Zero CCS-Schnellladen – erster Eindruck des CCS-ChargeTanks
Als Zero im September CCS-Schnellladen für 2027 ankündigte, haben wir bei SteckerBiker über die geplante Nachrüstung berichtet. Damals blieb offen, welche älteren Maschinen mit einem Tauschakku infrage kommen. Auf der EICMA konnten wir uns jetzt erstmals einen Prototyp live ansehen. Über die Ladetechnik haben wir mit Kenyon Kluge gesprochen, Vice President of Design and Engineering bei Zero Motorcycles. Unser Bericht zur CCS-Ankündigung vom 2. September
Zero zeigte das bisher namenlose Modul, wir wollen es CCS-ChargeTank nennen, in einer offenen SR/F. Es sitzt oberhalb des Akkus im Bereich des Tankfachs. Die CCS-Combo-2-Buchse ist direkt vor der Sitzbank montiert. Auf unseren Fotos sind der Typ-2-Teil und die beiden zusätzlichen Gleichstromkontakte gut zu erkennen.
Von 20 auf 80 Prozent in unter 30 Minuten
Einen echten Ladevorgang haben wir am Stand natürlich nicht gesehen. Zero peilt für kompatible Akkus bis 17,3 kWh weniger als 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent an. Eine maximale DC-Ladeleistung hat der Hersteller bisher nicht veröffentlicht und gibt sie auch auf Nachfrage nicht raus. Aber zum Vergleich: Zero gibt für die SR/F mit dem bisherigen ChargeTank und bis zu 12,6 kW im selben Ladefenster 43 Minuten an.
Welche Zero-Modelle lassen sich nachrüsten?
Nach Angaben von Zero lässt sich der CCS-ChargeTank bei allen Gen3-Modellen ab Modelljahr 2022 nachrüsten. Dazu zählen S, SR, SR/F, SR/S, DS, DSR und DSR/X. Auch frühere Gen3-Maschinen der Baureihen SR/F und SR/S aus dem Zeitraum ab 2019 kommen infrage, wenn sie zwar ursprünglich mit einem 14,4-kWh-Akku ausgeliefert wurden, aber durch einen Akkutausch einen aktuellen 15,6-kWh-Akku erhalten haben.
Der CCS-ChargeTank selbst ist ein optionales Extra. Zero plant, ihn im späteren Verlauf von 2027 für neue Motorräder mit anzubieten. Der Einbau erfolgt, ebenso wie bei kompatiblen Bestandsmaschinen, durch den autorisierten Zero-Händler. Der Preis steht noch nicht fest. Wann das Nachrüstkit erhältlich sein wird, ist ebenfalls offen.
Serienmäßiges AC-Laden bleibt, mehr Stauraum ist möglich
Der CCS-ChargeTank nutzt den Einbauplatz, den Zero bisher für Charge- oder den PowerTank vorsieht. Die serienmäßigen Onboard-Lader bleiben dabei an ihrem Platz. Damit bleibt auch die serienmäßige AC-Ladeleistung des jeweiligen Motorrads erhalten. Diese beträgt je nach Modell zwischen 3 und 6,6 kW. Wer allerdings den zusätzlichen ChargeTank verbaut hat, wird diesen wieder entfernen müssen, denn es kann nur einen geben.
Der Prototyp baut übrigens kompakter als der bisherige ChargeTank. Wenn Zero diese Bauform für die Serie beibehält, dürfte nach der CCS-Nachrüstung deutlich mehr Stauraum übrig bleiben als mit ChargeTank oder dem PowerTank. Gerade bei den Modellen der S-Baureihe wäre das im Alltag spürbar. Dort bleibt ja nach dem Einbau des bisherigen ChargeTanks vom Tankfach praktisch nichts übrig. Wie viel Platz das Serienkit dann tatsächlich lässt, ist aber noch offen.
Auch der bisherige ChargeTank könnte schneller laden
Zero stellte 2022 auf die aktuelle Zellchemie um. Im Interview mit SteckerBiker erklärte Kluge, dass Zero die AC-Ladekurve damals bewusst vorsichtig ausgelegt habe, um die Zellen zu schonen. Mit den Erfahrungen aus dem Betrieb könnte und möchte Zero die Kurve mittelfristig über ein Firmware-Update anpassen. Wenn der Akku über einen größeren Teil des Ladevorgangs mehr Leistung aufnimmt, steigt dann natürlich die durchschnittliche Ladeleistung bei immer noch gleicher Spitzenleistung.
Die Anpassung wird dieselben oben genannten Gen3-Motorräder mit dem aktuellen Akku betreffen. Die überarbeitete Kurve soll voraussichtlich sowohl für den bisherigen ChargeTank als auch beim AC-Laden mit dem CCS-ChargeTank gelten. Einen konkreten Termin und neue Ladezeiten gab es im Gespräch noch nicht.
Die SteckerBiker meinen
Der größte Gewinn ist für uns die zusätzliche Wahl beim Ladestopp. Auf einer Tour können wir künftig mit einer nachgerüsteten Zero auch die CCS-Schnelllader entlang der Route nutzen. Beim längeren Stopp am Hotel oder in der Stadt steht weiterhin die serienmäßige AC-Ladeleistung zur Verfügung. Dass Zero den Umbau auch für ältere SR/F und SR/S mit 15,6-kWh-Tauschakku vorsieht, macht das Angebot für Bestandsfahrer besonders interessant.
Ob sich die Nachrüstung lohnt, hängt vom Einbaupreis ab und davon, wie nah die Serienversion im Alltag an die angepeilten 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent kommt. Auch wer beim bisherigen ChargeTank bleibt, könnte profitieren. Wenn Zero die AC-Ladekurve wie im Gespräch mit Kenyon Kluge skizziert anpasst, kann die Ladepause auch ohne Umbau etwas kürzer werden.
2 Kommentare
Sind doch schon mal gute Nachrichten 😀
Gerade das die Serien-AC Leistung bleibt, ist gerade mit einer DSR/X auf Touren vllt gar nicht verkehrt, wenn dann doch mal nur AC verfügbar ist.
Also wenn Stark nicht hinne macht, wird es wohl doch ne Zero DS + CCS Modul bei mir nächstes Jahr 😀
Wow also auch ohne DC Tank bekommen wir gratis Ladespeed durch das Firmware Update! Das könnte die Wartezeit ja noch ein wenig versüßen. Aber wenn der DC Tank wirklich etwas mehr Platz übrig lässt, würde ich dennoch umsteigen. Also ein großer Schritt vorwärts für Zero! Wenn möglich würde ich direkt vorbestellen 😀