Cellcius C-01: Superbike mit acht austauschbaren Akkumodulen

Date post
Categories Fahrzeuge, Technik
Tags , , , , ,
Author THE PACK

Neil Davidson, CEO und Design Innovation Director des australischen Designstudios Clandestine Design Group, hat sich an THE PACK gewandt, um die Cellcius C-01 vorzustellen. Dabei handelt es sich um das kürzlich präsentierte Konzept eines elektrischen Hypersport-Motorrads. Das Besondere daran ist ein modulares Batteriesystem namens „Hex-Core“, mit dem der Fahrer selbst entscheiden kann, wie viel Akkukapazität sein Motorrad mitführen soll.

Cellcius C-01

Die C-01 wurde mit einem Australian Good Design Award 2026 in der Kategorie „Concept Design“ ausgezeichnet. Laut Davidson erhielt das Konzept außerdem einen Silver Pin bei den neuseeländischen Best Design Awards sowie einen Tokyo Design Award.

Bei der C-01 handelt es sich bislang ausschließlich um eine Designstudie. Clandestine Design Group hat weder einen Produktionspartner noch Preise, einen Zeitplan oder Leistungsdaten wie Motorleistung, Höchstgeschwindigkeit oder Reichweite bekannt gegeben.

Acht Akkumodule statt eines einzelnen großen Akkupakets

Die zentrale Idee besteht darin, den Akku nicht länger als festen Bestandteil des Motorrads zu betrachten. Anstelle eines einzigen großen Akkupakets kann die C-01 bis zu acht sechseckige, im laufenden Betrieb austauschbare Akkumodule mit jeweils 3 kWh aufnehmen. Daraus ergibt sich eine maximale Gesamtkapazität von 24 kWh. Wie viele Module tatsächlich mitfahren, entscheidet der Fahrer selbst.

Cellcius C-01

Mit nur zwei eingesetzten Modulen soll das Motorrad laut Designstudio 160 kg wiegen und sich damit als leichtes Fahrzeug für den Stadtverkehr eignen. Mit allen acht Modulen steigt das Gewicht auf 220 kg. Diese Konfiguration ist für längere Touren oder den Einsatz auf der Rennstrecke gedacht. Aus den Gewichtsangaben ergibt sich ein Gewicht von etwa 10 kg pro Akkumodul.

Die Designer sehen darin ihre Antwort auf einen bekannten Zielkonflikt bei Elektromotorrädern: Große Akkus ermöglichen hohe Reichweiten, erhöhen aber das Fahrzeuggewicht. Kleine Akkus halten das Motorrad leicht, begrenzen jedoch die Reichweite. Bei der C-01 kann der Fahrer dieses Verhältnis je nach Einsatzzweck selbst bestimmen.

Freie Akkuschächte werden zu Stauraum

Nicht genutzte Akkuschächte lassen sich alternativ als Befestigungspunkte für sechseckige Gepäckmodule verwenden. So kann das Motorrad Gepäck transportieren, ohne auf herkömmliche Seitenkoffer angewiesen zu sein.

Auch die entnommenen Akkumodule sollen weiterhin einen praktischen Nutzen haben. Jedes Modul verfügt über Wechselstrom- und USB-Anschlüsse und kann damit als tragbare Powerstation eingesetzt werden. Diese Vehicle-to-Load-Funktion (V2L) richtet sich insbesondere an Nutzer, die beim Camping oder abseits des Stromnetzes elektrische Geräte betreiben möchten.

Cellcius C-01

Laden ohne eigene Garage

Bei der Entwicklung des Konzepts hatte Clandestine Design Group insbesondere Motorradfahrer im Blick, die in einer Wohnung leben und keinen eigenen Garagenstellplatz besitzen.

Die einzelnen Akkumodule sollen sich in einem speziell entwickelten Rucksack transportieren und anschließend an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose aufladen lassen.

Wer über eine Garage verfügt, kann dagegen eine wandmontierte Ladestation nutzen, die mehrere Module gleichzeitig lädt. Auf diese Weise steht jederzeit ein frisch geladener Akkusatz zum Austausch bereit.

