Elektromotorräder – Faktencheck in den Alpen

Mythenreich, vieldiskutiert und eine Geschichte voller Missverständnisse: das Fahren mit Elektromotorrädern. Die Experten am Social Media-Stammtisch meinen zu wissen, dass Touren in den Alpen damit, wenn überhaupt, nur im Schneckentempo und mit ewig dauernden Ladepausen möglich seien. Es ist Zeit, ein paar Fakten einzufahren.

Wie weit kommt ein modernes Elektromotorrad in den Bergen? Wie wirken sich Steigungen auf die Reichweite aus? Welche Kosten entstehen? Und vor allem: Macht das überhaupt Spaß?

Wir wollen es genau wissen

Antworten auf diese Fragen suchen mein Freund Ralf (hier sein Instagram-Profil) und ich auf einer Datensammlungs-Fahrt durch das magische Rätische Dreieck.

Unsere „Teststrecke“ (Link auf Kurviger) führt durch den Vinschgau in Südtirol, das Obere Gericht in Nordtirol und das Schweizer Unterengadin mit Abstechern in die höher gelegenen Orte Tschlin (1), Sent (3), Lü (4) und Tanas (7). Sie bietet so eine Mischung aus flachen und schnellen Abschnitten, kurzen und steilen Rampen sowie engen Serpentinen und Ortsdurchfahrten – also alles, was eine Motorradtour ausmacht. Einzig Ralfs geliebte Offroad-Passagen fehlen.

Ralf fährt auf dieser Tour seine Zero DSR/X. Um den Vergleich mit einem „richtigen Motorrad“ (sic!) ziehen zu können, begleite ich ihn auf meinem Road King von Harley-Davidson.

Unsere Tour führt durch Italien, Österreich und die Schweiz

Wir sind uns sicher, die Tour mit einer Akkuladung zu schaffen – dennoch haben wir die meisten an der Route liegenden Ladepunkte am Ende dieses Blogs aufgelistet.

Das
 sind wir

Ralf (Kretz) ist ein Westallgäuer Abenteurer und lebt für das Motorradfahren. Mit seiner Zero DSR/X cruist er über die kurvigen Straßen des Allgäus und durch den Bregenzerwald. Er liebt enge Serpentinen, atemberaubende Ausblicke und die Freiheit auf zwei Rädern. Das souveräne Ansprechverhalten und der gnadenlose Punch der Zero begeistern ihn jedes Mal. Neben Asphalt zieht es ihn zu Offroad-Trainings und On- und Offroad-Veranstaltungen, wo er seine Leidenschaft auslebt. Ralf fährt gelassen, präzise, immer im Einklang mit der Landschaft.

Der King und ich

Ich, Jürgen (Theiner) fahre, schreibe und fotografiere seit über 30 Jahren Motorrad. Mit 20 war es mein Traum, Motorradarbeiter zu werden, mit 50 habe ich ihn mir erfüllt. Mein Fahrstil kann vieles sein – seit ich Harley und Zero fahre, hat er sich von knieschleifend-gebückt hin zu aufrecht sitzend und landschaftsgenießend geändert. Mein Revier sind die Pässe in und rund um Südtirol, ich mag die schnellen Kurven, ich mag die engen Kurven, ich mag die steilen Kurven – ich mag das Motorradfahren.

Die Motorräder

Ralfs DSR/X ist Baujahr 2023 und verfügt über Zeros aktuell größten Akku mit 17,3 kWh (Kilowattstunden, siehe Glossar) Kapazität. Davon sind 15,6 effektiv nutzbar. Ralf fährt gerne im Gelände, daher rollt seine Maschine auf grobstolligen Enduro-Reifen von Mitas.

Mein Road King ist aus dem Jahr 2013, hat einen Tankinhalt von 22,7 Litern und wiegt lustige 380 kg. Die Maschine ist für mehr Schräglagengaudi fahrwerksseitig umgebaut und wegen der Klappen-Auspuffanlage softwareoptimiert. Will heißen: Fetter abgestimmt.

