Energica back on the Road: Neustart in Mailand

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Author THE PACK

Neue internationale Eigentümer, das technologische Herz weiterhin in Italien und ein Neustart mit Fokus auf Produktion, Innovation und neue Märkte: Energica meldet sich zurück. Als erstes Modell soll die Experia wieder vom Band rollen, danach folgt schrittweise die gesamte Modellpalette.

Energica kommt zurück auf die Strasse. Dabei besinnt sich die Marke auf ihre Wurzeln, ihre Leidenschaft für Motorräder und auf jene Technologie, Innovationskraft und Erfahrung, die sie zu einem der bekanntesten und angesehensten Namen in der internationalen Elektromotorradbranche gemacht haben.

Das im Herzen des italienischen Motor Valleys in Modena gegründete Unternehmen gehörte zu den Pionieren leistungsstarker Elektromotorräder. Die Geschichte begann mit den Sportmotorrädern der Ego-Familie, wurde mit den Naked Bikes Eva Ribelle und EsseEsse9 fortgesetzt und mit der Experia um einen Sporttourer für lange Reisen erweitert.

Energica Back on the Road

Mit ihrer Leistung, ihren technischen Lösungen und ihrem eigenständigen Charakter haben diese Motorräder Fans auf der ganzen Welt begeistert. Sie haben gezeigt, dass ein elektrischer Antrieb ein unverfälschtes Motorraderlebnis bieten kann. Geprägt wurde dieses Erbe auch im Rennsport: von der Isle of Man bis zu vier Saisons als alleiniger offizieller Motorradlieferant des FIM MotoE World Cup. Dieses internationale Entwicklungs- und Erprobungsumfeld brachte Energicas Technologie voran, insbesondere bei den Hochvoltsystemen und beim DC-Schnellladen.

Nach finanziellen Schwierigkeiten, die 2024 in der gerichtlichen Liquidation und der Einstellung des Betriebs mündeten, steht die Marke nun vor einem neuen Kapitel. Möglich wird dies durch die Übernahme durch Energica Pte. Ltd., ein Unternehmen mit Sitz in Singapur. Dahinter steht eine Gruppe internationaler Privatinvestoren, die eine Leidenschaft für die Marke teilen. Sie sind überzeugt, dass das in Italien aufgebaute technologische und industrielle Erbe eine neue Chance verdient.

Energica Back on the Road

Angekündigt und gefeiert wurde die Rückkehr am 4. November bei «Energica Back on the Road» in den Fonderie Napoleoniche in Mailand. Während der EICMA-Woche 2026 kamen dort Medien, Händler und Fachleute aus der Branche zusammen.

Neue Eigentümer, dieselbe italienische Seele

Die neue Energica verfolgt ein klares Ziel: Sie will bewahren, was die Marke einzigartig gemacht hat, und auf dieser Grundlage ein stärkeres, effizienteres und wettbewerbsfähigeres Unternehmen aufbauen.

Für die neuen Eigentümer liegt der Wert der Übernahme nicht nur in der Marke, den Patenten, dem geistigen Eigentum und den bestehenden Typengenehmigungen. Er liegt vor allem auch in den Menschen und der internationalen Gemeinschaft von Fahrerinnen und Fahrern, die selbst während des Stillstands weiter an Energica geglaubt haben. Sie zeigen am deutlichsten, was die Motorräder leisten können.

Energica Back on the Road

Die technische Kontinuität ist einer der Eckpfeiler des Neustarts. Das zentrale Führungsteam aus Entwicklung und Design, das Energica mit aufgebaut und geprägt hat, blieb in Italien aktiv. Dadurch konnten das über Jahre gewachsene Wissen, die Fähigkeiten und die Erfahrung erhalten werden.

Geleitet wird das Unternehmen von Singapur aus durch Shivangi Bagri. Als interimistische CEO führt sie Energica durch die Übergangsphase. Design, technische Entwicklung sowie Forschung und Entwicklung werden weiterhin aus Italien gesteuert. Verantwortlich dafür ist Giampiero Testoni, Mitglied des Gründungsteams und Chief Technology Officer von Energica. An seiner Seite stehen der Designer Paolo Imeni und ein wachsendes Forschungs- und Entwicklungsteam.

Produktion in Asien, Technologie und Forschung in Italien

Die Motorradproduktion wird nach Asien verlagert. Design, technische Entwicklung, Forschung und Entwicklung sowie die Verantwortung für die technischen Standards und die Qualität bleiben in Italien.

