Was ist eigentlich aus CAKE geworden? Neustart nach Pleite
CAKE war einmal einer der auffälligsten Namen unter den jungen Elektromotorradherstellern. Kaum ein anderer Hersteller kombinierte skandinavisches Industriedesign so konsequent mit leichten elektrischen Zweirädern. Kalk, Ösa, Makka und schließlich Bukk sahen nicht nur ungewöhnlich aus, sondern waren teilweise nur schwer einer klassischen Fahrzeugklasse zuzuordnen.
Dann kam im Februar 2024 überraschend die Insolvenz. Seitdem ist es erstaunlich ruhig um die Schweden geworden. Doch verschwunden ist CAKE keineswegs. Die Motorräder werden weiterhin angeboten, Ersatzteile sind erhältlich und selbst gebrauchte Fahrzeuge bereitet das Unternehmen inzwischen wieder auf.
Was ist also eigentlich aus CAKE geworden?
Vom gefeierten Startup in die Insolvenz
CAKE wurde 2016 vom schwedischen Unternehmer Stefan Ytterborn gegründet. Mit der Kalk präsentierte das Unternehmen ein Elektromotorrad, das praktisch auf den ersten Blick als CAKE zu erkennen war. Später folgten unter anderem die modular aufgebaute Ösa, das urbane Moped Makka und schließlich die deutlich leistungsstärkere Bukk.
Das Konzept fand Investoren. Insgesamt sammelte CAKE über mehrere Finanzierungsrunden mehr als 70 Millionen US-Dollar ein. Allein eine Series-B-Runde brachte 2021 rund 60 Millionen Dollar.
Nur das eigentliche Geschäft konnte mit dieser Entwicklung offenbar nicht Schritt halten.
Nach Angaben aus der Zeit der Insolvenz hatte CAKE seit seiner Gründung insgesamt rund 6.000 Fahrzeuge verkauft. Für ein kleines Motorradunternehmen ist das durchaus eine beachtliche Zahl – für ein Startup mit internationalen Standorten, umfangreicher Produktentwicklung und entsprechendem Kapitalbedarf offenbar nicht genug.
2022 erzielte CAKE rund 99 Millionen Schwedische Kronen Umsatz, gleichzeitig stand ein Verlust von umgerechnet rund 23 Millionen Euro in den Büchern. Anfang 2024 wurde die Situation schließlich kritisch. Eine geplante Finanzierungsrunde scheiterte, nachdem ein Investor abgesprungen war. Am 1. Februar 2024 meldete CAKE Insolvenz an.
Damit hätte die Geschichte bereits vorbei sein können.
Ein norwegischer Autohändler übernimmt CAKE
Doch nur wenige Wochen später fand sich ein Käufer. Die norwegische Brages Holding AS übernahm die Marke und das geistige Eigentum von CAKE. Hinter Brages steht der Unternehmer Espen Digernes, dessen Unternehmensgruppe unter anderem im Automobilhandel aktiv ist.
Wichtig dabei: Es wurde nicht einfach die insolvente CAKE 0 Emission AB weitergeführt.
Das heutige CAKE ist ein Neustart unter neuer Eigentümerschaft. In Norwegen existiert dafür die CAKE Mobility AS mit Sitz in Ålesund. Im norwegischen Unternehmensregister wird deren Geschäftszweck als Handel mit Motorrädern sowie Motorradteilen und Zubehör angegeben.
Auch in Schweden gibt es wieder eine Gesellschaft. Die 2024 gegründete CAKE eMobility AB sitzt in Stockholm. Hinter ihr steht ebenfalls Espen Digernes. Für 2025 werden dort lediglich zwei Mitarbeiter ausgewiesen.
Das zeigt bereits, wie stark sich das neue CAKE vom alten Unternehmen unterscheidet.
CAKE startet mit einem kleinen Team neu
Nach der Übernahme stellte Brages ein kleines Kernteam zusammen, zu dem auch ehemalige CAKE-Mitarbeiter gehören. Geleitet wurde der Neustart von Petra Färm, zuvor CTO des alten CAKE.
Auch der CAKE-Store und der Firmensitz in Stockholm wurden wieder eröffnet. Das Unternehmen erklärte damals ausdrücklich, zunächst bereits produzierte Fahrzeuge verkaufen zu wollen. Gleichzeitig kündigte Brages an, ein Händlernetz aufzubauen und CAKE langfristig profitabel zu machen.
Genau das ist möglicherweise die wichtigste Veränderung.
Das alte CAKE wollte schnell wachsen, entwickelte zahlreiche Fahrzeuge, expandierte international und setzte stark auf Direktvertrieb. Das neue CAKE scheint erheblich vorsichtiger vorzugehen.
Statt möglichst schnell wieder zur alten Unternehmensgröße zurückzukehren, wird die vorhandene Marke mit einer sehr kleinen Organisation weitergeführt.