 

Zero DSR/X

Harley-Davidson Road King

Baujahr

2023

2013

Laufleistung

22.400 km

18.300

Kapazität Akku / Tankinhalt *

17,3 kWh / 15,6 kWh

22,7 l

Gewicht fahrbereit *

247 kg

380 kg

Reifentyp vorne / hinten

Mitas Enduro Trail+

Metzeler

Reifendruck vorne / hinten

2,2 / 2,6 bar

2,5 / 3 bar

Maximales Drehmoment *

225 Nm

135 Nm

Maximale Leistung *

75 kW

64 kW

* Herstellerangaben

Der Ablauf

Wir starten mit vollgeladenem Akku bzw. vollem Tank und korrekten Reifendrücken. Wir fahren zügig, aber im Rahmen der Straßenverkehrsordnung und hauptsächlich innerhalb unserer finanziellen Möglichkeiten. Schleichfahrten, die verbrauchsrelevant werden können, vermeiden wir, denn bei Bedarf stehen an der Strecke genügend Ladepunkte zur Verfügung. Als Ortskundiger gebe ich das Tempo vor und plane die Foto-Stopps.

Vor bzw. nach jeder längeren Steigung notieren wir die wesentlichsten Fahrdaten. Wegstrecke, Kilometerstand, SoC, Momentanverbrauch, Meereshöhe und Temperatur erheben wir über das Zero-Display, Scenic und eine Wetter-App. Ein WingMan zeichnet die Fahrt auf, Calimoto läuft als Fallback mit. Am Ende der Tour laden bzw. tanken wir erneut voll und ermitteln so die Strom- und Kraftstoffkosten.

Die Auswertung dieser Daten soll dann Aufschluss über den Verbrauch in der Ebene, an Steigungen, bei niedriger und bei artgerechter Geschwindigkeit geben.

Daten, Informationen & Notizen

Die Ergebnisse in Kürze

Zurückgelegte Strecke *

190,3 km

Dauer | Reine Fahrzeit *

05:42 h | 03:54 h

Ladestopp | Ladedauer

0 | 0 min

Durchschnittsgeschwindigkeit *

48,6 km/h

Höhenunterschied *

4104 m | 4096 m

Verbrauch

Zero: 13,6 kWh | Harley: 10,6 l

Durchschnittstemperatur

10,2 °C

* Datenbasis: RideLink WingMan

Anmerkung 1: Eine Fahrzeit von ≈ 4 Stunden für 190 Kilometer klingt nach Schleichfahrt. Dem ist aber nicht so, die kleinen Straßen nach Tschlin, Lü und Tanas haben den Schnitt gedrückt. Auf einer typischen Alpenstraße sind 45–50 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit realistisch.

Anmerkung 2: Die Daten zum Höhenunterschied sind uns ein Rätsel. Die Routenplanung von Kurviger errechnete 6162 m, Scenic zählte unterwegs 3950 m, der WingMan erfasste 4104 m. Bei der Auswertung verwenden wir die Daten vom WingMan.

Der WingMan schrieb die Kleinigkeit von 14.000 Wegpunkten – jeder mit Zeitstempel, GPS-Position, Geschwindigkeit und Meereshöhe. Damit haben wir unsere Pi mal Daumen-Werte validiert und ergänzt. Die GPX-Datei des WingMan und die angereicherten Fahrdaten sind unter Downloads zu finden.