Jedes Motorrad wird weiterhin nach Energicas Vorgaben und unter Aufsicht des italienischen Technikteams gebaut. Ein schlankeres Fertigungsmodell und eine günstigere Kostenstruktur sollen die Herstellungskosten deutlich senken. Dadurch sollen auch die Motorradpreise gegenüber früher um rund 20 Prozent sinken, während die Identität und die technologischen Standards der Marke erhalten bleiben.

Energica Back on the Road

Die Experia macht den Anfang

Der Marktneustart beginnt mit der Experia. Der elektrische Sporttourer hatte der Marke den Weg in die Welt der Motorradreisen und Langstreckentouren geebnet. Als erstes Modell soll er wieder in Produktion gehen.

Schrittweise folgen Ego, Eva Ribelle und EsseEsse9, sodass alle vier Modelle der Energica-Palette auf den Markt zurückkehren. Zunächst bleiben die bestehenden technischen Plattformen erhalten. Mit der bereits entwickelten und homologierten Technik will das Unternehmen den Wiederanlauf beschleunigen.

Danach sollen technische Weiterentwicklungen folgen, beginnend mit einer neuen Batterie. Weitere Verbesserungen sind bei Reichweite, Effizienz, Leistung und vor allem Zuverlässigkeit vorgesehen. Zudem setzt die neue Strategie stärker auf Individualisierung, unter anderem mit leichteren, auf Bestellung gefertigten Varianten mit Carbonverkleidung.

Energica Back on the Road

Europa, USA und Australien: Das Vertriebsnetz wird neu aufgebaut

Zunächst konzentriert sich Energica auf Märkte, in denen die Marke bereits gut vertreten ist und eine starke Gemeinschaft von Besitzerinnen und Besitzern hat. Europa mit Italien an der Spitze, die USA und Australien stehen bei der Wiederaufnahme des Verkaufs, dem Wiederaufbau des Vertriebsnetzes und der Stärkung des Kundendienstes im Vordergrund.

Das Unternehmen arbeitet daran, die Beziehungen zu Händlern und Importeuren Markt für Markt wiederherzustellen. So soll eine Vertriebsstruktur entstehen, die die nächste Wachstumsphase tragen kann. Ein erster konkreter Meilenstein ist für den 15. November 2026 vorgesehen: Dann soll auf der offiziellen Energica-Website eine aktualisierte Liste der Händler und autorisierten Servicepartner veröffentlicht werden.

Auch Asien spielt eine wichtige Rolle – als wachsender Absatzmarkt und als Produktionsstandort. Insbesondere in Indien soll die «Ride Intelligence»-Technologie auch bei anderen Motorradmodellen zum Einsatz kommen. Italien bleibt ein strategisch wichtiger Markt. Das liegt sowohl an den Wurzeln der Marke als auch an der Bedeutung, die italienisches Design und italienische Technologie weiterhin für ihre Identität haben werden.

Energica Back on the Road

Service und Ersatzteile: Bestehende Kunden haben Priorität

Zu den ersten Zusagen der neuen Eigentümer gehört, die Beziehung zu den bisherigen Energica-Besitzerinnen und -besitzern wieder aufzubauen. Diese internationale Gemeinschaft war auch während der Krise mit ihren Motorrädern unterwegs – über Kontinente hinweg, durch Wüsten und abgelegene Regionen. Für sie bedeutet die Rückkehr von Energica vor allem, wieder eine verlässliche technische Anlaufstelle und eine funktionierende Serviceorganisation zu haben.

Der Servicebetrieb wurde bereits wieder aufgenommen. Auch Ersatzteile werden wieder an Händler in mehreren Ländern verschickt. Das italienische Technikteam arbeitet direkt mit dem Händlernetz und den Besitzern zusammen. Unterstützung gibt es auch dort, wo noch kein autorisierter Servicepartner verfügbar ist. In solchen Fällen ist der europäische Kundendienst direkt unter service-eu@energicamotor.com erreichbar.

Bereits aktiv ist zudem das Programm Energica ReCharge. Es soll bestehenden Besitzern die Möglichkeit geben, auf neue Versionen der Motorräder umzusteigen, sobald diese verfügbar sind.

Energica Back on the Road

Energica Owners’ Lounge: Mehr als ein Motorrad

Die neue Strategie geht über Motorräder und das Vertriebsnetz hinaus. Energica will eine engere und langfristige Beziehung zu den Besitzerinnen und Besitzern aufbauen.