CAKE verkauft tatsächlich wieder Fahrzeuge
Wer heute die CAKE-Webseite besucht, findet jedenfalls keinen digitalen Friedhof eines untergegangenen Herstellers.
Makka, Ösa, Kalk und Bukk werden weiterhin als Produktfamilien geführt. Die Makka wird auf der deutschen CAKE-Seite beispielsweise ab 3.800 Euro angeboten, die gewerblich ausgerichtete Makka :work ab 4.840 Euro. Auch die Ösa :work ist weiterhin konfigurierbar und wird ab 6.730 Euro gelistet.
Auch die beiden sportlicheren Plattformen sind weiterhin präsent. Für die Kalk nennt CAKE je nach Version 10 beziehungsweise 11 kW Spitzenleistung und mehr als 90 km/h Höchstgeschwindigkeit. Darüber rangiert die Bukk mit 16 kW Spitzenleistung und 89 Kilogramm Gewicht.
Die Produktpalette des alten CAKE ist also zumindest auf dem Papier erstaunlich vollständig erhalten geblieben.
Schwieriger zu beantworten ist allerdings eine entscheidende Frage: Wie viele dieser Motorräder werden tatsächlich neu produziert?
CAKE veröffentlicht derzeit keine belastbaren Produktions- oder Absatzzahlen. Beim Neustart 2024 sprach das Unternehmen ausdrücklich vom Verkauf bereits produzierter Motorräder. Ob und in welchem Umfang inzwischen wieder eine kontinuierliche Serienproduktion stattfindet, lässt sich anhand öffentlich verfügbarer Informationen leider nicht eindeutig feststellen.
Ersatzteile gibt es ebenfalls wieder
Für Besitzer vorhandener CAKE-Motorräder dürfte noch etwas anderes mindestens genauso wichtig sein: die Ersatzteilversorgung.
Auch hier gibt es inzwischen wieder eine erstaunlich umfangreiche Infrastruktur. CAKE listet Ersatzteile für Kalk, Ösa, Makka und Bukk sowie weitere ältere Modelle. Das Angebot reicht von Fahrwerks- und Rahmenteilen bis zu Elektronik, Displays, Ladegeräten und kompletten Akkus. Teilweise erfolgt der Verkauf über den Partner cakeservice.co.
Das ist ein wichtiger Unterschied zu vielen anderen gescheiterten Elektromotorrad-Startups. Eine Insolvenz kann für Besitzer schnell zum Problem werden, wenn proprietäre Akkus, Steuergeräte oder Displays nicht mehr verfügbar sind.
Zumindest versucht das neue CAKE offenbar, genau diese Infrastruktur zu erhalten.
Alte CAKEs bekommen sogar ein zweites Leben
Interessant ist außerdem das inzwischen angebotene Programm re:CAKE.
Dabei bereitet das Unternehmen gebrauchte beziehungsweise intern eingesetzte Motorräder auf und verkauft sie anschließend als zertifizierte Gebrauchtfahrzeuge. Jedes Fahrzeug wird geprüft und sein Zustand dokumentiert. Je nach Alter und Fahrzeug gelten individuelle Garantiezeiten.
Das Angebot umfasst unter anderem Makka, Ösa und Kalk. Bei einzelnen angebotenen Fahrzeugen lässt sich sogar nachvollziehen, wie alt sie tatsächlich sind. Eine zuletzt gelistete Ösa+ stammt beispielsweise aus dem Dezember 2021 und hatte gerade einmal sieben Kilometer Laufleistung.
Das zeigt allerdings auch, dass offenbar noch Fahrzeuge aus der Zeit des alten CAKE vorhanden sind.
re:CAKE ist deshalb einerseits ein positives Signal für Service und Bestandspflege, andererseits aber kein Beleg dafür, dass derzeit wieder größere Stückzahlen neuer Motorräder vom Band laufen.
Wo bleiben die neuen Modelle?
Und damit kommen wir zum auffälligsten Punkt des CAKE-Comebacks: Es ist ausgesprochen still.
Die letzte offizielle Pressemitteilung im Newsbereich der CAKE-Webseite stammt vom 18. Juni 2024 und trägt den Titel „The CAKE journey continues“. Die nächste Meldung darunter ist noch die Auslieferung der Bukk vom Januar 2024 – also aus der Zeit vor der Insolvenz.
Neue Motorräder? Fehlanzeige.
Große Investitionsrunde? Ebenfalls nicht bekannt.
Neue Fabrik? Keine Ankündigung.
Produktionszahlen? Keine.
Absatzzahlen? Auch keine.
Für einen Hersteller, der nach einer Insolvenz wieder durchstarten möchte, ist das ungewöhnlich.
Vieles spricht dafür, dass Brages momentan gar nicht versucht, das alte CAKE möglichst schnell wiederherzustellen. Stattdessen scheint man die vorhandenen Produkte, Ersatzteile, Markenrechte und Vertriebsstrukturen mit einer wesentlich kleineren Organisation weiterzuführen.
