinnvolle Entscheidung, denn die S6 bietet mehr Federweg, kann größere Unebenheiten schlucken und gewinnt an Bodenfreiheit. Gerade bei Sprüngen und auf anspruchsvollen Geländepassagen spielt das angepasste Fahrwerk seine Vorteile aus.
Auch beim Antrieb gibt es einen entscheidenden Unterschied. Statt des leisen und pflegeleichten Zahnriemens der C6 kommt bei der S6 eine klassische Kette zum Einsatz. Sie ist für den harten Geländeeinsatz robuster, verträgt Belastungsspitzen besser und lässt sich bei einem Defekt meist einfacher reparieren. Dafür verlangt sie regelmäßige Reinigung, Schmierung und Kontrolle der Kettenspannung – besonders nach Fahrten durch Sand und Schlamm.
Hinzu kommen Drahtspeichenräder mit grobstolliger Bereifung. Vorn rollt die S6 wie die C6 auf 19 Zoll, hinten kommt dagegen ein kleineres 18-Zoll-Rad zum Einsatz. Die schmale, längere und flachere Enduro-Sitzbank erleichtert die Gewichtsverlagerung beim Geländefahren. Auch die Heckpartie wurde neu gestaltet: Rückleuchten und Kennzeichenhalter passen zur sportlicheren Scrambler-Optik.
Gleicher Motor, mehr Bums?
Bei der Antriebstechnik könnte dagegen vieles vertraut bleiben. Es spricht einiges dafür, dass Royal Enfield bei der S6 auf Motor und Batterie der C6 zurückgreift. Offiziell bestätigt hat Royal Enfield die technischen Gemeinsamkeiten bislang allerdings nicht.
Die C6 verfügt über einen fest verbauten 3,91-kWh-Akku und leistet in der Spitze 15,4 kW. Denkbar wäre, dass Royal Enfield bei der S6 eine kürzere Übersetzung gewählt hat. Das würde bei gleichem Motordrehmoment für mehr Zugkraft am Hinterrad und damit einen kräftigeren Antritt sorgen – allerdings auf Kosten der Höchstgeschwindigkeit. Gerade im Gelände wäre das durchaus sinnvoll.
Ob die S6 tatsächlich anders übersetzt ist oder sich auch bei der Motorleistung unterscheidet, bleibt abzuwarten.
Interessant wäre auch, ob Royal Enfield das Ladesystem der C6 übernimmt. Dort sitzt ein 2,2-kW-Ladegerät fest im Motorrad. Geladen wird über einen Kaltgeräteanschluss an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose. Von 20 auf 80 Prozent benötigt die C6 laut Hersteller rund 65 Minuten, eine vollständige Ladung dauert etwa 2 Stunden und 16 Minuten. Für die S6 liegen hierzu noch keine bestätigten Angaben vor.
Dafür bekommt sie sechs Fahrmodi, darunter einen speziellen Offroad-Modus. Auch das schräglagenabhängige ABS lässt sich für den Geländeeinsatz abschalten. Hinzu kommen eine einstellbare Traktionskontrolle und Rekuperation sowie das bereits von der C6 bekannte runde TFT-Display mit dem Betriebssystem Fleaware.OS.
Wenn der kleine Floh fliegen lernt
Dass die S6 weit mehr als eine C6 mit Stollenreifen ist, zeigte Royal Enfield direkt vor den Messehallen. Auf einem eigens aufgebauten Parcours demonstrierten zwei professionelle Fahrer, was in dem kleinen Elektromotorrad steckt.
Wheelies, Stoppies, Drifts und Burnouts gehörten ebenso zum Programm wie spektakuläre Sprünge über eigens aufgebaute Rampen. Dabei hob die S6 tatsächlich komplett vom Boden ab und flog mehrere Meter durch die Luft. Besonders beeindruckend war, wie souverän das kompakte Elektromotorrad selbst bei den Landungen wirkte.
Wer die filigrane S6 zuvor eher für einen schicken Scrambler mit gelegentlichen Ausflügen auf Schotterwege gehalten hatte, dürfte spätestens jetzt überrascht gewesen sein.
Die #SteckerBiker meinen
Die C6 hat uns bei unserem Silent Rideout bereits mit ihrem eigenständigen Charakter begeistert. Die S6 zeigt nun, wie vielseitig die Flying-Flea-Plattform sein könnte.
Die Änderungen an Fahrwerk und Antrieb sind konsequent auf den Geländeeinsatz ausgelegt. Und die spektakuläre Vorführung in Mailand hat eindrucksvoll bewiesen, dass der kleine Floh seinen Namen durchaus verdient.
Ein wenig Geduld ist allerdings noch gefragt: Bereits 2024 kündigte Royal Enfield die S6 auf der EICMA an, 2025 folgte die Präsentation des fertigen Motorrads. Im Sommer 2027 soll sie nun endlich auf den Markt kommen. Einen offiziellen Preis gibt es bislang nicht. Wir hoffen allerdings, dass Royal Enfield die S6 ähnlich attraktiv wie die C6 positioniert. Ein Preis um die 6.000 Euro wäre jedenfalls eine echte Ansage.
Ob die S6 unseren Erwartungen auch abseits der Showbühne gerecht wird, wollen wir natürlich selbst herausfinden. Für einen ausgiebigen Geländetest stellt sich Patrick jedenfalls sehr gern zur Verfügung. 😉