Nachstehend die leserliche Tabelle unserer handschriftlichen Notizen:

 

Wegstrecke

SoC

Wh/km

Meereshöhe

Temperatur

Laas (IT)

0 km

110 %

0

879 m

10 °C

Schluderns (IT)

13 km

106 %

55

921 m

8 °C

Reschen (IT)

36 km

90 %

78

1502 m

6 °C

Norbertshöhe (AT)

48 km

85 %

86

1409 m

9 °C

Martina (CH)

54 km

86 %

82

1040 m

10 °C

Tschlin (CH)

64 km

78 %

87

1500 m

11 °C

San Niclà (CH)

70 km

78 %

82

1085 m

11 °C

Crusch (CH)

81 km

72 %

84

1245 m

12 °C

Sent (CH)

83 km

71 %

83

1430 m

12 °C

Zernez (CH)

116 km

54 %

81

1474 m

11 °C

Il Fuorn (CH)

139 km

34 %

84

2143 m

7 °C

Lü (CH)

157 km

30 %

82

1930 m

7 °C

Müstair (CH)

165 km

30 %

77

1244 m

12 °C

Schluderns (IT)

182 km

24 %

74

921 m

14 °C

Tanas (IT)

195 km

13 %

76

1461 m

10 °C

Laas (IT)

203 km

14 %

73

872 m

15 °C

Tabelle 1: Die Unterwegs-Datensammlung

Anmerkung 1: Die schrägen 110 % SoC (State of Charge, siehe Glossar) sind eine Zero-Eigenheit und entsprechen den nutzbaren 15,6 kWh. Als „gesunden“ SoC im Alltag empfiehlt Zero 100 %. Die zusätzlichen 10 % können bei erhöhtem Reichweitenbedarf aktiviert werden. Diesen Bedarf hatten wir.

Anmerkung 2: Der feinfühlige und mit Sensoren vollgestopfte WingMan erfasste eine Wegstrecke von 190,3 Kilometern, Kurviger errechnete bei der Planung 188 Kilometer. Offensichtlich weicht der Wegstreckenzähler der Zero um +6,8 % ab.

Anmerkung 3: Der Rest-SoC von 14 % wäre für weitere 30 Kilometer und 700 Höhenmeter gut gewesen – das entspricht der Strecke von Martina über Tschlin nach Crusch.

Equipment en masse: SmartPhone, Navi und (versteckt) WingMan

Verbräuche & Kosten

Die Zero verbrauchte 13,6 kWh (8,2 €), die Harley 10,6 Liter Benzin (19,0 €). Um die Verbräuche vergleichbar zu machen, rechnen wir den Energiegehalt von 1 Liter Benzin in kWh um. Im Haushalt werden Strom, Gas, Warmwasser und Heizung schließlich auch in kWh abgerechnet.

Das Benzinäquivalent (siehe Glossar) beträgt 8,8 kWh/Liter. Der Verbrauch der Zero entspricht also dem Energiewert von ≈ 1,5 Liter Benzin, der Verbrauch der Harley 93,6 kWh. Überraschung: Das sind ≈ 588 % mehr.

 

Kapazität

Verbrauch

Verbrauch in kWh

Wh/km

Zero

15,6 kWh

96 % (von 110 %)

13,6

71,5

Harley-Davidson

22,7 l

10,6 l

93,6*

491,9

* Benzinäquivalent: 8,8 kWh, alle Werte gerundet

Mit anderen Worten: Obwohl die 5,6 Liter/100 km für die mit Fahrer ca. 500 kg schwere Harley objektiv nicht viel sind, verbraucht der amerikanische Riesen-V2 auf derselben Strecke mehr als sechsmal (!) so viel Energie wie die DSR/X.

Noch Fragen zur Effizienz eines Elektromotors?

Die Zero wurde mit relativ teurem Ladestrom meines Anbieters VION (0,60 €/kWh) geladen. Der klangstarke Spaß auf der Harley-Davidson kostete trotzdem mehr als doppelt so viel. Hätten wir die DSR/X in meiner Garage am Schuko-Stecker geladen – also mit meinem günstigen Haushalts-Tarif –, wäre die Harley-Fahrt sogar sechsmal teurer geworden.