Die Zahlen zeigen, wie klein das neue CAKE ist
Einen Eindruck von den Dimensionen liefert die schwedische CAKE eMobility AB.
Für 2025 weist das Unternehmen einen Umsatz von rund 1,8 Millionen Schwedischen Kronen (163 TEUR) aus. Gleichzeitig entstand ein Verlust von rund 2,3 Millionen Kronen (208 TEUR). Die Gesellschaft beschäftigte lediglich zwei Mitarbeiter.
Das sind keine Zahlen eines Herstellers, der gerade wieder mit Macht auf den internationalen Motorradmarkt drängt.
Allerdings wäre es ebenso falsch, daraus direkt auf die gesamte wirtschaftliche Situation von CAKE zu schließen. Die Marke wird heute über mehrere Gesellschaften und die norwegische Eigentümerstruktur betrieben. Die schwedischen Zahlen zeigen deshalb vor allem eines: Der Neustart in Stockholm erfolgt mit einer sehr kleinen Organisation.
Und vielleicht ist genau das die Lehre aus der ersten CAKE-Geschichte.
Vom Startup zum Nischenhersteller?
CAKE hatte nämlich ein Problem, das uns bei jungen Elektromotorradherstellern immer wieder begegnet.
Ein interessantes Motorrad zu entwickeln ist schwierig. Daraus einen profitablen Motorradhersteller zu machen, ist noch viel schwieriger.
CAKE entwickelte nicht nur ein Fahrzeug, sondern gleich mehrere Plattformen. Dazu kamen eigene Stores, internationale Standorte, Marketingprojekte, Motorsport, Nutzfahrzeugvarianten und der Aufbau einer weltweiten Marke.
Gleichzeitig bewegten sich viele Fahrzeuge preislich im Premiumsegment.
Als sich das Investitionsklima verschlechterte, wurde diese Struktur zum Problem. CAKE-Gründer Stefan Ytterborn erklärte nach der Insolvenz, dass bereits seit 2022 versucht worden sei, eine weitere große Finanzierungsrunde aufzustellen. CAKE führte sogar Gespräche mit etablierten Fahrzeugherstellern, darunter Harley-Davidson. Ein Deal kam jedoch nicht zustande. (TechCrunch)
Das neue CAKE könnte nun den genau entgegengesetzten Weg versuchen: klein bleiben, bestehende Produkte weiterverkaufen, Ersatzteile anbieten, gebrauchte Fahrzeuge aufarbeiten und langsam ein Händlernetz entwickeln.
Das klingt erheblich weniger spektakulär.
Aber möglicherweise ist es wirtschaftlich die bessere Idee.
Die SteckerBiker meinen:
Wir finden es bemerkenswert, dass CAKE überhaupt noch da ist.
Die Insolvenz im Februar 2024 hätte problemlos das endgültige Ende bedeuten können. Gerade bei Elektromotorrädern sind solche Geschichten leider nicht unbekannt: Das Geld ist weg, die Webseite verschwindet und Besitzer stehen irgendwann mit einem Fahrzeug da, für das es weder Ersatzteile noch Ansprechpartner gibt.
Bei CAKE ist genau das nicht passiert.
Die Marke existiert, der Shop funktioniert, Ersatzteile werden angeboten, alte Fahrzeuge werden aufgearbeitet und zumindest Teile der bisherigen Modellpalette können weiterhin gekauft werden. Das ist zunächst eine gute Nachricht.
Von einem großen Comeback würden wir trotzdem noch nicht sprechen.
Dafür fehlen uns zwei Jahre nach der Übernahme schlicht die entscheidenden Zeichen. Wir sehen keine neuen Modelle, keine größeren Produktionsankündigungen und keine veröffentlichten Stückzahlen. Selbst die Presseabteilung scheint seit der Meldung zum Neustart im Juni 2024 weitgehend im Ruhemodus zu sein.
Und trotzdem könnte gerade diese Ruhe CAKE retten.
Vielleicht braucht die Marke momentan kein weiteres spektakuläres Concept Bike und keine nächste millionenschwere Finanzierungsrunde. Vielleicht reicht es zunächst, gute Motorräder zu bauen beziehungsweise die vorhandenen weiterzuentwickeln, Ersatzteile bereitzuhalten und mit einer Organisation zu arbeiten, deren Kosten tatsächlich zu den verkauften Stückzahlen passen.
Denn eines hatte CAKE schon vor der Insolvenz: eine unverwechselbare Marke und Motorräder, die man nicht mit denen irgendeines anderen Herstellers verwechseln konnte.
Was CAKE jetzt beweisen muss, ist etwas deutlich weniger Glamouröses: dass man damit auch nachhaltig Geld verdienen kann.