Für das Laden unterwegs ist außerdem ein CCS-Schnellladeanschluss vorgesehen, der bündig in die Oberseite der Tankattrappe integriert ist.

Cellcius C-01

Fahrwerk und technische Ausstattung

Beim Antrieb geht die C-01 ebenfalls einen ungewöhnlichen Weg. Statt einer Kette oder eines Radnabenmotors kommt eine gekapselte Antriebswelle aus Carbon zum Einsatz. Das Designstudio beschreibt diese Lösung als geräuschlos und wartungsfrei. Zudem soll sie geringe ungefederte Massen ermöglichen.

Auch bei der Kühlung setzen die Entwickler auf ein vergleichsweise einfaches Prinzip. Anstelle von Lüftern oder einer schweren Flüssigkeitskühlung soll der Fahrtwind für die notwendige Wärmeabfuhr sorgen.

Lufteinlässe an der Fahrzeugfront und ein Unterdruckbereich am Heck sind so gestaltet, dass bei höheren Geschwindigkeiten warme Luft durch das Chassis gesaugt wird.

Cellcius C-01

Zur vorgesehenen Ausstattung gehören Rennsportbremsen von Brembo und ein vollständig einstellbares Fahrwerk von Öhlins.

Die Beleuchtung umfasst Tagfahrleuchten mit integrierter Blinkfunktion sowie ein segmentiertes LED-Rücklicht, das die Fahrtrichtungsanzeige übernimmt. Separate Blinker sind damit nicht erforderlich.

Eine über 5G vernetzte App soll verschiedene digitale Funktionen ermöglichen. Dazu gehören ein schlüsselloses Zugangssystem per RFID oder PIN, drahtlose Softwareupdates (Over-the-Air) sowie eine Anpassung der Fahrzeugsoftware an die jeweils eingesetzte Anzahl von Akkumodulen.

Cellcius C-01

Wie geht es mit der Cellcius C-01 weiter?

Bislang existiert die C-01 lediglich als computergeneriertes Design und preisgekrönte Konzeptstudie.

Austauschbare Akkus sind im Bereich leichter Elektrofahrzeuge zwar nichts Neues. Ein skalierbares Batteriesystem dieser Größenordnung in einem Hypersport-Motorrad einzusetzen, stellt jedoch einen anderen Ansatz dar.

Entscheidende Fragen bleiben offen. Dazu gehören insbesondere das tatsächliche Gewicht der einzelnen Akkumodule, die Dauerhaltbarkeit der elektrischen Steckverbindungen und die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems unter realen Bedingungen.

Verlässliche Antworten darauf wird erst ein funktionsfähiger Prototyp liefern können.

THE PACK wird die weitere Entwicklung verfolgen und erneut berichten, sollte Clandestine Design Group das Projekt über das Konzeptstadium hinaus vorantreiben.

Dieser Artikel erschien bei unserem Medienpartner THEPACK.news. Er ist im englischsprachigen Original hier zu finden: https://thepack.news/cellcius-c-01-australian-superbike-concept-splits-its-battery-into-eight-swappable-cells/

Anmerkung der #SteckerBiker: Die im Artikel genannten 10 kg pro Akkumodul bei 3 kWh Kapazität wären für einen Motorradakku ausgesprochen ambitioniert. Daraus ergäbe sich eine spezifische Energiedichte von 300 Wh/kg auf Modulebene, also einschließlich Gehäuse, Anschlüssen und weiterer Komponenten, die zum derzeitigen Stand der Technik nicht ohne weiteres erreicht wird. Trotzdem finden wir das Konzept der modularen Akkus absolut berichtenswert.

Gefällt Dir dieser Beitrag?

Wir bringen regelmäßig Beiträge zu Themen aus der Community und Nachrichten aus der Welt der Elektromotorräder.

Damit Du nichts verpasst, bieten wir einen wöchentlichen Newsletter mit Themen der vergangenen Woche.

Melde Dich unverbindlich und kostenlos an und bleibe informiert!

Wir spammen nicht!
Datenschutzerklärung für weitere Infos.

Hinterlasse einen Kommentar