Wir beginnen zu rechnen

 

Verbrauch

Preis pro Einheit

Gesamtkosten

Zero DSR/X (VION-Ladesäule)

13,6 kWh

0,6 €/kWh

8,2 €

Zero DSR/X (VION-Haushaltsstrom)

13,6 kWh

0,2 €/kWh

3,3 €

Harley-Davidson Road King

10,6 l

1,8 €/l

19,0 €

Alle Werte gerundet

Wie ging das nochmal mit der Prozent-Rechnung?

Können wir den Mehrverbrauch der DSR/X am Berg berechnen? Dafür erheben wir den „Basis-Verbrauch“ im Flachen auf Strecke X und ziehen ihn vom höheren Verbrauch auf einer ähnlich langen, aber ansteigenden Strecke ab.

Das ist zwar weniger eine belastbare Rechnung denn eine Annahme. Weil: Am Berg kann zwar gleich schnell wie im Flachen gefahren werden, das energieraubende Beschleunigen aus Kehren oder Änderungen des Gefälles werden in der Rechnung jedoch nicht berücksichtigt.

Wie dem auch sei. Den flachsten Abschnitt unserer Tour finden wir zwischen Laas und Schluderns. Auf 11 km messen wir einen Höhenunterschied von 40 m und einen SoC-Verbrauch von 4 %. Das entspricht 624 Wh. Diesen Wert teilen wir durch die Distanz.

Hinweis: Der Einfachheit halber rechnen wir in Wattstunden (Wh).


15.600 Wh x 4 % = 624 Wh

Wir rechnen den Verbrauch von 4 % SoC in Wh um


624 Wh / 11 km = 56,7 Wh/km

Wir errechnen den Wh-Verbrauch pro Kilometer

Pro Kilometer verbraucht die DSR/X also 56,7 Wh. Plausibel – beim Stopp in Schluderns haben wir auf dem Zero-Display einen Wert von 55 Wh/km gelesen (siehe Tabelle 1). Übrigens: Bei diesem Verbrauch würde die Akku-Kapazität von 15.600 Wh für ca. 275 km reichen.


Wir lernen:
Im Flachen gilt ein Basis-Verbrauch von ≈ 57 Wh/km.

Eine ähnlich lange Strecke, allerdings mit 6 % Steigung, liegt zwischen Schluderns und Tanas (11,2 km). Dort hat die Zero 11 % SoC verbraucht. Wir machen die gleiche Übung nochmals:


15.600 Wh x 11 % = 1.716 Wh

Wir rechnen den Verbrauch von 11 % SoC in Wh um


1.716 Wh / 11,2 km = 153,2 Wh/km

Wir errechnen den Wh-Verbrauch pro Kilometer

Am Berg errechnen wir einen Verbrauch von 153,2 Wh/km. Übrigens: Bei diesem Verbrauch würde die Akku-Kapazität von 15.600 Wh nur noch für ca. 102 km reichen. Von den 153,2 Wh/km ziehen wir nun den Basis-Verbrauch von 57 Wh/km ab. Ergebnis: ≈ 96 Wh/km.

Steil bergauf: 11 Kilometer von Schluderns nach Tanas

Für die DSR/X ergibt sich also ein Berg-Zuschlag von ≈ 96 Wh/km. Zur Validierung betrachten wir die Strecke von Zernez auf den Ofenpass (23 km), berechnen den theoretischen SoC-Verbrauch und vergleichen ihn mit unseren Notizen.


153 Wh/km x 23 km = 3.496 Wh

Wir errechnen den Wh-Verbrauch auf 23 km (ansteigend)


(3.496 Wh / 15.600 Wh) x 100 = 22,4 %

Wir errechnen den prozentuellen Anteil an der Gesamtkapazität

Theoretisch zieht diese Strecke ≈ 3.500 Wh, also 22,4 % der Gesamtkapazität von 15.600 Wh aus dem Akku. Wir haben auf unserer Fahrt effektiv 20 % SoC verbraucht (siehe Tabelle 1). Grund: Die Steigung von Zernez zum Ofenpass ist im Schnitt um 2 % geringer als von Schluderns nach Tanas. Die Berechnung des Berg-Zuschlags ist also plausibel.


