NOVUS sichert sich Finanzierung im zweistelligen Millionenbereich
Der deutsche E-Motorradhersteller NOVUS hat eine Finanzierungsrunde im zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich abgeschlossen. Angeführt wurde die Runde von der Berliner Venture-Capital-Gesellschaft 468 Capital. Das Unternehmen will das Kapital nutzen, um seine Aktivitäten in Europa auszubauen und den für 2027 geplanten Markteintritt in den USA vorzubereiten. Die genaue Höhe der Finanzierung wurde nicht bekannt gegeben.
Von selbst finanzierten Prototypen zur Serienproduktion
NOVUS entwickelte seine ersten Prototypen intern und finanzierte sie aus eigenen Mitteln der Gründer. Laut Gründer und CEO René Renger brachte das Unternehmen seine Fahrzeuge anschließend mit einem Bruchteil des Kapitals in die Serienproduktion, das vergleichbare Fahrzeug-Start-ups üblicherweise benötigen. Die Finanzierungsrunde folgt auf diesen Meilenstein: Das NOVUS One wird inzwischen in Serie produziert und an Kunden in mehreren europäischen Ländern ausgeliefert.
Das Konzept hinter dem Fahrzeug ist seit dem Start unverändert. NOVUS positioniert seine Produkte als eigenständige Kategorie namens „Lightbike“, die das intuitive Fahrverhalten eines E-Bikes, die Wendigkeit eines Rollers und die Leistung eines Motorrads in einem Design vereint. Renger sagt, er habe bei der Gründung nicht gewusst, ob überhaupt jemand an ein Fahrzeug glauben würde, das in keine bestehende Kategorie passt.
Die nächsten Schritte: NOVUS Two und US-Markteintritt
Aus der Investition ergeben sich drei Prioritäten. Die erste ist das NOVUS Two, das das Unternehmen als sein Volumenmodell bezeichnet. Es soll die Lightbike-Kategorie einem deutlich breiteren Markt zugänglich machen. Die zweite ist die weitere Expansion in Europas Lifestyle-Metropolen, wie NOVUS sie nennt. Die dritte ist der Markteintritt in den USA im Jahr 2027.
Autofahrer als Zielgruppe
NOVUS sieht seinen potenziellen Markt weit über das Motorradsegment hinaus. Nach Angaben des Unternehmens besitzen 97 Prozent der Menschen in europäischen Städten einen Autoführerschein. In vielen Ländern reiche dieser aus, um die Einstiegsversion des NOVUS One zu fahren, teilweise sogar die leistungsstärkste Ausführung. Auf dieser Grundlage beziffert NOVUS seine potenzielle Kundenbasis auf mehr als 400 Millionen Autofahrer in Europa und Nordamerika.
Renger zufolge besteht das Ziel darin, die urbane Mobilität mit Fahrzeugen neu zu gestalten, die weniger Platz beanspruchen, weniger wiegen und weniger Lärm verursachen. Die Elektrifizierung des bestehenden Motorradmarkts steht dabei nicht im Mittelpunkt. Neben der Hardware arbeitet NOVUS an dem, was das Unternehmen als „physische KI für urbane Mobilität“ bezeichnet: einer Plattform aus zwei- und vierrädrigen Fahrzeugen, die aus Fahrdaten lernen und durch Softwareupdates verbessert werden sollen.
Investorennetzwerk aus Technologie, Automobilindustrie und Konsumgüterbranche
Neben 468 Capital, wo die Partner Ludwig Ensthaler und Emanuel Pallua die Runde anführten, hat NOVUS einen Gesellschafterkreis mit mehr als 30 Investoren aufgebaut. COO und Gründungsmitglied Hannes A. H. Krieger erklärt, das Unternehmen habe bewusst keine klassischen Mobilitätsinvestoren gesucht. Stattdessen habe es ein Netzwerk aus Führungspersönlichkeiten aufgebaut, die Unternehmen skaliert und Märkte grundlegend verändert haben. Er vergleicht dieses Netzwerk mit einem eigenen Y Combinator für NOVUS. Krieger bezeichnet die Strategie als „Genkidama“: NOVUS gemeinsam mit der Branche aufzubauen. Auf Grundlage seiner mehrjährigen Erfahrung als Venture Scout sagt er, ein vergleichbares Gesellschafternetzwerk bislang noch nicht gesehen zu haben.
Zu den namentlich genannten Unterstützern zählen Eric Bach, ehemaliger Chefingenieur von Lucid Motors und zuvor in einer leitenden Entwicklungsposition bei Tesla, sowie Martin Hoffmann, ehemaliger CEO der Schweizer Sportbekleidungsmarke On, der das Unternehmen durch den Börsengang führte. Auch ein Mitgründer von Xiaomi und die Rennfahrerin Sophia Flörsch gehören zum Gesellschafterkreis. Hinzu kommen Gründer und Führungskräfte mit beruflichem Hintergrund bei Adidas, AMG, Audi, BMW, Chrono24 und FINN.
Nach Angaben von NOVUS bringen diese Investoren neben Kapital auch Fachwissen und internationale Netzwerke ein. Das Unternehmen positioniert sich dabei als Technologiemarke.
Einordnung
Die Runde fällt in einem Marktumfeld auf, in dem mehrere Start-ups für elektrische Zweiräder in den vergangenen Jahren Schwierigkeiten hatten, Anschlussfinanzierungen zu sichern. Dass NOVUS eine bedeutende Finanzierungsrunde nach dem Beginn der Serienauslieferung abschließt, stärkt die Ausgangsposition des Unternehmens beim Übergang von der Premiumproduktion in kleinen Stückzahlen zu einem Volumenmodell und beim Eintritt in einen neuen Kontinent.
Dieser Artikel erschien bei unserem Medienpartner THEPACK.news. Ihr könnt ihn im englischsprachigen Original hier nachlesen: https://thepack.news/novus-closes-double-digit-million-funding-round-led-by-468-capital/