Daraus ist die Energica Owners’ Lounge entstanden: eine digitale Plattform, die das Motorradleben von der Verwaltung bis zur Ausfahrt begleiten soll. Die Anwendung umfasst vier zentrale Bereiche:

  • Community: Fahrerinnen und Fahrer können sich vernetzen, Routen teilen und gemeinsame Ausfahrten organisieren. Die Werkzeuge sollen dabei auch Wetterbedingungen, Lademöglichkeiten und die zeitliche Verfügbarkeit der Teilnehmenden berücksichtigen können.

  • Collection: Hier sind funktionelle Motorradbekleidung, Zubehör und ausgewählte Produkte vorgesehen, die italienisches Design und Handwerk widerspiegeln.

  • Garage: Eine digitale Garage soll die Verwaltung der eigenen Motorräder ermöglichen – auch von anderen Marken. Dazu kommen Informationen und Werkzeuge rund um die Wartung.

  • Ride Intelligence: Ein intelligentes System zur Fahranalyse soll Energicas Erfahrung aus dem Rennsport nutzen. Die auf jeder Fahrt gesammelten Daten sollen in hilfreiche Erkenntnisse und Empfehlungen übersetzt werden, um das Fahrerlebnis zu verbessern.

Das dafür vorgesehene Gerät soll sowohl mit bereits zugelassenen Energica-Motorrädern als auch mit neuen Modellen funktionieren. So können auch bestehende Besitzer von künftigen Innovationen profitieren.

Zugleich will Energica die Gemeinschaft direkt in die Weiterentwicklung der Marke einbeziehen. Anregungen, Ideen und Erfahrungen jener Menschen, die ihre Energica täglich fahren, sollen in das Projekt einfliessen.

Energica Back on the Road

Energica Back on the Road: In Mailand beginnt die Zukunft neu

„Die Rückkehr von Energica bedeutet weit mehr als die Wiederaufnahme der Produktion einer Motorradpalette“, sagte Shivangi Bagri. „Es geht darum, eine italienische industrielle und technologische Leistung weiterzuführen, die das Potenzial leistungsstarker Elektromobilität sichtbar gemacht hat. Gleichzeitig bauen wir eine neue Organisation auf, die den Herausforderungen des Weltmarkts gewachsen ist. Auf der einen Seite stehen das Erbe des Motor Valleys, die Rennsporterfahrung und das Fachwissen des italienischen Technikteams. Auf der anderen Seite stehen internationale Eigentümer, ein wettbewerbsfähigeres Fertigungsmodell, neue Technologien und eine Strategie, die nicht nur die Motorräder, sondern auch die Menschen in den Mittelpunkt stellt, die sie fahren.“

Mit der Wahl von Mailand während der EICMA-Woche unterstreicht Energica den Willen, wieder Anschluss an die internationale Motorradwelt zu finden.

Am 4. November hat Energica Back on the Road offiziell ein neues Kapitel für die Marke eröffnet. Es baut auf den italienischen Wurzeln auf, richtet den Blick auf internationale Märkte und soll Energica wieder eine führende Rolle bei der Zukunft elektrischer Zweiräder geben.

Denn die Energica-Fahrerinnen und -fahrer waren immer unterwegs. Jetzt kehrt auch die Marke mit ihnen auf die Strasse zurück.


Dieser Artikel von Marco Ghezzi – THE PACK Italia wurde zuerst am 5. November 2026 auf THEPACK.news veröffentlicht. Deutsche Übersetzung für SteckerBiker.

Unsere Eindrücke: Eine neue Chance für Energica

Auch wir, Remo und Patrick, durften gestern Abend in Mailand dabei sein und Energicas Neustart aus nächster Nähe miterleben. Gerade nach den negativen Nachrichten der vergangenen Monate freuen wir uns sehr, dass Energica eine neue Chance erhält.

Ein herzliches Dankeschön geht an Marco und Fabrizio von THEPACK Italia für die tolle Organisation und Umsetzung des Events – und dafür, dass wir ebenfalls eingeladen wurden.

Es ist schön zu sehen, dass Zero die Fahne bei den leistungsstarken Elektromotorrädern künftig nicht mehr ganz so alleine hochhalten muss. Energicas Rückkehr macht Hoffnung und bringt neue Zuversicht in die Szene.

Besonders eindrücklich waren für uns die Gespräche am Abend. Sie haben deutlich gezeigt, wie eng Hersteller, Händler sowie Fahrerinnen und Fahrer bei Energica miteinander verbunden sind. Hier steht eine fest zusammengeschweisste Gemeinschaft hinter der Marke, die gemeinsam an einem Strang zieht.

Dieser Spirit war deutlich zu spüren. Und genau das stimmt uns für Energicas Zukunft sehr zuversichtlich.

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