Wir lernen:
Am Berg gilt ein Zuschlag von ≈ 96 Wh/km.

Höhenprofil der Strecke
Speedprofil unserer Fahrt

Annahmen & Spazierendenken

Mal angenommen, die Fahrt der Harley hätte nur gleich viel kosten dürfen wie die der Zero – also 8 € (siehe Verbrauchstabelle). Dafür gibt es ≈ 4,5 Liter Benzin, und damit kommt die Harley 85 Kilometer weit. Das bedeutet: Nach dem Start in Laas würde der Road King spätestens in Sent stehen bleiben. Ein wunderschöner Ort mit Ladepunkt, aber leider ohne Tankstelle …

Pause in Sent, nach 85 Kilometern

Mal angenommen, die DSR/X sollte gleich weit fahren wie die vollgetankte Harley. 23 Liter Benzin ermöglichen dem Schwergewicht 400 Kilometer. Für diese Distanz müsste die Zero unterwegs ungefähr zwei Stunden lang angekabelt werden.

Die Investition in ein aktuell 3.000 € teures, optionales Schnell-Ladegerät würde die Wartezeit um die Hälfte verkürzen. Für 3.000 € könnten auch ≈ 1.670 Liter Benzin verbrannt werden. Wie weit die Harley wohl damit kommt?


3.000 € / 1,8 €/l = 1.666,7 l

Wieviel Benzin gibts für 3.000 € (Preis: 1,8 € pro Liter)?


1.667 l / (5,6 l/km / 100) = 29.762,5 km

Wir dividieren durch den Verbrauch (5,6 l/100 km)

30.000 Kilometer. Ralfs DSR/X müsste für diese Distanz bei einer kontinuierlichen Reichweite von 200 Kilometern 150mal laden. Zeit ist Geld und umgekehrt; mit Schnell-Ladegerät würden 150 Stunden gespart. Das sind immerhin sechs Tage.

Wenn wir schon bei absurder Mathematik sind: Die 1.670 Liter Benzin entsprechen ≈ 14.500 kWh. Damit lädt die DSR/X zwar nicht schneller, fährt aber über 200.000 Kilometer weit.

Wann gehts los?

Rekuperation – die Elektro-Magie

Ein faszinierender Teil der Elektro-Magie ist die Rückgewinnung von Energie beim Bergab-Fahren oder Verzögern. Auch wenn Elektromotorräder für richtig heftiges Rekuperieren zu leicht sind, ergibt sich in den Bergen ein netter Effekt – siehe Tabelle 1: Von der Norbertshöhe nach Martina steigt der SoC um 1 %, ebenso auf der Fahrt von Tanas nach Laas. 1 % klingt nach wenig, er kommt allerdings auf die quasi geschenkte Strecke oben drauf.

Gleich werden wieder Elektronen gesammelt

Die 43 Kilometer vom Ofenpass nach Schluderns ziehen trotz der Fahrt nach Lü (+300 Hm) nur 10 % SoC. Mit dem Basis-Verbrauch von 57 Wh/km gerechnet, würden die Distanz einen Verbrauch von 2,5 kWh oder ≈ 16 % SoC bedeuten.

Noch ein Beispiel: Rund um den höchsten Alpenpass, dem Col de l’Iseran in Frankreich, erreichte meine Zero SR/F 14.4 mit ihrem kleinerem Akku (nutzbare Kapazität: 12,6 kWh) 240 km bei einem Rest-SoC von 10 %. Die Rekuperation auf den langen Rampen des Iseran und des Großen St. Bernhard zahlte beeindruckend auf die Reichweite ein.

Die wegzubremsende Bewegungsenergie fließt also wieder sinnvoll nutzbar in den Akku und nicht in rauchende Bremsbeläge wie an der Harley geschehen.

