Terra Prime: Aus der Garage auf die Straße
Es gibt Elektromotorräder, die am Reißbrett großer Hersteller entstehen. Und dann gibt es Motorräder wie die Terra Prime.
Ihre Geschichte beginnt 2020 während der Corona-Pandemie in einer Garage im Süden Utahs. Dort standen alte Hondas, ein chinesischer E-Bike-Bausatz – und irgendwann die Frage: Das müsste doch eigentlich besser gehen.
Vom E-Bike zur Prime
Hinter Terra Motorcycles steckt Dylan Brown. Während der Corona-Pandemie verbrachte er einige Zeit bei seinen Eltern im Süden Utahs. In der Garage seines Vaters standen alte Motorradprojekte – und Brown begann selbst zu experimentieren.
Ausgangspunkt war ein chinesischer Stealth-Bomber-E-Bike-Bausatz. Das Ergebnis machte Spaß, hatte für Brown aber einige Schwächen: Die Pedale störten besonders im Gelände, der Radnabenmotor brachte nicht die gewünschte Gewichtsverteilung und auch der Schutz von Akku und Elektronik überzeugte ihn nicht.
Also entwickelte er seine eigene Idee: ein leichtes Elektromotorrad mit Mittelmotor, ordentlich Federweg und Straßenausstattung. Daraus entstand die Terra Prime. Die ersten 13 Motorräder wurden noch in Browns Garage gebaut.
Unser Medienpartner THE PACK hatte die Prime bereits im Mai 2023 auf dem Schirm. In ihrem damaligen Artikel über die Terra Prime stellten unsere Kollegen noch eine deutlich zahmere Version vor: weniger als 4,5 kW Leistung, maximal 89 km/h und ein 72-V-Akku mit 42 Ah gehörten damals zu den Eckdaten.
Drei Jahre später hat sich einiges getan. Aus dem vergleichsweise kleinen elektrischen Scrambler ist ein deutlich erwachseneres Elektromotorrad geworden. Die Grundidee ist dagegen geblieben – ebenso wie der Look. Alte Hondas und Kawasakis sowie die Scrambler- und Café-Racer-Szene dienten Brown als Inspiration.
Terra Prime
Heute bezeichnet Terra die Prime selbst als E-Scrambler. Der bürstenlose Mittelmotor treibt das Hinterrad über eine Kette an und leistet laut Hersteller in der aktuellen Ausführung bis zu 25 kW in der Spitze.
Bei nur rund 98 Kilogramm Gewicht soll die Prime bis zu 113 km/h erreichen. Von 0 auf knapp 48 km/h sollen gerade einmal 2,8 Sekunden vergehen.
Drei Fahrstufen begrenzen die Höchstgeschwindigkeit auf rund 45, 89 oder 113 km/h. Mit etwa 224 Millimetern Federweg vorne und gut 200 Millimetern hinten sowie 18-Zoll-Rädern mit Dual-Sport-Bereifung darf die Prime dabei durchaus auch abseits asphaltierter Straßen spielen.
Akku und Alltag
Im Motorcycle Package steckt ein 72-Volt-Akku mit 5,1 kWh Kapazität. Terra nennt eine durchschnittliche Reichweite von rund 113 Kilometern. Bei schneller Highway-Fahrt oder ambitioniertem Geländeeinsatz sollen eher rund 72 Kilometer realistisch sein.
Geladen wird in den USA an einer normalen 110-Volt-Steckdose. Für eine vollständige Ladung kann man mit ungefähr vier Stunden rechnen.
Der Akku lässt sich grundsätzlich herausnehmen, einen klassischen Wechselakku sollte man allerdings nicht erwarten. Er sitzt geschützt in einem Aluminiumgehäuse und zum Ausbau müssen zunächst zehn Schrauben gelöst werden. Der Vorteil dieser Konstruktion liegt im besseren Schutz von Batterie und Elektronik vor Wasser, Staub und Schmutz.
Praktisch ist dafür der vermeintliche Tank. Benzin kommt natürlich keines hinein. Stattdessen bietet er Stauraum und gleichzeitig den für ein Motorrad wichtigen Knieschluss.
Auch sonst bleibt Terra dem Custom-Gedanken treu. Neben verschiedenen Farben und Sitzbänken lassen sich unter anderem Bereifung, Fahrwerk, Übersetzung und sogar das Controller-Setup anpassen.
Preis und Zulassung
In den USA ist die Prime als richtiges Motorrad gedacht. Sie besitzt eine VIN und entsprechende Beleuchtung und kann dort für den Straßenverkehr zugelassen werden.
Eine europäische Typgenehmigung gibt es nach unserem derzeitigen Kenntnisstand allerdings nicht. Eine amerikanische Straßenzulassung bedeutet entsprechend nicht, dass die Prime einfach nach Deutschland importiert und hier zugelassen werden könnte.
Preislich hat sich seit den Anfängen ebenfalls einiges getan. Die ersten in Browns Garage gebauten Motorräder kosteten noch rund 12.000 US-Dollar – umgerechnet etwa 10.400 Euro. Inzwischen arbeitet Terra mit einem externen Fertigungspartner zusammen und bietet die Prime aktuell für 6.499 US-Dollar – rund 5.600 Euro – an.
Ein durchaus interessanter Preis für ein knapp 100 Kilogramm leichtes Elektromotorrad mit dieser Leistung. Nur hilft uns der amerikanische Preis leider wenig, solange eine europäische Version fehlt.
Die #SteckerBiker meinen
Manche Elektromotorräder sind technisch interessant. Und manche schaffen es, dass man nach ein paar Bildern plötzlich wissen möchte, wie sich das Ding wohl fährt. Die Terra Prime gehört für uns eindeutig zur zweiten Sorte.
Uns gefällt, dass sie nicht krampfhaft futuristisch sein will. Sie sieht nach Motorrad aus, hat Ecken und Kanten und trägt ihre Herkunft als Garagenprojekt irgendwie immer noch mit sich herum. Genau das macht sie sympathisch.
Wir würden jedenfalls ziemlich gerne den Helm aufsetzen, den Schlüssel umdrehen und herausfinden, ob sie genauso viel Spaß macht, wie sie verspricht.
Schade eigentlich, dass auch dieses Mal wieder ein ziemlich großer Teich zwischen uns und dem Motorrad liegt.