Fazit der Ausfahrt

Die Verbrauchsfahrt verlief völlig problemlos und wie erwartet. Wir lernten: Eine Zero DSR/X erreicht in den Bergen ohne Verrenkungen ≈ 230 Kilometer pro Akku-Ladung, selbst bei kühlen Temperaturen (der Mittelwert lag während unserer Fahrt bei 10,2 °C) und mit groben Stollenreifen. Auch viele (Foto-)Stopps mit energieraubenden Anfahrten aus dem Stand reduzieren die Reichweite nicht nennenswert.

Laden? Überall möglich, auch im verlassenen Lü. Aber nicht nötig.

Rechnet man den Verbrauch eines Verbrenner-Motorrads in kWh um, schockiert die Effizienz der DSR/X; vor allem, wenn man weiß, dass sich die Zero beim Beschleunigen arg zurückhalten musste, um nicht ständig ins Heck der bemühten Harley einzuschlagen.

Und der Spaß?

Diese Ausfahrt war von Kilometer 0 bis 190 grandios: Die klare Luft schenkte uns weit reichende Blicke über die Sonnenterrassen des Engadin. Die freien Schweizer Straßen – auf der Ostrampe des Fuorn begegnete uns nur ein halbes Dutzend Autos – bescherten uns einen Motorradflow par excellence. Die ans Licht drängenden Frühlingsboten – blühende Apfelbäume im Vinschgau, Millionen von Krokussen auf den Schweizer Weiden – ließen die winterlichen Temperaturen in den Höhenlagen nur halb so schmerzhaft werden. Eichhörnchen kreuzten unseren Weg, Milane kreisten über uns, Schweizer Mädels boten sich als Fotomodels an.

Weder auf der Harley noch auf der im Vergleich extremst dynamischen DSR/X wurde uns langweilig. Auf einigen Abschnitten waren selbst die auf Schweizer Landstraßen erlaubten 80 km/h herausfordernd.

Allegra – „Ich freu‘ mich“

Wir hatten natürlich Spaß. Auch wegen eingesparter Kilowattstunden und sensationell niedriger Kosten, wärmender Motorhitze und dem leisen Surren des am Ende des Tages gerissenen Zahnriemens. Wir hatten Spaß am Unterwegs-Sein in bezaubernder Landschaft, an interessanten Gesprächen und an unserer Freundschaft.

Dieser Beitrag ist mit zusätzlichen Informationen auf Rügen Theiners Blog „Motorprosa – Geschichten aus der Kurve“ erschienen. Ihr findet ihn hier:
https://www.motorprosa.com/elektromotorraeder-faktencheck-in-den-alpen/

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3 Antworten

  1. Cooler Trip, Ich hatte ähnlich Erfahrungen gemacht. Zero DSR/X und BWM R9T. München, Murnau, Reutte, Hantenjoch, Pillerhöhe, Reschenpass, Meran (357km, 8741 Höhenmeter, 3x Laden)
    Elektromotorrad und Alpen passt #NoNoise

  2. vielen dank für den wie immer tollen bericht. ich habe mir heuer einen lebenstraum erfüllt und war mit der DSR/X gut 2 wochen mit 2 freunden auf Moto Guzzi und Honda in den Seealpen. die schotterstraßen haben mir meine grenzen aufgezeigt, die der Zero liegen verdammt hoch. 14 tankpausen stehen 4 kurzen dezidierten ladestopps gegenüber. den rest habe ich über nacht bei camping/hotel ‚getankt‘ oder bei den obligaten kaffeepausen…

  3. Toller Bericht – Danke hierfür
    Einen wichtigen Hinweis finde ich noch, dass Besitzer /Interessenten einer („normalen“)DSR die Ladeleistung von werkseitig 3kW für 1000€ auf immerhin 6kW verdoppeln können.
    Meine hat mit dem „going electric“ Bonus „nur“ 12.000€ gekostet (Motorrad Borchardt)

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